Bike - Tagebuch 

Samstag, 23. April 2000



350er Jawa, hab auch so eine besessen ... Berliner Roller, damit bin ich noch zur Schule gefahren ... Eigentlich weiß ich garnicht mehr so richtig, wie ich wieder zum Motorradfahren gekommen bin. Nachdem ich zwanzig Jahre meiner Jugend auf allen möglichen zweirädrigen Geschossen durch die Gegend kutschiert war (siehe umliegende Bilder), hatte ich mit meinem ersten Auto (ein Trabbi, was sonst ?) die Lust am Fahrtwind wohl etwas verloren.
Als dann das Autofahren zum notwendigen Übel geworden war und auch das nötige Kleingeld kein drastisches Hindernis mehr darstellte, beschloß ich also im zarten Alter von über vierzig Jahren: ein Feuerstuhl muß wieder her !

die Dicke Berta Von früher waren wir Ostler eher die kleineren Hubraum-Varianten gewohnt, mehr als 350 cbm war zu DDR-Zeiten nicht drin.
Wie mir der Yamaha-Händler dann empfohlen hat, statt einer 650er doch lieber gleich eine 1100er zu nehmen, vermutete ich dabei eher noch eine fise Verkäufermasche. Heute bin ich ihm dafür ausgesprochen dankbar, das "Moped" hätte ich wohl spätestens nach der ersten Saison zurückgebracht. Nochmal vor die Wahl gestellt, würde ich heute sogar für ein noch größeres Eisen plädieren. Mein Ding ist zwar eher das gemütliche Dahingleiten auf einsamen Landstraßen, trotzdem kann ich nur bestätigen:
nix geht über ausreichend Hubraum und Drehmoment !

Jedenfalls nahm die "Dicke Berta" (alias: Yamaha XVS1100A Drag Star Classic) nach und nach die Form an, die ich mir unter der Kategorie "Mittelschwerer Chopper" immer vorgestellt hatte. Sie hat mich in dieser Zeit in die  Provence  und bis an's Mittelmeer gebracht. Kurz gesagt, wir beide waren rundum zufrieden miteinander.


Samstag, 13. Oktober 2001



Lokalseite der OTZ vom 15.10.2001 So schnell kann's vorbei sein !

Eigentlich war's ein wunderschöner Tag. Der  Burg Ranis  hatte ich einen Besuch abgestattet und war auch sonst noch ganz schön rumgekommen. Die Ausfahrt neigte sich ihrem Ende zu und ich freute mich schon ein bischen auf zu Hause. Wunderschöne Gegend unser Thüringer Land und überall gibt's was zu sehen. Nur ablenken sollte man sich davon nicht lassen. Gerade eben bestaune ich noch die riesigen Flügel dreier Windkraftanlagen und plötzlich ist die Straße weg !
Na ja, dumm gelaufen. Hätte auch noch schlimmer kommen können, obwohl: mit zwei gebrochenen Armen merkt man erst mal, wozu man Arme und Hände überall braucht ...
Die Saison war jedenfalls gelaufen und die Dicke Berta war fast völlig hinüber. Die schlimmste Nachricht war, daß selbst der Rahmen was abbekommen hatte. Damit hatte sich der Wert meines Bikes in kürzester Zeit drastisch reduziert. Der Winter kam und ich hab überlegt, was man aus dem Haufen Schrott wohl machen könnte. Eines war allerdings schon im Krankenhaus klar:

Ich werde wieder aufsteigen !

Trotzdem habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen, künftig nur noch allein aufzusatteln. Die Verantwortung für mich selbst kann ich übernehmen, für andere Personen möchte ich dieses Risiko nicht mehr tragen !
Die "Neue" sollte also von vorn herein nur noch mit einem Einzelsitz ausgestattet werden.


Freitag, 22. März 2002



die Dicke im neuen Gewand Und das ist das Ergebnis eines langen Winters !
Der Rahmen war verzogen und mußte an eine Firma geschickt werden, die das wieder richten konnte ! Hinterher wurde er nochmal Laser vermessen und ist am Ende wahrscheinlich genauer ausgerichtet, als jemals zuvor.
Die Kotflügel waren sowieso hinüber, so daß ich gleich ein paar ordentliche Teile von  ThunderBike  verbauen konnte. Von der gleichen Firma stammt auch die breite Gabel, die Originale hatte den Sturz leider nicht überlebt. Einen breiten Sturzbügel hat sie auch wieder bekommen (man weiß ja nie ...). Doppelscheinwerfer vorn, ein schickes Rücklicht von Hella, eine verchromte Sitzreling und überall neue, kleinere Blinker vervollständigen das Ganze.
Und weil ich schon mal dabei war, habe ich dem Maschinchen auch noch eine komplette Lederausstattung spendiert. Durch Zufall bin ich da auf eine kleine Firma am Bodensee gestoßen  (EVKAPD) , die punziertes Lederzubehör für Bikes, Trikes und anderes mehr anfertigt. Selbst meinen originalen Sitz haben die neu bezogen und das ganze auch noch zu absolut erschwinglichen Preisen.
Mittlerweile kann ich jedenfalls behaupten: Ein zweites Bike, daß so aussieht wie meine "Dicke", muß man lange suchen ...


Sonntag, 29. September 2002



da oben ist das Grab von Leonardo da Vinci Wieder daheim !
Die letzten 10 Tage war "Alte Herren" - Tour angesagt. Michael, unser Tourguide, hatte seinen Freundeskreis eingeladen, eine reichliche Woche lang das historische Frankreich zu entdecken. Die  Tour  führte über eine lange Reihe von Schlössern entlang der Loire zu den imposantesten Stätten der französichen Geschichte. Links im Bild ist übrigens die Kathedrale abgelichtet, in der Leonardo da Vinci begraben liegt. Mittlerweile fühle ich mich in Frankreich recht wohl (Für Leute, die gern essen, ist das ja auch kein Problem, oder ?). Wir haben beschlossen, sowas ab jetzt jedes Jahr einmal zu organisieren.
Die "Dicke" hat prima durchgehalten, obwohl ich am Anfahrtstag die Hilfe eines Schwarzwälder Suzuki-Mechanikers in Ansruch nehmen mußte. Auf Grund der voll gepackten Taschen hatte das Hinterrad das unter dem hinteren Schutzblech verlegte Rücklicht- und Blinkerkabel durchgescheuert. Schon auf der Autobahn gingen die Blinker nicht mehr richtig, was nicht ganz ungefährlich war. Der Kollege hat mir in Handarbeit ein dickes Alublech aufgesetzt, wodurch das Kabel jetzt zuverlässig vor weiterer Beschädigung schützt wird. Herzlichen Dank nochmal.
Am Heimfahrtstag hatten wir unser erstes Negativ-Erlebnis in Frankreich: irgendwelche Idioten hatten in der Nacht bei allen Maschinen die Tankdeckel aufgebrochen, den Sprit abgelassen und dabei reichlich Schaden angerichtet. Bei mir hat's leider das Rennschwein-Airbrush am Tank erwischt. Aber irgendwie hatte ich mir das sowieso übergesehen. Im kommenden Winter werde ich für Ersatz sorgen ...
Übrigens: Der  Reisebericht zu unserer Tour  ist unter dem Titel "Schlösser, Schlemmereien und Benzindiebe" im Sonderdruck Treffen und Termine 2003 der "Ballhupe" erschienen. Geschrieben hat ihn Michael Schuhmacher und ich kann Euch diese Laktüre nur wärmstens empfehlen. Die "Ballhupe" ist übrigens das Organ des  Bundesverbandes Deutscher Motorradfahrer e.V. (BVDM) .


Sonntag, 21. März 2003



das neue Airbrush Wir haben uns einen neuen Auspuff geleistet ! Eine Falcon 2-2 Komplettanlage. Das Teil sieht nicht nur saugut aus, es macht auch noch einen teuflisch guten Sound. Und eine EG-ABE ist auch drauf, Herz, was willst Du mehr ...
der neue Auspuff
Bei der Garantiereparatur wegen des aufgebrochenen Tankdeckels mußte der komplette Tank neu lackiert werden. Da war natürlich auch noch ein neues Airbrusch fällig. Im Foto ist es glaube ich ganz gut zu sehen. Ist kein Bildchen mehr, das man sich schnell übergesehen hat, sondern mehr in die technische Richtung. Ich finde, es paßt gut zum Bike.

Samstag, 22. November 2003



die 'Alten Herren' Vom 13. bis 21. September war es wieder soweit. Unser mittlerweile zur Tradition gewordene Ausritt in französische Gefielde hat uns diesmal in die Auvergne geführt. Michael hatte wie immer eine perfekte Tour organisiert und abgesehen von ein paar Kleinigkeiten ging diesmal alles wie geschmiert.
Apropos geschmiert: sollte sich irgendwann mal einer von Yamaha auf meine Seiten verirren, dann hätte ich von ihm gern mal erklärt, wie man sich dort die Inspektion des Ölstandes bei einer Drag Star vorstellt. Das betreffende Schauglas ist eigentlich nur für geübte Turner oder im Liegen zu erkennen und wenn man davon ausgeht, daß dessen Besichtigung nur Sinn macht, wenn der Bock gerade steht, braucht man wenigstens einen zweiten Mann. Äußerst unkomfortabel ! Trotz gemeinsam festgestellten ausreichenden Ölstandes war die Kontrolleuchte nicht dazu zu überreden, ihr penetrantes Leuchten aufzugeben. Schließlich habe ich sie einfach ignoriert. Das hat sie nun davon !
die Auvergne von ihrer schönsten Seite Schmerzlich vermißt habe ich auch wieder eine Füllstandsanzeige für den Sprit. Wenn schon gespart werden muß, hätte man wenigstens einen Nachrüstsatz vorsehen können. So aber ist immer der ohnehin relativ kleine Tank meiner Maschine das ungewisse Zünglein an der Waage, wann die Gruppe die nächste Tanke anfahren muß.
Am Ende der Tour (nach insgesamt ca. 25000 km Laufleistung) war dann auch die Kupplung ziemlich darnieder und nur noch durch permanente Korrektur des Kupplungsspiels am Leben zu erhalten.
Zum Heimkommen hat's aber allemal noch gereicht und über den Winter wird alles wieder gerichtet. Außerdem hat's auf der Tour auch wiedermal 'ne BMW erwischt, so daß die Pannenstatistik nicht all zu sehr in's Japanische abdriftet.
Wer sich für die Tour interessiert, kann sich gerne den hervorragend geschriebenen  Reisebericht  meines Mitfahres Kurt Störkel reinziehen, dessen Veröffentlichung er mir freundlicherweise gestattet hat. Hans Rath, der ebenfalls wieder mit seiner Harley dabei war, hat die meisten Bilder dazu beigesteuert und ich hab die ganze Sache in den Bereich 'On the Road' eingestellt.


Samstag, 6. Dezember 2003



Schau an, ich bin ein Star Rider ! Das ganze Jahr über hatte ich bereits das Vergnügen, mit dem Star Riders  Chapter Thüringen  die eine oder andere Ausfahrt zu absolvieren. Die  Star Riders Germany  sind eine deutschlandweit organisierte Truppe von Motorradfahrern auf Yamaha's Star Bikes, wobei alle Star-Typen vetreten sind. Die Chapter sind wie üblich regional gegliedert und in Thüringen gibt es auch ein paar Enthusiasten, die sich eben regelmäßßig zu gemeinsamen Ausfahrten treffen. Im Abstand von zwei Monaten findet ein zentraler  Stammtisch  statt, zu dem auch die benachbarten Chapter häufig mit vertreten sind. Mitfahren darf bei uns natürlich jeder, egal ob er nun ein Star-Bike fährt, oder nicht. Wer Lust hat, einfach mal melden.
Das Metallpatch der Star Riders Germany Nun bin ich ja nicht gerade der Typ mit der Kutte voller Patches, aber wenn man denn schon gute Freunde gefunden hat, mit denen es Spaß macht auszureiten, dann kann man das ja auch nach außen bekunden. Und deshalb bin ich seit Dezember 2003 offizieller Supporter beim Star Riders Chapter Thüringen. Als "Supporter" bin ich nicht ganz so fest eingebunden, wie ein "Vollmember", darf aber mit dem Emblem der Star Riders protzen, das mir im Dezember beim Stammtisch feierlich übergeben wurde. Hatte mich wirklich sehr gefreut und bin also heimgefahren, hab Nieten besorgt, hol' die Weste raus und schon gings los ...
Au weia, was war das ?! Ein Schlag zuviel und patsch, da war das schöne Teil zersprungen.
Ich kann Euch sagen, das ist so ungefähr das peinlichste, was einem passieren kann. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Mittlerweile hab' ich alles gebeichtet. Die Freunde haben es recht locker hingenommen und ein neues Teil war ebenfalls zu besorgen. Zwei oder drei lecker Bierchen wird mich das wohl bestimmt noch kosten, aber eins steht fest: beim nächsten Versuch wird geschraubt, gelötet oder geklebt, aber nicht mehr genietet!