Tipps&Tricks/Erfahrungen (Teil 2) 

 

Erfahrungen mit drahtloser Kommunikation auf dem Trike

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Erfahrungen mit drahtloser Kommunikation auf dem Trike


Text und Fotos: Peter Jänich
veröffentlicht in der Zeitschrift TrikerSzene - Heft II/2007

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Bluetooth Headset Midland BT Die moderne Technik hält auch in unserem Hobby immer mehr Einzug. Ein Handy gehört ja heute schon zum guten Ton. Mit fortschreitendem Kompaktheitsgrad setzen sich portable Navigationsgeräte immer weiter durch. Auch Musik auf dem Trike war schon immer ein Thema und MP3-Player gehören ja heute schon fast zur Standardausrüstung des mobilen Triker-DJ's. Auch die Industrie hat diesen Trend erkannt und bietet allerlei Geräte an, die speziell für den Outdoor-Einsatz am Bike oder Trike optimiert sind. Natürlich gehört auch die Kommunikation zwischen Fahrer und Beifahrer während der Fahrt schon lange zu den Möglichkeiten, die die schöne neue Technik-Welt für uns bereit hält. Persönlich hat mich dabei allerdings immer abgeschreckt, dass jede Verbindungsaufnahme zwangsläufig mit einem Wust an Kabeln und Steckern verbunden war, die meist mühsam anzustöpseln, unschön anzuschauen und aus meiner Sicht im Falle eines Unfalls auch noch gefährlich zu sein schienen. Was die Sicherheit hinsichtlich des Eindringens von Wasser in die motorisierten Informationskanäle anbetrifft, war mir bisher jeder Versuch, eine verkabelte Kommunikationszentrale auf dem Trike zu betreiben, von vorn herein verleidet. Mit Spannung verfolge ich daher seit einiger Zeit die Fortschritte, die mit dem Aufkommen der drahtlosen Kommunikation verbunden waren. Insbesondere der Bluetooth-Standard schien mir geeignet, irgendwann meinen Anforderungen nach einer solchen Lösung gerecht werden zu können. Dabei waren meine Wunschvorstellungen immer ziemlich klar umrissen:

 1. Primäres Ziel war immer die drahtlose Kommunikation zwischen Fahrer und Sozius.
 2. Ein Handy sollte sich natürlich einbinden lassen.
 3. Die Integration der Streckenansage eines portablen Navi's wäre eine super Zugabe.
 4. Und wenn uns das Ganze auch noch ein bisschen MP3 um die Ohren säuseln könnte, wären alle Probleme gelöst.

Lange habe ich mich in Geduld geübt, Testberichte gelesen, Angebote studiert und irgendwann stand meine Entscheidung fest: Wir leisten uns ein Bluetooth-Headset!
unkomplizierte Montage mittels zweier Klemmschrauben Der Bluetooth-Standard hat sich bei vielen Kleingeräten der Unterhaltungsindustrie mittlerweile etabliert. Moderne Handys werden heut zutage kaum noch ohne geliefert und auch Navigationsgeräte neuerer Bauart lassen sich über Bluetooth ansprechen.
Der Industriestandard wurde Mitte der 90iger Jahre von Ericson entwickelt. Er stellt eine einheitliche drahtlose Schnittstelle zwischen elektronischen Geräten unterschiedlichster Art dar. Primär war er darauf ausgelegt, eine Funkstrecke zwischen zwei Endpunkten ohne störendes Kabel zu überbrücken. Daher besitzt Bluetooth auch nur eine sehr begrenzte Reichweite von etwa 10 Metern. Auf Grund der Vielzahl möglicher Kombinationen aus unterschiedlichen Einzelkomponenten wird es in diesem Zusammenhang immer wichtiger, dass Bluetooth-Geräte gleichzeitig mit mehreren anderen Partnern kommunizieren können. Man spricht dabei vom sogenannten "pairing", wenn zwei bluetoothfähige Geräte miteinander Verbindung aufnehmen. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Netzwerk muss dabei immer ein Gerät als "Master" fungieren und die entsprechenden Verbindungskanäle zwischen max. 8 gleichzeitig aktiven Geräten freigeben. Soviel zur Technik.
Im Bereich der Helmkommunikation gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern mit mehr oder weniger gut gelungenen Lösungen. Einige davon sind seit geraumer Zeit zwar am Markt angekündigt, aber nach wie vor nicht verfügbar. Andere gehören zur Grundausstattung von Helmen in einer Preisklasse, die ich mir nicht leisten will. Deshalb haben wir uns nach Studium von Testberichten und in Anbetracht der Verfügbarkeit für das MIDLAND BT Intercom Head Set entschieden, das man bereits zu einem Straßenpreis von ca. 220,- Euro bekommen kann.
Das gelieferte Paket beinhaltete zwei Basiseinheiten für Fahrer und Beifahrer. Die Fahrereinheit stellt dabei den "Master" innerhalb des Bluetooth-Netzwerkes dar.
Die Einheiten sind so konstruiert, dass sie sich an nahezu jeden Helm montieren lassen und bei Bedarf auch wieder abgebaut werden können, ohne Spuren zu hinterlassen. Zwei Imbus-Schrauben halten die entsprechende Klemmvorrichtung sicher am Helm fest. Die eigentliche Elektronik ist vollständig in einem gummierten Gehäuse gekapselt, dass sich mit einem Handgriff von der Basis am Helm abnehmen lässt. Beim Aufladen der Geräte, die man übrigens mit beiliegendem Ladegerät gleichzeitig laden kann, ist das recht praktisch. Auch aus Sicherheitsgründen kann man die Einheiten eben mal schnell vom Helm abnehmen und in eigens dafür gelieferte kleinen Gürteltaschen verstauen. Die Ladebuchsen lassen sich in unbenutztem Zustand wasserdicht verschließen. Die zugehörigen Ohrhörer sind extrem flach und lassen sich per Klettband an jede beliebige Stelle im Helm positionieren. Nach ein paar Versuchen findet man immer eine geeignete Position, damit auch nach längerer Fahrt nichts drückt.
Fahrer- und Beifahrereinheit Die Bedienung ist denkbar einfach und auch mit Handschuhen problemlos zu bewerkstelligen. Neben einer großen Druckfläche zur Aktivierung verschiedener Grundfunktionen existieren lediglich noch zwei Taster zur Einstellung der gewünschten Lautstärke.
Einmal eingeschalten, fallen die Geräte standardmäßig in den Bereitschaftsmodus, aus dem sie mittels eines laut gesprochenen Wortes jederzeit wieder erweckt werden können. Anfangs war das etwas gewöhnungsbedürftig. Der Einschaltvorgang dauert einen kurzen Moment und erst nach dem Quittungston der Anlage ist der Kanal zum Beifahrer geöffnet. Aber bereits nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt und kann frei drauflos schnattern. Die Aktivierung kann natürlich wahlweise durch Fahrer oder Beifahrer erfolgen. Kehrt eine Weile Ruhe ein, schaltet das Gerät nach kurzer Zeit hörbar in den stand-by-Modus zurück. Zur Schonung der Akkus ist dies die praktischste Vorgehensweise. Alternativ kann der Beifahrer an seiner Einheit einen dauerhaft offenen Kanal aktivieren, der allerdings die verfügbare Gesprächszeit entsprechend verkürzt.
Wichtig ist, das Mikrofon so dicht wie möglich an das eigene Sprechorgan zu positionieren und die Schallöffnung unbedingt richtig herum zu drehen. Am Mikro ist dazu eigens eine Markierung angebracht. Sauber ausgerichtet klappt dann die Verständigung zwischen zwei offenen Jethelmen auch bei 100 km/h immer noch recht ordentlich und wird nur durch die zunehmenden Windgeräusche des Helmes getrübt. Der Geräuschfilter des Mikros funktioniert auch bei lauter Umgebung exzellent. Zudem passt das Head Set die Lautstärke automatisch den Umgebungsgeräuschen an.
Besonders bei der Erstinbetriebnahme macht sich ein störendes Grundrauschen bemerkbar, solange ein Kanal geöffnet ist. Dieses Rauschen verschwindet allerdings fast gänzlich hinter den normalen Fahrgeräuschen. Im StandBy-Modus ist ohnehin nichts davon zu hören.
Die Qualität der Sprachübertragung während unserer ersten gemütlichen Tour hat selbst meine mit Technik wenig zu begeisternde Sozia schwer beeindruckt, muss sie sich doch jetzt nicht mehr die Lunge aus dem Hals schreien, wenn sie mich unterwegs auf etwas interessantes aufmerksam machen will. Auch die gemeinsame Routenfindung verläuft neuerdings wesentlich entspannter und damit auch sicherer für uns und die restlichen Verkehrsteilnehmer.
Alles in allem ist ein solches Set auch nur für diesen Zweck schon eine lohnenswerte Anschaffung. Aber ich wollte ja eigentlich wesentlich mehr.
Als nächstes wurde entsprechend der beiliegenden Anleitung versucht, das Handy in die Kommunikation mit einzubinden. Mein Nokia N70 ist bluetoothfähig und aus der Sicht des Handys funktioniert das Fahrer-Head Set wie eine gewöhnliche Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Einmal miteinander bekannt gemacht, finden die Geräte automatisch wieder den Kontakt zueinander. Ankommende Telefonate kann ich nunmehr per Knopfdruck am Helm entgegennehmen. Soll der Sozius in das Gespräch eingebunden werden, ist ebenfalls das ohne Probleme möglich. Eigene Anrufe kann er jedoch nicht auslösen. Zum Wählen ist nur der Fahrer berechtigt und auch der muss dazu immer noch das Telefon benutzen. Sprachwahl ist zwar abhängig vom Handytyp ebenfalls möglich, erfahrungsgemäß funktioniert das aber auf Grund der zahlreichen Nebengeräusche bestenfalls im Stand an einer roten Ampel.
modernes Handy mit bluetoothfähiger GPS-Maus Genau wie das Handy lässt sich auch ein Navigationsgerät oder ein PDA via Bluetooth in die Anlage einkoppeln. Allerdings ist das Pairing des Bluetooth-Head Sets neben der Verbindung zum Sozius auf nur eine einzige weitere Verbindung begrenzt. Im Falle eines Anrufes oder während der Ansage des Navi's wird daher die Sprechverbindung zum Beifahrer unterbrochen. Die Wiederaufnahme erfolgt automatisch, sofern das Navigationsgerät die bestehende Verbindung nach der Ansage wieder frei gibt. Leider ist dies nicht bei allen Navigationsgeräten der Fall. Bei manchen Fabrikaten wird lt. Aussage des Herstellers eine bestehende Verbindung permanent gehalten.
Die nächste Ausbaustufe war dann also die Integration einer GPS-Maus zum Zwecke der Navigation. Die Einkopplung der Maus erfolgt zum Handy hin ebenfalls über Bluetooth. Nach einigen vergeblichen Versuchen stellte sich heraus, dass die im Handy hinterlegte Reihenfolge der gekoppelten Geräte unter Umständen maßgeblich für einen erfolgreiche Verbindungsaufbau sein kann. Die GPS-Maus wollte unbedingt an erster Stelle stehen, warum auch immer.
Die TomTom-Navigationssoftware auf dem Handy ermöglicht in Zusammenarbeit mit der GPS-Maus bereits eine recht ordentliche Navigation und wenn man gewohnt ist, allein mit den Sprachansagen zurecht zu kommen, kann man das Handy getrost in der Tasche stecken lassen. Ebenso ist an Stelle des Handys natürlich auch die Benutzung eines handelsüblichen PDA's mit passender Navigationssoftware möglich.
Die GPS-Maus sollte natürlich an einer Stelle am Trike befestigt sein, die ihr freie Sicht auf die geostationären GPS-Satelliten ermöglicht. Mittlerweile bekommt man auch dafür schon Geräte, die outdoor-tauglich sind und neuere Handys bzw. PDA's verfügen bereits über integrierte GPS-Antennen. Wer möchte, kann das Handy oder den PDA natürlich auch an gut sichtbarer Stelle irgendwo am Trike befestigen, eine Kabelverbindung zwischen den Geräten wird ja nicht mehr benötigt. Lediglich mit der Outdoor-Tauglichkeit ist es meist nicht sonderlich gut bestellt.
Wird die Navigation nicht gebraucht, kann man über das Handy selbst oder über einen bluetoothfähigen MP3-Player auch die persönliche Lieblingsmucke einkoppeln. Bei den heutigen Preisen für Speicherkarten ist es auf diese Weise möglich, das heimische MP3-Archiv komplett mit auf die Reise zu nehmen. Und spätestens von diesem Zeitpunkt an steht dem genüsslichen dahin Gleiten auf sonnigen Landstraßen zu den rockigen Klängen von CCR absolut nichts mehr entgegen ...

Mein Fazit nach den ersten Versuchen mit dieser Technik fällt äußerst zufriedenstellend aus. Die Technik ist zwar noch nicht in allen Punkten vollkommen ausgereift, aber nach meinem Gefühl ist der Zeitpunkt gekommen, ab dem man mit den verfügbaren Geräten bereits zufriedenstellende Ergebnisse erzielen kann. Der Bluetooth-Standard wird von der Industrie in zunehmendem Maße unterstützt und so dürfen wir uns wohl auch in Zukunft noch auf einige interessante Neuerungen freuen.
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