Normandie 2005 

Alt-Herren-Tour 2005 - Die Normandie


Text und Fotos: Peter Jänich

 Freitag, 26.08.2005 
Das Technik-Museum in Sinsheim So wie jedes Jahr war auch diesmal wieder eine Alt-Herren-Tour angesagt. Unser Reiseland ist traditionell Frankreich und so haben wir auch diesmal ein schönes Fleckchen ausgewählt:  die Normandie .
Sonne und Meer, feiner Sand und wilde Klippen, mondäne Welt und malerische Fischerdörfer, stille, sanfte Flußlandschaften, grüne Wälder voller Abteien und Schlösser, lebhafte Zentren der Kunst, und über allem der Duft von Austern, Apfelbäumen, Calvados und Camembert. Das ist die Landschaft im nordwestlichen Zipfel von Frankreich, der man unbedingt einmal einen Besuch abstatten sollte.
Treffpunkt für die Gruppe von 7 Motorradfahrern und einem Triker war in Sinsheim, direkt an der A6. Und wenn man schon einmal in Sinsheim ist, dann sollte man auf keinen Fall das Technische Museum dort auslassen. Es beherbergt vorzugsweise Dinge, die mit einem Motor ausgestattet sind, aber davon eine Unmenge. Neben einer wunderschönen Sammlung alter amerikanischer Straßenkreuzer ist dort alles vertreten, was Rang und Namen hat. Und da auch Flugzeuge gelegentlich über einen Motor verfügen, endet der Gigantismus dieser Ausstellung mit einer originalen Concord auf dem Dach des Museums.
 Samstag, den 27.08.2005 
steinernes Mahnmal in Verdun Samstag morgens um 9.00 Uhr gings dann über die Autobahn via Saarbrücken immer in Richtung Paris bis Verdun. Hier ist natürlich Pflicht, sich die Hinterlassenschaften des ersten Weltkrieges näher anzuschauen. Es gibt deren recht zahlreich in der ganzen Gegend rund um Verdun. Die Erinnerung an die leidvollen Schlachten des Krieges werden hier hoch gehalten und überhaupt sollte die ganze Tour viel mit dem Thema Krieg zu tun haben.
Die Tagesetappe endete in einem kleinen Nest namens Aubreville. Es hat nicht viel zu bieten, aber erwähnenswert ist auf jeden Fall das Hotel Du Comerce. Dort erwartete uns neben einer preiswerten Übernachtung ein köstliches Menü nach allerbester französischer Art.
Mit den Hotels ist das in Frankreich so eine Sache. Im Vergleich mit deutschem Standard sind sie relativ teuer, aber dafür bieten sie ab einer bestimmten Preisklasse meist auch ein Restaurant, in dem Kenner der französischen Küche eigentlich immer auf ihre Kosten kommen.
 Sonntag, den 28.08.2005 
Abendstimmung an der Seine Ausnahmen bestätigen allerdings auch hier die Regel: Unser nächstes Zwischenquartier am Sonntag war das wunderschön gelegene Hotel CANNISSES in Le Goulet nördlich von Paris. Das Hotel liegt an einem toten Seitenarm der Seine. Ganz idyllisch mit einem großen Biergarten, so daß man abends draußen speisen konnte. Gutes Wetter hatten wir auch mitgebracht, aber leider wurden wir mit einem grottenschlechten Essen belohnt, für das sich jeder ordentliche französische Koch schämen würde. Nun gut, man kann nicht immer Glück haben und es sollte diesbezüglich die einzige schlechte Erfahrung der Tour bleiben.
 Montag, den 29.08.2005 
die Pont de Normandie Montag gings dann auf den letzten Teil der Anfahrt zu unserem eigentlichen Ziel. Vorbei an Le Havre in das wunderhübsche Künstlerstädtchen Honfleur. Dabei überquerten wir die Pont de Normandie, die größte Schrägseilbrücke Europas mit einer Länge von 856 Metern. Die Überfahrt treibt einem eine Gänsehaut über den Rücken, so gigantisch ist dieses Bauwerk. Man fährt dabei auf der einen Seite mit 6% Steigung direkt in den Himmel, um sich auf der anderen Seite wieder hinunter zu stürzen. Wer die Gelegenheit dazu hat, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Nach einem weiteren kurzen Abstecher ans Meer gings dann zum endgültigen Ziel unserer Reise, dem kleinen Ort Arromanches, direkt im Landungsgebiet der Engländer am D-Day 1944. Unmittelbar am Meer gelegen lebt der Ort von der Vermarktung dieses Ereignisses und jährlich pilgern noch heute zum Jahrestag der Invasion tausende Veteranen und Fans dort hin. Unmittelbar vor dem Strand liegen noch heute die Reste des "Mulberry Harbor", einer provisorischen Hafenanlage, die die Engländer nach der Landung dort errichtet hatten. Wunderschön anzuschauen ist auch der Sonnenuntergang, wenn der ganze Ort in blutrotes Licht getaucht ist und vom Meer eine leichte Briese herüber weht. Selbst von unserem Hotel, dem Mountbatten, hat man einen Blick auf das Meer und wir haben es uns dort die nächsten drei Abende jeweils sehr gemütlich gemacht.
 Dienstag, der 30.08.2005 
Geschützbunker in Longues sur Mer Der Dienstag war den Sehenswürdigkeiten am Omaha Beach vorbehalten. Neben den Bunkern des Westwalls mit seinen schweren Geschützen in Longues sur Mer, die einem noch heute einen originalen Eindruck von der Invasion vermitteln können, sollte man sich unbedingt den Pointe du Hoc anschauen, wo die amerikanischen Ranger-Truppen die blutigste Schlacht der Invasion schlugen.
Mahnmal am Omaha Beach Von 10 amerikanischen Angreifern sind dort 9 auf der Strecke geblieben. Das Gebiet wurde mit 250 kg Fliegerbomben regelrecht umgegraben und die Bombentrichter sind als Mahnmal noch heute zu bestaunen. Wenn man das gesehen hat, weiß man, was ein Bombenhagel ist.
Auch das amerikanische Mahnmal für die Gefallenen am Omaha Beach ist sehenswert. Das parkähnlich angelegte Gelände beherbergt ein großes Gräberfeld mit Marmorkreuzen und auf jedem dieser Kreuze steht ein anderer Name. Das Territorium wurde den Amerikanern nach dem Krieg überlassen und ist heute amerikanisches Hoheitsgebiet. Wir haben selten eine so gepflegte Anlage gesehen, wie diese. Die Rasenkanten sehen aus, als wären sie eben frisch gestochen und alle Nase lang laufen einem vielbeschäftigte Gärtner über den Weg. Alles in allem eine sehenswerte Empfehlung.
 Mittwoch, 31.08.2005 
Mont St. Michel Der Mittwoch war einem Ausflug zum berühmten Felsen  Mont St. Michel  vorbehalten. Neben der Tatsache, daß mir unser Tourguide jegliche Spritzufuhr verweigerte, bis auch der letzte Tropfen aus dem Tank gesaugt war (das war buchstäblich auf dem letzten Meter zur Tankstelle, dann ging der Motor aus), war aus meiner Sicht eigentlich nicht viel zu berichten. Der Klosterberg ist ein Kulturdenkmal mit schneckenförmig angelegten Befestigungen und einer Abteikirche. Es wimmelte von japanischen Touristen, die Preise in den unzähligen Shops sind derart gesalzen, daß einem das Portemonaise den Gehorsam verweigert und man bekommt in dem Gewimmel zwangsläufig Platzangst. Nach wenigen Minuten hab ich den Ort des Schreckens wieder verlassen und auf dem Parkplatz das beliebte "Triker auf dem Trike" - Motiv gegeben. Die Japaner sind ja sowas von fotogeil, das war richtig anstrengend. Nach der Einlage mit der Tankstelle sind wir dann auch schnell wieder zurück in unser Quartier, wo ein deutscher Tourist am Abend in einem französischen Pub bei irischem Guinness völlig versumpft ist.
 Donnerstag, der 01.09.2005 
Spiritual Music by Nativ Mann, hatte ich am nächsten Morgen eine Birne. Das war der Donnerstag, den haben wir dann am Utah Beach ausklingen lassen mit einem Besuch im sehenswerten Museum in St. Mere-Eglise. Das ist der berühmte Ort, wo der Fallschirmspringer am Kirchturm hängen geblieben ist, sich tot gestellt hat und so das Gemetzel zu seinen Füßen überlebte. Übrigens hängt er noch heute dort. Also nicht er selbst, aber eine lebensgroße Puppe an einem echten Fallschirm.
Es war Markttag in St. Mere-Eglise und es ist schon interessant, sich das vielfältige Angebot an Meeresfrüchten, Obst und Gemüse , Fisch und natürlich Unmengen von Käsesorten mal näher anzuschauen. Dazu kam, das auf dem Kirchvorplatz zwei als Indianer verkleidete Musiker peruanische Inka-Waisen zum besten gaben. Spiritual Music, Entspannung für die Seele. Die beiden nenn sich "nativ" und haben eine ganze Reihe von CD's herausgebracht. Eine davon mußte ich unbedingt mitnehmen. Die zwei waren bestens ausgestattet und beschallten den gesamten Markt. Ich hab bestimmt eine halbe Stunde gebannt zugehört, die Musik war handgemacht und wunderschön.
Natürlich kann man nicht durch die Normandie fahren, ohne eine der zahlreichen privaten Distillerien zu besuchen. Es gibt sie recht reichlich am Wegesrand und überall kann man die Produkte, die dort hergestellt werden, auch verkosten. Alles was dort angeboten wird, hat irgendwie mit Apfel zu tun. vom Calvados über den köstlichen Pommeau, Cidre, Marmeladen, Honig und einiges andere mehr. Kaufen kann man das natürlich auch und so haben wir an einem dieser Bauernhöfe auch mal reingeschaut.
 Freitag, den 02.09.2005 
der Eiffelturm in Paris Freitag gings dann schon wieder in Richtung Heimat, wobei einer unserer Mitfahrer auf die glorreiche Idee kam, man müßte doch mal kurz nach Paris reinfahren. Wegen dem Harley-Händler, bei dem es T-Shirts gäbe, die man sonst nicht kaufen kann. Für eine Gruppe von Motorradfahrern ist das sicher eine machbare Angelegenheit, aber mit einem Trike als Abschluß der Kolonne, ... oh mein Gott ! ich hab dann auch Blut und Wasser geschwitzt und alles gegeben, um ja nicht den Anschluß zu verlieren. Allein hätte ich da wohl nie wieder rausgefunden. Aber zur Belohnung kann ich nun behaupten, ich hab vom Trike aus den Eiffelturm gesehen, und das mitten in der rush hour von Paris.
Letzte Zwischenstation war dann das Hotel Le Cheval Rouge in St. Menehould und wir haben den Rat unseres Kollegen Michael Schuhmacher beherzigt: Nur nicht die Spezialität des Hauses essen! Das ist Pieds de Cochon a la St. Menehould, was dem Ansehen nach Schweinefüße aus Knochen mit Haut bespannt sein dürfte. Am nächsten Morgen hat sich die Gruppe dann langsam aber sicher aufgelöst und jeder ist zufrieden und mit einem Packen von neuen Eindrücken wieder nach Hause gefahren. Ich bin sicher, es wird nicht unsere letzte Tour gewesen sein.