Auvergne 2003 

Auvergne - die "Alten Herren" sind wieder auf Tour


Text: (c) Kurt Störkel 2003
Fotos: Hans Rath, Peter Jänich

 Hamburg - Gruffy, Samstag d. 13.9.2003 
Kurt Störkel, der Autor des Beitrages Ich sitze im Hotel "Aux Gorges du Cheran" auf der Terasse im Sonnenschein und versuche mal, die Fahrt hierher zu Papier zu bringen. Dieses Hotel ist für uns und vor allem für Michael seit Jahren der ideale Ausgangspunkt für Touren nach Frankreich, vor allem wenn es nach Süden (Provence) oder nach Südwesten (Auvergne, Perigord, Bourgogne) gehen soll.
Gestern abend habe ich mich auf den Weg zum Bahnhof Hamburg-Altona gemacht. Diesmal soll es per Autozug gen Süden gehen. Das spart ca. 1.800 km Autobahnfahrt, eckige Reifen, Verschleiß, Nerven und zwei Übernachtungen. Der Preis von 385,- Euro (ADAC-Jubiläums- Sonderpreis) incl. Liegewagen und (Micro-)Frühstück, ist gegen die Fahrt auf eigener Achse geradezu billig, zumal man 2 Urlaubstage gewinnt.
In Altona warten schon ein paar andere Biker. Ich bin also nicht der einzige. Zwei mit signalroten Warnwesten bewehrte Eisenbahner bringen an unseren Maschinen kurze Gurtschlaufen an, an denen später die eigentlichen Zurrgurte befestigt werden. Das verhindert scheuern während der Fahrt. Falls diese Gurtschlaufen nicht kommen, sollte man darauf bestehen. Sie sind überall vorhanden. Dann werden wir vom Lademeister auf die Waggons geschickt. Nach welchen Gesichtspunkten dies geschieht ist nicht zu erkennen. Wir stehen irgendwo in der Mitte zwischen den Autos.
Ich nehme also den behelmten Kopf runter (max. Headroom 1,65m, Limit am Fahrzeug 1,58m) und bugsiere meine dicke Rentnerbank mit 1.57 m Scheibenhöhe vorsichtig durch die Waggons bis zum Stellplatz. Dort zurren kundige Mitarbeiter der Bahn die Moppeds mit je 4 Gurten fest. Am besten auf dem Seitenständer stehend, damit ja kein Rad in der Luft hängt.
Dann geht es mit Übernachtungstasche und Helm unterm Arm (nicht dem Kopf!!) Richtung Liegewagen. Bis Hildesheim habe ich das Abteil für mich alleine, dann steigt ein netter Schweizer zu. Wir plaudern noch eine Weile über unsere Hobbys ( ich Motoradfahren und er Bergsport) und versuchen dann, uns in Morpheus Arme schütteln zu lassen.
Hotel Aux Gorges du Cheran Morpheus hat wohl einen anderen Zug genommen oder vielleicht wird dem ollen Griechen vom Eisenbahnfahren schlecht. Jedenfalls ist er nicht zu finden und ich habe meine Ohrstöpsel nicht am Mann. Die Nacht ist die Zeit der Güterzüge. So rauscht auf dem Gegengleis alle 5 Minuten ein Güterzug vorbei. Um 5:30 werden wir geweckt und bekommen das angekündigte (Micro-) Frühstück. Ein Becher Kaffee (man kann nachbekommen) 1 Croissant, 0.1 ltr. O-saft im Brick. 1 Frühstücksriegel der so ähnlich ausieht wie eine Milschschnitte. Ich verputze alles mit Heißhunger.
Wir kommen pünktlich in Lörrach an und der Zug wird in zwei Teile rangiert, damit wir mit den Fahrzeugen runter können. Knoten aufreißen, Gurte lösen, Schlaufen abmachen, und mit gesenktem Kopf geht es vorsichtig runter vom Waggon. Da wir gutes Wetter hatten, ist auch nur etwas Staub auf meiner Rentnerbank. Bei Regen, so versichern mir die anderen mitreisenden Moppedfahrer, ist auch schon mal putzen angesagt, damit man überhaupt weiterfahren kann. Um halb acht bin ich endlich Richtung Basel unterwegs.
So mit ca. 100 Sachen zuckel ist über die Autobahn Richtung Bern und dann Richtung Lausanne, Genf. Auf dem letzten Stück hat es reichlich Tunnel von z. T. erheblicher Länge. Welch ein Aufwand! Aber so komme ich flott voran über Genf-Flughafen hinein nach Frankreich und dann über Annecy nach Gruffy zu unserem Hotel.
Genießen wie Gott in Frankreich In Annecy verfahre ich mich prompt und Lande fast in der Innenstadt. Ich folge einfach den Schildern "Tout direction" und "Aix Le Bains" bzw. "Chambery", was auch klappt und mich punktgenau auf die gewünschte Strecke bringt. Bei dem großen Harley Händler an der Stadtgrenze von Annecy (unbedingt ansehen!!) fahre ich mal auf gut Glück auf den Parkplatz und prompt läuft mir Bernd über den Weg. Dann entdecke ich auch die Harley von Uwe und die Kawa von Michael. Hinein in den Laden mit angeschlossenem Restaurant und da sitzen sie auch schon an der Bar. Großes Hallo bricht los. Endlich angekommen. Ich schütte erstmal eine Cola in mich hinein um meine offensichtliche Unterzuckerung zu bekämpfen. Ich habe seit dem Micro-Frühstück nichts gegessen. Dann fahren wir gemeinsam die letzten km zum Hotel und sind damit wieder am Beginn meiner Reisebeschreibung angelangt.
Das Hotel hat zwei Sterne (Kamine), ist ein sehr gepflegter Familienbetrieb, der zu Kette "Logis de France" gehört, und wird von M. und Mme. Savary betrieben. Madame stammt aus dem Elsaß und spricht perfekt deutsch, was allen Gästen, die noch nicht so ganz in Frankreich angekommen sind den Einstieg erleichtert. Diese Hotelkette bietet immer ein preiswertes und gutes "Menue de Terroir" an, was immer aus der typischen Küche der Region (in diesem Fall den Haut Savoyen) besteht. Sehr zu empfehlen. Zum Essen evtl. einen Wein der Region und hinterher vielleicht einen Chartreuse, den berühmten Likör aus Gebirgskräutern. Die Chartreuse ist zwischen Chambery und Grenoble nur wenige km entfernt.
Zur Nacht kann man sich dann vom Rauschen des Baches in der Schlucht in den Schlaf singen lassen.
 Gruffy - Le Puy, Sonntag d. 14.9. 2003 
die Kapelle St. Michel D'Aiguilhe Nach einem, für französische Verhältnisse üppigen Frühstück, verlassen wir so um 9 Uhr herum Gruffy und machen uns auf den Weg nach "Le Puy-en-Velay". Erst einmal wird im nächsten Ort die Maikäferblase von Peters Chopper aufgefüllt, deren Inhalt nur für ca. 180 km reicht. Die Spritpreise in Frankreich sind im Vergleich zu Deutschland nicht zu begreifen. Sie sind von irrsinnig hoch bis irrsinnig niedrig in einer Schwankungsbreite von über 20 Eurocent pro Liter. Peter zahlt 1.14, was ein höherer Preis ist. Später sollen wir so von 0.974 bis 1.229 alles zu sehen bekommen was man sich vorstellen kann.
Wir fahren also hinunter nach Aix le Bains und dann am Lac de Bourget entlang. Im Dunst das Bergpanorama der Grand Chartreuse und der Alpes Isere. Ab Grenoble gönnen wir uns ein paar km mautpflichtiger Autobahn um einfach schneller voranzukommen, umfahren Grenoble und machen uns dann auf der D531 Richtung Valence davon. Wir umgehen auch Valence um dann über herrlich kurvige Straßen durch Walnußplantagen zu fahren und schließlich im sonntäglichen Ausflugsverkehr in Le Puy zu landen.
Bevor wir unser Hotel finden, machen wir noch einen unfreiwilligen Abstecher zu den beiden Wahrzeichen der Stadt, der Marienstatue "Notre Dame de France" und der Kapelle "St. Michel D'Aiguilhe". beide stehen auf je einem Nadelspitzen Vulkankegel mitten in der Stadt. Dazu später mehr.
Unser Hotel, das "Hotel Dyke" ist "nur" Garni, aber es hat immerhin eine Garage für unsere acht Maschinen. Man hatte zwar die Reservierung für 6 Zimmer angenommen, aber nur Platz für ein Motorrad reserviert, was bei uns einiges Gelächter hervorrief. Wir stellen uns vor, wie man mit 8 Mann auf einem Mopped durch Frankreich fährt. Sowas gibt es bisher nur auf Polizei-Shows. Da wir heute abend auswärts essen müssen, reserviert Michael schon mal gegenüber im Hotel Regine einen Tisch für 8 Personen, dann machen wir uns zur Stadtbesichtigung auf.
die Altstadt von Le Puy Hier ist gerade ein mittelalterliches Spektakel im Gange. Man hat die Altstadt in die Renaissance zurückversetzt und feiert die "18e Fêtes Renaissance du Roi de l'Oiseau". Da es bereits Sonntagabend ist, erleben wir nur noch die Reste bzw. bereits die Abbrucharbeiten. Allerorten laufen Bürger in Renaissancekostümen herum. Ein Markt auf dem zentralen Platz bietet allerlei Renaissance Schnick-Schnack zu Freudenhauspreisen an. Essen, das mittelalterlich sein soll, oder nachgemachte Waffen und billig zusammengeschusterte "Renaissance"-Kleidung. So kostet z.B. eine im Holzofen kunstgerecht verbrannte Brotscheibe mit undefinierbarer Auflage 5,00 Euro. Und man glaubt es kaum, es gibt Leute die das kaufen. Oder zwei mit heißer Nadel zusammengenähte Stoffbahnen, die ein Kind in einen mittelalterlichen Herold oder Knappen verwandeln sollen zu Eur. 20,00 !!!!! Nein danke.
Wir machen noch einen Bummel durch die wirklich sehenswerte Altstadt, besichtigen noch kurz die Cathédrale de Notre Dame mit ihrer berühmten schwarzen Madonna und dem "Fieberstein" einem in die Mauer eingelassenen Druidenstein mit Heilkraft. Den Aufstieg zur Marienfigur schenken wir uns, da es schon halb sechs ist und die Anlage um sechs Uhr schließt.
so läßt sich's leben Wer etwas tiefer in Kunst und Geschichte einsteigen will, sollte sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen und gut zu Fuß sein, damit man wirklich alle Sehenswürdigkeiten abarbeiten kann. Le Puy en Velays liegt in einem erloschenen Krater, aus dem sich zwei nach der Erosion stehengebliebene Basaltschlote erheben auf dem Einen Schlot steht die Notre Dame de France. und auf dem anderen die Chapelle St. Micheel d'Aiguilhe.
Die Stadt wurde ein Pilgerzentrum, nachdem Gotescalk, Bischof von Le Puy, 962 von hier zu einer ersten Wallfahrt nach Santiago de Compostela aufgebrochen war und nach seiner glücklichen Rückkehr die Chapelle St.Michele de Aguilhe errichten ließ. Das hat er wahrscheinlich nicht selbst gemacht, sondern im Namen Gottes einen Haufen Leibeigene dabei verschlissen. Die Chapelle St. Michel zeigt in der Architektur maurischen Einfluß. Sie ist über 263 Stufen zu erreichen. Man muß schon einigermaßen fit sein, um dort hinauf zu gelangen. Wenn man sich vorstellt, daß das ganze Material zu Fuß dort hinauf geschafft wurde, hat man eine Vorstellung von der Leistung dieser armen, im Namen Gottes geschundenen Menschen.
Die Madonna ist aus der Bronze von 213 während des Krimkrieges erbeuteten Kanonen gegossen worden. Die französische Version von "Schwerter zu Pflugscharen". Die Statue kann man von innen über eine Treppe erklimmen. Die Ausicht von oben soll sehr interessant sein. Man muß allerdings 3,50 Euro Eintritt bezahlen.
Wir finden uns rechtzeitg vor unserem Hotel wieder ein und sind pünktlich zum Essen gegenüber im Restaurant des "Grand Hotel Regina". Man hat für uns im Wintergarten zur Straße einen Tisch gedeckt, sodaß wir für uns sind. Es ist fast wie in einem Straßencafè. Das 4-Gänge Menue zu Euro 22,00 ist jeden Cent wert und wir genießen bis in den späten Abend hinein.
 Le Puy en Velay - Padirac, Montag d. 15.9.2003 
auf unseren Touren gehen eigentlich immer nur die BMW's kaputt ... Das Frühstück in unserem Hotel Garni heute morgen war typisch französisch: 1 Korb mit je einem Croissant pro Person. 1 Korb mit div. Stücken kleingeschnittenem Baguette, Butter, Marmelade. Man bekommt sein Getränk (nur eins!), eine extradünne Papierserviette der Marke "für Männer die gern hart durchgreifen" und ein Messer von der Sorte, die sowieso niemand klauen will. Das Ganze plaziert auf einem schmierigen Cafètisch zum Preis von 5,50 (Euro nicht Franc!!). Wir vernichten das Ganze nach dem Motto: "wer weiss, wann wir wieder was zu essen kriegen."
Dann satteln wir die Hühner - sprich Moppeds - und kommen um halb zehn endlich in Gange. Nachdem wir Le Puy verlassen haben, geht es wieder über herrlich kurvenreiche Straßen durch die schöne Landschaft der Auvergne. Über Langeac, St. Flour, Murat, Aurillac und St. Cèrè nach Padirac. In Pinols an der D590 machen wir Kaffeepause in einem Landgasthof zu endlich zivilen Preisen. Der Cafè au lait kostet hier nur 1,40, während der woanders nicht unter 2 Euro oder gar 2,50 zu haben ist.
Als wir wieder starten wollen, springt Willis BMW nicht mehr an. Es ist wohl der Sicherheitsschalter am Seitenständer. Willi öffnet hoffnungsvoll die Sitzbank und versucht die Seitenverkleidung abzuschrauben. Ich lege mich unter sein Mopped , fummle ein wenig am Schalter mit spitzem Finger, Willi drückt den Anlasser und großes Durchatmen (die Beteiligten wissen schon warum) geht durch die Crew als der Motor endlich anspringt. Es ist wohl ein Stein genau gegen den Schalter geflogen und hat die Plastiklasche die den Mikroschalter betätigt, so verschoben daß nicht mehr geschaltet werden konnte.
Wir rollen wieder los und durchqueren das untere Ende des "Parc Naturel Regional des Volcanes des Auvergnes", immer entlang der noch jungen Cèrè. Unterwegs versuchen wir in verschiedenen Bars oder Cafès etwas zu essen zu bekommen . Vergebens. So landen wir notgedrungen in Aurillac bei Mac Donalds und bestellen Nouvelle Cuisine a là amercaine: "Fleischklops an Sesambrötchen mit einer Komposition von Käse und Speck a lá synthetique". Man kann es auch al Mac Bacon bezeichnen. Nachdem dieser kulinarische Höhepunkt mit größeren Mengen Evian-Wasser runtergespült wurde, nehmen wir den Rest der Strecke unter die Räder und landen um halb vier völlig durchgeschwitzt in Padirac.
Unser Hotel in Padirac Wir werden in einem Nebengebäude untergebracht, das wohl schon zum Saisonende stillgelegt worden war. Der Wirt muß erst die Wasserversorgung in Gang setzen. Die Zimmer riechen nach Mottenkugeln, was sich durch intensives Lüften aber leicht beheben läßt. Dafür ist es hier himmlisch ruhig und man hört von der nahegelegenen Landstraße so gut wie nichts.
Bald sitzen wir nach den notwendigsten Verrichtungen bei einem Ankunftsbier im Vorgarten des Hotels zusammen und besprechen, wie wir den morgigen Tag gestalten wollen, denn hier bleiben wir zwei Nächte. Ich mache noch einen Abendspaziergang zum nahegelegenen Eingang der "Gouffre de Padirac" einer beeindruckenden Höhle, die wir morgen früh als erstes besuchen wollen, und erstehe ein Sortiment Postkarten, weil: 1. in der Höhle das fotografieren verboten ist, und: 2. man selbst wenn es erlaubt wäre, nicht so gute Aufnahmen hinkriegen würde.
Kurz nach sieben gibt es für uns ausgehungerte Biker bereits ein frühes Abendessen. Der Wirt hat uns, weil Michael auch hier beliebter Stammgast ist, auf Halbpension genommen, obwohl das normalerweise erst ab 3 Tagen möglich ist. Damit war Michaels Übersetzungsmarathon der Speisekarte vergebens. Es wird gegessen was auf den Tisch kommt, und das kann sich sehen lassen.
Als Vorspeise gibt es eine hausgemachte Ententerrine, umrahmt von Rohkost mit einer leicht getrüffelten Vinaigrette. Als Hauptgang gibt es ein excellentes Coque au Vin, das so reichlich ist, dass wir es kaum schaffen. Wir sind schließlich im Aveyron und das ist gleich neben der Auvergne, und wie man bei Asterix nachlesen kann, gibt es hier von allem reichlich und alles wird in Weinschosche gekocht. Der Käse ist der berühmte und sehr wohlschmeckende Rocamadur, eine Art frischer Handkäs aber ohne Musik. Als Dessert folgt ein Himbeereis mit eine Menge köstlicher frischer Himbeeren und einem Klecks Sahne. Dazu trinken wir einen ausgezeichneten Wein der Gegend (Goldmedaille 2002) zu einem sehr zivilen Preis von 7,50 die Flasche. Nachdem wir so etwa zweieinhalb Stunden getafelt haben, löst sich die Truppe langsam auf. Einige gehen früh schlafen, andere bleiben noch ein wenig an der Bar hängen.
 Rundfahrt Padirac, Dienstag d.16.9.2003 
die Höhle in Padirac Heute gibt es zum Frühstück ein "Gourmand petit dejeuner"!! Das besteht aus einem Spiegelei, einem Croissant, ein paar angebrannte Scheiben süßes Weißbrot, div. Marmeladen, Leberpastete und gezuckertem Joghurt. Solchermaßen gestärkt gehen wir zeitig zum Höhleneingang, erstehen Eintrittskarten zu 8 Euro pro Nase und tauchen per Fahrstuhl (2 x umsteigen) hinab in den großen Schlund. Dann geht es zu Fuß weiter zu einer Bootsstation. Wir sind die erste Gruppe des Tages und die Höhle ist wohltuend leer, obwohl sie die meistbesuchte Höhle Europas sein soll. Zusammen mit ein paar frühen Franzosen nehmen wir im Boot Platz.
Ein Höhlenführer mit einem prächtig gezwirbelten Schnurrbart und langsamer akzentuierter Aussprache rudert und stakt uns auf einem unterirdischen Flußlauf ca. 600 m weit, wobei er etwas über die Geschichte und die Größe der Höhle erklärt. Am Ende der Bootspartie geht es zu Fuß weiter durch eine beeindruckende Tropfsteinhöhle. Auf dem Rückweg werden wir im Boot digital abgelichtet. Die Bilder kann man am Höhlenausgang frisch vom digitalen Drucker kaufen. Ich lasse mich, trotz den hohen Preises von 6,50 breitschlagen und kaufe eins. Der Höhlenbesuch war ein einmaliges und sehr schönes Erlebnis und davon möchte ich auf jeden Fall eine Erinnerung haben. Nach eineinhalb Stunden (Fahrstuhl, 2 x umsteigen) sind wir wieder an der Oberfläche und machen uns abfahrbereit zur kleinen Rundtour. Michael verspricht viele fotogene Pätze.
Rocamadur Als erstes landen wir in Rocamadur, dem nach Lourdes zweitheiligsten Ort Frankreichs. In Rocamadur L'Hospitalet halten wir zum Fototermin vor der beeindruckenden Kulisse des eigentlichen Ortes, der sich auf der anderen Seite einer Schlucht am Berghang auftürmt. Die schönsten Fotos kann man hier im frühmorgendlichen Sonnenlicht machen, aber mittags geht es auch gerade noch. Hier kaufen wir auch ein paar Souvenirs, die hier etwas billiger sind als in der eigentlichen Touristenfalle.
Dann geht es hinab und wieder hinauf nach Rocamadur. Wir parken die Motorräder in halber Höhe und machen uns auf den Weg durch die Touristengassen.
Rocamadur ist eine Station am Jakobsweg, der als ganzes Pilgerwegesystem durch Europa führt und in Santiago de Compostela in Spanien endet. Die wichtigsten Stationen in Frankreich sind (von Genf kommend) die Orte Frangy, La Frette, Le Puy an Velay, Aubrac, Figeac, Conques, Cahors, Condom !?, Roncesvalles. Wer mehr über den Jacobsweg wissen will, kann sich im Internet informieren. Es gibt dort via Google eine breite Auswahl von Seiten. zu diesem Thema.
die Touristengassen von Rocamadur Der Ort Rocamadur wurde 1166 zu einem der berühmtesten Wallfahrtsorte, als man ein Grab mit einem unverwesten Leichnam entdeckte. Es soll der Leichnam des frühchristlichen Eremiten Amadur gewesen sein. Die Endeckung leitete eine Reihe von Wundertaten ein, die jeweils durch selbstätiges Läuten der Glocke im Gewölbe der Kapelle "Miraculeuse" kundgetan wurden. Der Ort wurde im 19. Jahrhundert aufwendig restauriert und ist nun touristischer und christlicher Anziehungspunkt zugleich.
Die Vielfalt der Geschäfte ist beeindruckend, gibt es doch von der Frittenbude über Edeltextil, Kunst und Kitsch, Devotionalien bis zum Waffengeschäft (Messer, Macheten, Gotcha Pistolen und sogar Repliken von Uzi und Scorpion) das ganze Sortiment was das Pilgerherz auf dem Jakobsweg erfreuen könnte. Mir ist nur nicht so ganz klar, was ein Pilger mit einer Maschinepistole 9mm anfangen kann.
Es muß also Gottes Wille sein, daß die Menschheit sich gegenseitig umbringt, sonst würde der große Gasförmige diese Art von Geschäften in seinem zweitheiligsten Zweitwohnungsort in Frankreich längst durch seinen Bannstrahl vernichtet haben. Aber der alte Herr ist ja auch nicht mehr schwindelfrei und hat es an der Prostata. Sein "Bannstrahl" ist offensichtlich zu einem müden plätschern verkommen.
Ich mache meinen Rundgang zusammen mit Hans I. Als wir zwei am vereinbarten Treffpunkt ankommen kriegt der Rest der Crew gerade Sandwich serviert. Unser Wunsch nach Sandwich wird mit einem Achselzucken und der Bemerkung "die Baguette sind alle" quittert. Ein Alternativangebot wird nicht gemacht. Es geht den Leuten hier offensichtlich zu gut. Michael erzählt, daß der Wirt auch nicht gerade ein Tierfreund ist, hat er doch den Haushund mit einem kräftigen Tritt in eine andere Ecke des Straßencafés vertrieben was dieser auch unter Schmerzgeheul dann tat. "WO BLEIBT DER BANNSTRAHL??!!".
einer mußte geopfert werden Mit knurrendem Magen mache ich mich mit den Anderen auf den Weg. Michael führt uns zu einem einem Parque Historique Namens "Prehistologia" in Lacave Lot. Nicht zu verwechseln mit dem "Prehisto Parc" in Tursac. Wir tun uns einen Besichtigungsgang zu Eur 6.50 an . Der Park ist der reine Nepp. Angeknackste Plastik-Dinos und deren Stimmen (ebenso angeknackst) aus Lautsprechern. Woher weis man eigentlich, was Dinos so von sich gegeben haben?? (Laute natürlich, die Exkrement hat man ja schließlich gefunden). Wir sind ziemlich schnell wieder draußen und schreiben den Eintritt als Lehrgeld ab. Bei inzwischen wieder 30°C und strahlend blauem Spätsommerhimmel setzen wir unsere Fahrt fort. Wir klappern noch ein paar fotogene Ecken ab und fahren über schöne und kurvenreiche Straßen wieder zurück nach Padirac wo wir gegen fünf Uhr völlig ausgedörrt das erste Ankunftsbier in uns hineinschütten.
Unser Patron hat sich heute abend wieder etwas besonderes für uns einfallen lasen . Dies ist das Land der Enten und Gänse und so ist die Vorspeise wieder Ententerrine, die diesmal aber ganz anders schmeckt als gestern. Als Hauptspeise Entenfilet, d. h. für jeden 4 Streifen aus dem Entenrücken, wofür pro Person je 2 Enten ihr Leben aushauchen mußten. Der reine Massenmord. Die Streifen liegen in einem Spiegel von süß-saurer Soße, deren Zusammensetzung der Patron sogar verrät. Es ist ein Caramel mit Balsamessig und Entenjus. Einfach köstlich.
Dann gibt es Käse und der untere Teil der Tafel fällt darüber her als ob es die nächsten drei Tage nichts mehr gibt. Der obere (etwas Frankreich-erfahrenere) Teil der Tafel macht große Augen als der Käse in windeseile verschwindet. Der Patron ist jedoch ein ganz lockerer Mensch. Er lacht sich kaputt und bringt gleich noch so einen Teller, sodaß auch der Rest der Crew etwas zum Essen hat.
Es folgt ein Nußtörtchen in einem Spiegel von Caramel und Vanillesauce. Bocuse kann es wahrscheinlich auch nicht viel besser.
Als die Kälte anfängt uns die Beine hochzukriechen, ziehen wir uns mit einem Calvados als Absacker ins Haus zurück. Es ist einfach traumhaft. Michael, das hast Du prima ausgesucht.
 Padirac - Estaing, Mittwoch d. 17.9.2003 
Kunst aus Schrott - absolut sehenswert Nach dem bekannten Frühstück, diesmal mit Apfelkompott statt gezuckerter Joghurt sind wir so um neun Uhr herum wieder unterwegs. Das gute Wetter, was uns seit Beginn der Reise mit Temperaturen bis 30°C und strahlend blauem Himmel verwöhnt, bleibt uns auch weiterhin treu. Michael verkündete kurz vor Abfahrt, dass heute der kälteste Teil Frankreichs mal wieder das Elsaß mit 27°C ist. Wir bekommen bald eine Tankstelle zu fassen und ich kriege bei km-Stand 310 mit Ach und Krach gerade 18 Liter hinein. Das sind 5,8 liter auf hundert km und liegt wohl an der gemütlichen Fahrweise auf unserer Rundtour. Für meine Rentnerbank mit ihren 6 Zylindern ein ganz ordentlicher Wert.
Wir fahren über Gramat, Labastide Murat nach Vers, folgen ein kurzes Stück dem Lot und fahren dann durch ein herrliches Tal am Fluß Célé. Alte Gemäuer, steile Felswände und eine wunderschöne Landschaft. An einer Stelle hat ein genialer, aber etwas verrückter Schrottkünstler sein Domizil, das wir gegen Entrichtung eines Obulus von 2 Euro pro Nase besichtigen. Seine Kunst ist genial und eigentlich unbeschreiblich. Man muß es selbst gesehen haben. Schrottautos mit Fahrgästen in Schweinemasken. Tiere aus Schrottteilen. Gartenpforten aus Stahlresten aber auch eine Sitzgarnitur aus alten Baumstämmen, die ich mir sogar ins Zimmer stellen würde. Einfach toll. Unbedingt ansehen!
das Tympanon der Abbaye de Ste Foy in Conques In Figerac fallen wir in den örtlichen MacDonalds ein, weil es mal wieder unterwegs nichts gab. Mir ist jedenfalls ein Burger in so einem Fall lieber als ein vertrocknetes Baguette mit Schinken und Käse zu Freudenhauspreisen in irgendeinem schmuddeligen Café an der Landstraße.
Dann geht es über Decazeville nach Conques, einem weiteren Pilger- und Touristenort auf dem Jacobsweg. Der Ort umdrängt am Berghang die Abbaye de Ste Foy. Die heilige Foy wurde als Junges Mädchen zur Märtyrerin (warum konnte ich nicht herausfinden). Ihre Überreste ruhten zunächst in einem rivalisierenden Kloster in Agen. Im 9. Jh. stahl ein Mönch aus Conques die Reliquien (wie unchristlich, wo bleibt hier wieder der Bannstrahl!) die wiederum Pilger anlockten und Conques zur Station auf dem Jakobsweg machten.
Die Schatzkammer hütet Westeuropas bedeutendste Sammlung mittelalterlicher Goldarbeiten. Hier wurde während der Französischen Revolution der französische Kirchenschatz versteckt und bei der Rückgabe fehlte tatsächlich kein Stück. Die Abteikirche besitzt wunderschöne Buntglasfenster und das Tympanon (die Steinmetzarbeiten über dem Eingang) zählt zu den Höhepunkten mittelalterlicher Bildhauerei. Und das schönste ist, daß das alles mit wenigen Schritten zu erreichen ist. Wir schwitzen in unserer Biker-Schutzkleidung bei 30°C zwischen leichtbekleideten Bustouristen.
das Dorf Estaing Ich bin auf der Suche nach etwas trinkbarem und stoße in einer Touristenfalle auf eine Literflasche Vittel zu 2,00 Euro!! Non Monsieur !!! Da durste ich lieber und beiße die Nieren, Pardon die Zähne, zusammen und verzichte. Wir fahren weiter nach Entraygues sur Truyere und dann auf einer herrlichen Straße durch die Gorges du Lot nach Estaing. Aus diesem Ort soll angeblich Giscard d'Estaing kommen. Na Ja, wann's schee macht? Das Dorf Estaing ist im 13. Jh. zuerst erwähnt und war einst Lehen der bedeutendsten Familien von Rouergue. Das Schloß dient heute als Kloster. Man kann aber hinein und auch hinauf, um einen Blick über den Ort zu werfen.
Wir stellen die Moppeds in die Hotelgarage, duschen, und treffen uns im Straßencafe vor dem Hotel zum ersten Ankunftsbier. (Lecker, halbe Liter in Henkeltöpfen direkt vom Faß!).
Hans I. und ich machen einen Rundgang durch den Ort, erst über die Brücke und dann hinauf auf die Burg. Ich beschließe, morgen früh nochmal loszuziehen. Dann müßte das Licht für Brücke und Burg optimal zum fotografieren sein. Nachdem wir dann wieder beim Bier (der Durst ist groß bei dem Wetter!) vorm Hotel sitzen, kommt die Seniorchefin und begrüßt Michael persönlich. Eine sehr freundliche und gepflegt aussehende alte Dame, die - wie Michael berichtet - noch vor ein paar Jahren im Restaurant ein hartes Regiment führte und die Bedienung mit Psst, Psst Zischlauten durch Restaurant scheuchte. Aber wie viele Menschen ist auch sie im Alter milder geworden und hat sich zur Ruhe gesetzt.
Um acht gibt es Abendessen. Vorspeise ein Champignon Quiche, dann Roastbeef mit Kartoffelgratin, Käseplatte und als Nachtisch wahlweise Kuchen oder Eis. Wir sitzen noch eine Weile und klönen. Ich mache noch ein paar Nachtaufnahmen von Burg und Brücke, die angestrahlt sind und schleiche mich dann ins Bett, während die anderen sich noch nicht von der Bar trennen können.
 Estaing - Sanhilac, Donnerstag, d. 18.9.2003 
Hotel 'Auberge de la Tour Brizon' - sehr empfehlenswert Um kurz vor sieben fangen die Leute im Zimmer über mir an Krakoviak zu tanzen. Sie gehören zu einer Busreisegruppe und müssen sicher früh raus. Sie laufen hektisch hin und her und es knarrt rythmisch (nein, nein, es sind die Dielen!). Ich folge notgedrungen dem Beispiel und stehe auch auf. Über dem Flußtal liegt dicker Nebel, der aber schon in Aufstieg und Auflösung begriffen ist. Es verspricht wieder ein heißer Tag zu werden.
Im Frühstücksraum wieder das typische Bild an das ich mich nicht gewöhnen werde. Papierbedeckte Tische, hauchdünne Papierservietten, ein Messer für jeden. Es gibt reichlich Café au Lait, der sich auf dem Tisch mit Krümeln, O-Saft und Papierfetzen zur typisch französischen Frühstücksdekoration vermischt.
Bevor wir endgültig losfahren werden noch ein paar Motorradfotos gemacht mit Burg und Brücke im richtigen Licht als Hintergrund. Dann machen wir uns auf den Weg, immer entlang dem Fluß Lot in Richtung St Geniez d'Olt. Kurventanz vom feinsten auf herrlichen Strecken, teils durch Wald. Wir machen noch schnell halt an einem Intermarché, bevor wir in die Gorges du Tarn fahren und ich decke mich mit geeigneten Getränken für unterwegs ein. 4 Liter Eistee und 1 Liter Eau naturel gazeuse werden wohl reichen.
Dann geht es auf Höhenstraßen an der Gorges du Tarn entlang. Oberhalb 800 m eröffnen sich hinreißende Ausblicke auf eine weite Schleife der Tarn-Schlucht und die Causse Méjean in der Ferne.
Irgendwo oben in den Bergen kehren wir ein und bekommen was zu essen. Ich bestelle einen Sandwich mit Schinken und Käse, weil mir die Platte de Jour nicht so gefällt. Allein das viele Kartoffelmus finde ich abstoßend. Es kommt ein Baguette vom extrabreiten Kaliber (so etwa 225/50 Reifengröße) mehrfach belegt mit rohem Schinken der Region und Camembert. Einfach köstlich aber eine Riesenportion und das für nur 3,00 Euro.
Nachdem wir uns gestärkt haben geht es in schönen Kurven durch eine herrliche Landschaft am Parc National de Cevenne entlang durch das Dept. Ardeche. Wir folgen der D901 bis Les Vans und dann der D1044 bis kurz vor Joyeuse. Dort biegen wir links auf ein unscheinbares Sträßchen ab und fahren immer bergan bis wir in Sanhilac vor unserem heutigen Ziel, dem Hotel "Auberge de la Tour Brizon" stehen.
Abendstimmung über Sanhilac Das Hotel liegt am Hang mit einem weiten Blick über die Landschaft eingefaßt von Eßkastanien, dem typischen Baum der Gegend. Pool und Garage, schöne Zimmer, schöne Terasse unter einer Pergola aus Wein. Im Wein lebt der Graupapagei Coco und unterhält die Gäste mit seinen Clownerien. Der Wirt und auch Madame fahren Motorrad (er eine 1150 GS und sie eine 650 GS). Die Speise- und die Weinkarte sehen vielversprechend aus. Was will man also mehr.
Das Menue steht absolut im Verhältnis zum guten Eindruck des Hotels. Die Vorspeise, entweder ein Salat mit lauter edlen Zutaten oder Entenleberpastete mit Kastanien sind einfach göttlich. Als Hauptgang gibt es Ente mit einer Cremesauce. Schmeckt sehr gut, ist aber nicht so mein Fall, weil sehr massiv. Dazu ein Kartoffelgratin, das auch nicht gerade kalorienarm ist. Dann kommt eine erlesene Käseplatte und anschließend kann man aus einer exquisiten und sehr vielfältigen Eiskarte wählen. Ich nehme Zitronensorbet mit Wodka, sans Chantilly!! (ohne Schlagsahne!!). Anschließend sitzen wir noch beim Digestif draußen unter der Pergola und unter einem beeindruckenden Sternenhimmel in der lauen Sommernacht.
 Sanhilac - Gruffy, Feitag, d. 19.9.2003 
das Palais Ideal  von Ferdinand Cheval Ich habe geschlafen wie ein Baby. Das muß wohl die absolute Ruhe und die gute Bergluft gewesen sein. Wir frühstücken draußen, von einem im Restaurant aufgebauten Buffet. Die Croissants sind selbstgebacken und es gibt von allen Zutaten reichlich, sodaß wir sogar einigermaßen satt werden. Dann machen wir uns auf unsere letzte Etappe in Frankreich.
Wir verlassen das Hotel auf engen kurvenreichen Wirtschaftswegen und stehen so nach der siebten oder achten Kurve plötzlich vor zwei großen Möbelwagen, die sich den Berg hinaufquälen. In abgelegene Dörfer werden halt auch Möbel geliefert.
Wir quetschen uns daran vorbei und ich bin froh, daß ich nicht rückwärts manöverieren muß. Über Aubenas und Privas nach Le Pouzin und dann entlang der Rhone, die hier schon recht breit ist. Es ist zwar landschaftlich nicht ohne Reiz, aber wahnsinnig viel Verkehr. In Tournon gibt es eine sehenswerte Hängebrücke über die Rhone, die allerdings nur noch für Fußgänger und Radler geöffnet ist. sie wurde 1825 als erste Hängebrücke aus Stahlseilen von dem wagemutigen Ingenieur Marc Seguin errichtet. Ihr sollten später noch 20 weitere Rhonebrücken dieser Bauart folgen. Durch Tournon führt ein Dauerstau, den wir "durchstehen" müssen. Bei Saint Valier geht es über den Fluß und dann ab in Richtung Voiron und Chambery.
Unweit von St. Valier, in Hauterives, kehren wir ein und essen eine Kleinigkeit. In diesem Ort hat der Briefträger Ferdinand Cheval in der Zeit von 1879 bis 1912 sein Palais Ideal gebaut, das wir besichtigen. Es ist ein Betonbau mit Nischen und Gängen, Galerien und herauswuchernden Figuren. Er vereint ägyptische, römische, aztekische und siamesische Architektur. Es erinnert irgendwie an Borobodur oder Angkor Vat. Die darin verbauten Feldsteine wurden von dem Briefträger Cheval auf seinen Touren gesammelt. Man kann es nicht beschreiben, man muß es gesehen haben.
für einen Briefträger eine ganz beachtliche Leistung Dieser einfache Landbriefträger hat auf seinen weiten Wegen über Land (die Tour war 32 km lang) angefangen zu träumen und um sich von der immer gleichen Umgebung abzulenken hat er einen feenhaften Palast ersonnen. Als eines Tages sein Fuß an einem Stein hängen blieb, hat er ihn aufgehoben und mitgenommen. Später folgten noch mehr seltsam geformte Steine und die Geschichte begann nach dem Motto, "wenn die Natur Formen machen will, werde ich die Maurerarbeiten und die Architektur machen". Damit hat er sein Palais Ideal in Angriff genommen und in ca. 33 Jahren verwirklicht. Die ergreifendste Inschrift im Inneren belegt seine Bemühungen den Traum zu verwirklichen: "1879-1912: 10.000 Tage, 93.000 Stunden, 33 Jahre Mühsal." Im Besucherzentrum wird sein Werk zusammen mit den Werken von Gaudi, dem berühmten Spanischen Architekten genannt, was sich bei der Gestalt des Palastes zwar aufdrängt, aber dann doch etwas übertrieben ist. Das von Nachbarn für verrückt erklärte Projekt zog aber immerhin die Aufmerksamkeit des Surrealisten André Breton und anderer Künstler auf sich.
Wir fahren am frühen Nachmittag weiter in Richtung Annecy und sind um fünf in Gruffy wo uns Madame Savary mit einem strahlenden Lächeln empfängt.
Hans I. und ich bringen die Klamotten aufs Zimmer und starten sofort wieder nach Seynod um uns bei Geant mit französischen Delikatessen einzudecken. Bei Geant habe ich das billigste Super der Tour mit 0,974 Eur getankt. Um viertel vor sieben sind wir wieder zurück, pünktlich zum "Menue de Terroir". Außer uns sind noch ein Ehepaar aus Südafrika und ein Paar aus Sheffield mit Sohn zu Gast. Nach dem Essen sitzen wir noch mit den Sheffieldern beim Drink zusammen und amüsieren uns königlich. Bill und Phil sind richtig gut drauf, die Mutter hat sich weise zurückgezogen. Es wird noch ein feuchtfröhlicher Abend.
 Gruffy - Lörrach, Sonnabend, d. 20.9.2003 
Kurt on Tour Heute Morgen heißt es Abschied nehmen. Auch die schönste Tour hat einmal ein Ende. Madam schenkt jedem von uns zum Abschied noch eine Flasche Rotwein aus der Region, wir müssen uns wohl doch anständig betragen haben. Wir verabschieden uns und machen uns auf den langen und langweiligen Weg durch die Schweiz und über die schweizer Autobahnen im Wochenendverkehr. Unterwegs dinieren wir nochmal bei Mac Donalds, weil die Kreditkarten akzeptieren und wir uns so den Umtausch von Euro in SFr oder die Bezahlung in Euro zu Abzock-Kursen ersparen.
Um ca. halb zwei bin ich in Lörrach. Die Sonne brennt von oben. Ich kaufe noch schnell eine Kleinigkeit zum Essen und verkrümel mich in den Schatten des Dienstgebäudes am Lörracher Autozugterminal. Die Bundesbahn sollte mal ein paar Euro ausgeben, um Ihren Kunden ein wenig Schatten oder Schutz vorm Regen zu bieten.
Der Zug wird pünktlich bereitgestellt. Ich ziehe wieder meine behelmte Birne ein und fahre meine Rentnerbank auf den Zug. Alle Biker sind in Abteilen nebeneinander und zusammen untergebracht, Es ist eine lustige und gut erholte Horde die da unterwegs ist. Ich kann sogar etwas schlafen dank der Ohrstöpsel, die ich diesmal nicht vergessen habe. Pünktlich in Hamburg angekommen bin ich auch bald zuhause und die beste Sozia von allen, die diesmal zuhause bleiben mußte, schließt mich erleichtert in Ihre Arme.