Urlaub in Irland 2003 

Im Reisebus einmal rund um die grüne Insel


Text: (c) Peter Jänich 2003
Fotos: Peter Jänich

Unser Reisebus Paddy, der Busfahrer Irland als Insel ist im Hinblick auf die politische Geografie immer noch zweigeteilt. Der überwiegend protestantische Norden gehört nach wie vor zum britischen Empire. Der mehrheitlich katholische Süden verkörpert hingegen die Republik Irland.
Unser Urlaub 2003 war als organisierte Busreise geplant und hat uns einmal rund um den südlichen Teil der Insel geführt. Wir wollten "Irland zum Kennenlernen" und wir haben bekommen, was wir wollten. Die Republik Irland ist flächenmäßig etwa mit der Größe Bayerns zu vergleichen, so daß man in einer Woche schon einen ganz ordentlichen Teil der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes zu Gesicht bekommen kann. Vorausgesetzt natürlich, die Tour ist straff organisiert und man ist bereit, sein Quartier jeden Tag in einem anderen Hotel aufzuschlagen.
Hin- und Rückflug sind problemlos in jeweils ca. 2 Stunden zu absolvieren, wobei die Zeitverschiebung von einer Stunde zu berücksichtigen ist. Unser Flug endete in Shannon und der Bus brachte uns zunächst in die benachbarte, aber wenig erwähnenswerte Industriestadt Limerick.
Kaum eingestiegen muß man sich als deutscher Autofahrer erst einmal an den Linksverkehr gewöhnen. Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man beim ersten Stadtbummel Kinder auf dem vermeintlichen 'Fahrersitz' erspäht. Die Tatsache, daß das Lenkrad aber auch auf der rechten Seite angebracht ist, bringt einen jedoch schnell wieder in die Realität zurück.
Klimatisch gesehen hatten wir Irland gewählt, weil das sprichwörtlich kühle atlantische Klima der Insel, das wesentlich vom Golfstrom beeinflußt wird, unseren Vorstellungen von Erholung wesentlich besser entspricht, als tagelanges Sonnengebrutzel an irgendeinem Badestrand. Erlebt haben wir dann den irischen "Jahrhundertsommer" mit einer Woche durchgehend Sonnenschein und für irische Verhältnisse tropischen Temperaturen von 25..27 Grad Celsius. Normalerweise behaupten die Iren, sie hätten eigentlich immer schönes Wetter ... zwischen zwei Regenschauern ... Aber selbst die Reiseleiterin mußte nach fast zehnjäriger Irlanderfahrung eingestehen, daß sie einige Schönheiten der Insel selbst noch nie so klar gesehen hatte, wären diese doch eigentlich immer von Nebel verhüllt.
Uns hat's jedenfalls gefreut.
 Bunratty Castle
Bunratty Castle Hochzeit in Bunratty Auf Bunratty Castle und dem angeschlossenen Bunratty Folk Park kann man hautnah erleben, wie es in Irland vor 500 Jahren zugegangen sein mag. Die sorgfältig restaurierte Burg aus dem 15. Jahrhundert enthält eine wertvolle Sammlung alter Möbel. Eine aüßerst interessante Führung durch die verschiedenen Räume des Schlosses hinterließen bei uns die Erkenntnis, daß es den Bewohnern seinerzeit mit Ausnahme der Herrschaft nicht sonderlich gut gegangen sein kann. Überall war es eng, kalt und zugig. Unter Umständen konnte man bei Verstößen gegen die 'Hausordnung' ohne großes Federlesen für immer im Kerker des Schlosses verschwinden. Dort gibt es nur einen Weg, und der führt im freien Fall ca. 6 Meter in die Tiefe. Trotzdem führten die Bewohner des Schlosses immer noch ein priviligiertes Dasein, was man bei der Besichtigung der als Freilichtmuseum originalgetreu nachgebauten Bauernhäuser und Fischerkaten sehr schnell nachvollziehen kann. Im Sommer werden auf Bunratty Castle regelmäßig mittelalterliche Bankette veranstaltet. Mahlzeiten ähnlich den hierzulande veranstalteten Ritteressen mit dazu passender zeitgemäßer Musik bieten ein interessantes Ambiente für die zahlreichen Touristen, die das Schloss alljährlich besuchen.
Bunratty Castle ist ebenfalls ein begehrter Ort, um in Irland zu heiraten. Wir konnten live miterleben, wie dem Brautpaar des hinteren Wagens (ein Rolls Royce) vom Chauffeur nach vollzogenem Einstieg in die Nobelkarosse zunächst erst einmal ein Fläschchen Champagner aus der Bord-Bar gereicht wurde. Nobel, nobel ...
 Cliffs of Moher
Cliffs of Moher Cliffs of Moher Die Klippen von Moher in der Grafschaft Clare erstrecken sich über acht Kilometer und ragen an ihrem höchsten Punkt 230 Meter über dem Meeresspiegel auf. Von hier aus hat man eine der schönsten Aussichten, die Irland zu bieten hat: An klaren Tagen sieht man die Aran Inseln in der Galway Bay genauso scharf wie die Täler und Höhen von Connemara. Für einen Besuch der Klippen sollte man sich warm anziehen, der permanente Wind vom Atlantik läßt sonnenverwöhnte Mitteleuropäer schnell frösteln.
Die Wanderwege entlang der Klippen sind zwar an einigen Stellen gesperrt, daran gehalten hat sich aber nach unserer Erfahrung kaum jemand. Man sollte jedoch trotzdem vorsichtig sein ! Es gibt keinerlei Barrieren an der Abbruchkante. Teile der Klippen können abrutschen und alljährlich sind Todesopfer unter den leichtsinnigen Touristen zu beklagen. Wer schwindelfrei ist, kann sich an den Klippenrand wagen und das einem zu Füßen liegende Meer aus luftiger Höhe betrachten. Ein Touristenzentrum, in dem Souvenirs verkauft werden, darf natürlich auch nicht fehlen. Die Klippen von Moher gehören zu den meistbesuchten Attraktionen in ganz Irland. Wer einmal dagewesen ist, versteht warum.
 Burren National Park
Der Burren National Park Das Burrengebiet erstreckt sich über den Nordwesten der Grafschaft Clare gleich im Anschluss an die Clippen von Moher und beansprucht eine Fläche von ca. 300 Quadratkilometern. Es handelt sich dabei um das größte Kalkstein-Karstgebiet in Westeuropa. Der Kalkstein ist nicht nur an der Oberfläche vom Wasser zerfurcht, sondern beherbergt auch eine Reihe von mehr oder weniger großen Höhlen. Die bizarre Landschaft zwingt dem Besucher beim ersten Anblick das Gefühl auf, sich auf einem fremden Planeten zu bewegen. Geologen erforschen schon seit Jahren die dort vorkommenden Kalksteinschichtungen, unterirdischen Flussläufe und Spalten. Botaniker studieren im Burren die alpine Pflanzenwelt, die auf dem kargen Boden und in den Gesteinsrissen gedeiht. Hier wachsen zum Teil recht exotische Pflanzen wie beispielsweise der Enzian und das Frauenhaar. Besonders erstaunlich und von den Botanikern immer noch nicht recht erklärbar ist, dass in diesem Ökosystem sowohl mediterrane Pflanzen als auch Gewächse aus dem alpinen Raum nebeneinander gedeihen. Die Landschaft verbirgt wahre Schätze aus der Vor- und Frühgeschichte Irlands: Megalithgräber, Keltenkreuze, Keilgräber und anderes mehr kann der aufmerksame Besucher hier bestaunen.
 Klosterruinen von Clonmacnoise
Klosterruinen von Clonmacnoise Klosterruinen von Clonmacnoise Das unmittelbar am Shannon gelegene Kloster Clonmacnoise wurde im 6. Jahrhundert vom heiligen Ciaran (sprich: Kieraan) gegründet. Es ist eines der ältesten und bedeutensten Klöster Irlands. Ab dem Jahre 545 entstand an der Kreuzung zweier Handelswege eine ständig wachsende Klosteranlage, die im Verlaufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört und von den Mönchen immer wieder neu aufgebaut wurde.
Für die streng gläubigen Iren geht bis zum heutigen Tag eine eigenartige Faszination von dieser Anlage aus und sie dient nach wie vor als Wallfahrtsort. Erst vor wenigen Jahren hat man den Fußboden der zentralen Klosterkapelle, in der der heilige Ciaran gestorben sein soll, mit Steinplatten versiegelt. Bis dahin galt die Sage, dass man mit einer Hand voll Erde aus dieser Kapelle, verstreut in die vier Ecken eines Feldes, eine besonders fruchtbare Ernte erzielen könne. Die irischen Bauern aus der Gegend hatten jeweils reichlich Gebrauch davon gemacht.
Die Anlage besteht im Wesentlichen aus den Ruinen der ehemaligen Gebäude. Sehr gut erhalten sind zwei für diese Zeit typische Rundtürme. Im Besucherzentrum kann die Geschichte des Klosters auf Video (für Reisegruppen auch in deutsch) betrachtet werden. Dort stehen auch die Originale zweier Hochkreuze, deren steinerne Kopien im Gelände des Klosters an ihren ursprünglichen Stellplätzen besichtigt werden können.
 In der Hauptstadt Dublin
Dublin hat derzeit etwa 1,3 Mio Einwohner, was mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmacht. Die Dubliner lieben ihre Stadt, nennen sie liebevoll "Dirty Old Town", und tatsächlich spürt man hier ein heimeliges Flair, das man in einer Millionenstadt nicht ohne weiteres erwartet. Die Stadt hält eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten bereit und unsere Reisegruppe hat sich die wichtigsten Ziele erst einmal vom Bus aus erklären lassen. Anschließend war genügend Gelegenheit, sich das eine oder andere nochmal genauer anzusehen:

Die Bibliothek des Trinity Colleges Molly Malone Das Trinity College ist die älteste irische Universität. Sie wurde 1592 von Elizabeth I gegründet, um ihren protestantischen Untertanen eine konfessionell korrekte Ausbildung zu ermöglichen. Ursprünglich war vorgesehen, dass sich die Universität aus verschiedenen Colleges zusammensetzen sollte. Gegründet wurde allerdings lediglich das College of the Holy and Undivided Trinity. Kurz: Trinity College of Dublin oder TCD. Derzeit studieren an diese Uni etwa 15.000 Studenten, davon zwölf Prozent ausländische. Bis 1793 durften am Trinity College von Seiten der Universität keine Katholiken studieren, und selbst danach belegte die katholische Kirche die protestantische Universität mit einem Bann, der erst 1970 aufgehoben wurde. Heute hat das Trinity College sogar einen katholischen Präsidenten. Als Vorbild für die Gestaltung des Trinity Colleges dienten die britischen Universitäten Oxford und Cambridge, in denen Professoren und Studenten in so genannten "Residental Colleges" zusammen wohnen und arbeiten. Berühmtheiten wie Oscar Wilde, Jonathan Swift und Samuel Beckett haben hier studiert. Das College liegt direkt im Zentrum der Stadt. Ein Besuch in der Bibliothek des Trinity Colleges gehört unbedingt zum Pflichtprogramm jedes Dublin-Besuchers. Zwischen der riesigen Sammlung alter Bücher, dem sogenannten Long Room, fühlt man sich augenblicklich in die Welt von Harry Potter versetzt. Das Bild von der Bibliothek stammt übrigens ausnahmsweise nicht von mir, denn wie in den meisten irischen Museen, Schlössern und Burgen ist das Fotografieren nicht erlaubt und wird in Long Room besonder aufmerksam unterbunden.
Vor über 300 Jahren, so die Legende, lebte in Dublin ein hübsches Mädchen namens Molly Malone, das tagsüber mit ihrem Handkarren unterwegs war und Fisch und Muscheln verkaufte, nachts aber recht freigiebig mit ihren Reizen gewesen sein soll. Sie starb mit 36 Jahren an Typhus. Im Laufe der Zeit wurde diese Legende im bekannten Volkslied "Cockles and Mussels" aufgegriffen, und 1988 stellte die Stadt an der Stelle, wo sie ihre Muscheln verkauft haben soll, diese Plastik auf. Seit dem gehört es zum Pflichtprogramm, einmal bei Molly vorbeizuschauen und natürlich ein Foto zu schießen.

Temple Bar goldener Halsschmuck im Nationalmuseum Zwischen Zwischen Dame Street und Liffey, Westmoreland Street und Christchurch erstreckt sich der Temple Bar Bezirk. Temple Bar ist eine der ältesten Gegenden Dublins mit verwinkelten Gassen und jeder Menge Cafés, Bars und Pubs, wo man auch gut essen kann. Viele Gebäude wurden bereits restauriert und Temple Bar entwickelt sich außerdem so langsam zu einem Kunst- und Handwerkerviertel. Auf jeden Fall ist es eine der lebendigsten Ecken der Stadt, bunt bevölkert mit allerlei fahrendem Volk, Straßenkünstlern wohin man schaut und hinter jeder Ecke tönt einem eine andere Art von handgemachter Musik entgegen. Da in Irland die meisten Geschäfte auch am Wochenende bis spät nachmittags geöffnet haben, lädt das Viertel geradezu zum Wochenendbummel ein.
St. Patricks Cathedral Im National Museum of Ireland kann man kulturhistorisches Exponaten von der Steinzeit bis ins späte Mittelalter begutachten. Allein das Gebäude mit seiner mächtigen Rotunde und den schönen Mosaikböden ist sehenswert. Im Erdgeschoß kann man so bedeutende Stücke wie den "Kelch von Ardagh", die "Tara-Fibel" oder den "Gleninsheen-Halsschmuck" bewundern. Darunter befinden sich einige Stücke aus massivem Gold. Das Museum beinhaltet im Obergeschoß ebenfalls eine sehenswerte Wikinger- und eine Ägyptensammlung.
Südöstlich des Trinity College, am Merrion Square, findet sich die größte Ansammlung an typischen "Doors of Dublin" mit ihren bunt gestrichenen Türen, den flankierenden Säulen und den halbrunden Oberlichtern. In den um 1764 fertiggestellten gregorianischen Häusern haben so berühmte Persönlichkeiten wie Oscar Wilde oder W. B. Yeats gelebt.
Die Kathedrale des irischen Nationalheiligen St. Patrick wurde 1192 auf den Ruinen einer Kirche erbaut, die vom Heiligen Patrick selbst gegründet wurde. Jonathan Swift, der weltbekannte Autor von "Gullivers Reisen" war ab 1713 über 30 Jahre lang Dekan der Kirche und ist hier auch begraben.
 Rock of Cashel 
Rock of Cashel Unsere Fahrt führte uns auch in das altehrwürdige Dorf Cashel. Ein Zwischenstop bei ausnahmsweise etwas kühlenren Temperaturen wurde genutzt, um die gigantische Kirchenruine auf dem 90 m hohen Rock of Cashel zu besichtigen. Der Ort wird wegen seiner markanten Silhouette gelegentlich auch auch als "irische Akropolis" bezeichnet. Die Ruine war seit dem 4. Jahrhundert Sitz der Könige von Munster bis er dann orgendwann dem Verfall preisgegeben wurde. Wie an vielen anderen Stellen in Irland sind hier Kopien von Hochkreuen zu besichtigen, deren Originale wegen der unzureichenden Sicherheitsbedingungen an besser gesicherte Orte verbracht wurden. Das Dorf Cashel am Fuße der Burg zehrt in großem Maße von den Touristen, die in Scharen den Berg hinauf stürmen. Ähnlich wie in Clonmacnoise kann der ausländische Reisegast auch hier eine recht interessante Videovorführung in seiner Landessprache bestellen.
 Kilkenny Castle 
Kilkenny Kilkenny Castle Kilkenny ist eine typische irische Kleinstadt mit recht interessanten kleinen Gässchen und wunderschönen, zum Teil Jahrhunderte alten Pubs. Sie läßt sich selbst für lauffaule Touristen wie mich recht gut zu Fuß erkunden und vermittelt sehr typisch das irische Flair, das der Tourist erwartet. Bei Bedarf kann man sich den Ort auch aus der Perspektive einer Pferdekutsche ansehen, die sich auch im dicksten Verkehrsgewimmel nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Besonders sehenswert ist das unmittelbar im Ort gelegene Schloss. Kilkenny Castle wurde im 12. Jahrhundert erbaut und zur Zeit Königin Viktorias umgestaltet. Es befindet sich in einer weitläufigen Parkanlage, die der Hauptsitz der Butler Familie, den Herzögen von Ormond, war. Auf Grund von umfangreichen Restaurierungsarbeiten umfaßt der zentrale Teil nun eine Bibliothek, einen Salon, im 1830er Stil eingerichtete Schlafzimmer und eine beachtenswerte Galerie. Die alte Küche dient während des Sommers als Teestube. Ein Teil der ehemaligen Bedienstenzimmer wird heute im Rahmen der Butler Art Gallery genutzt, die häufig wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigt.
 Ring of Kerry 
Ring of Kerry Ring of Kerry Der Ring um die Halbinsel Kerry ist wohl eine der schönsten Panoramastrassen Europas. Sie erstreckt sich über eine Länge von etwa 170 Kilometer entlang der Küstenlinie der Halbinsel. Für Busse und Wohnmobile ist der Ring übrigens nur entgegen dem Uhrzeigersinn zu befahren, um Begegnungen an den mitunter recht schmalen Küstenabschnitte möglichst zu vermeiden. Die Halbinsel Kerry wird vor allem durch ihre südliche Vegetation geprägt. Haine aus Rhododendron, Fuchsienhecken, Palmen und Yasmin säumen die Route und man fühlt sich gelegentlich an Gegenden rund um das Mittelmeer erinnert. An manchen Stellen des Rings, der in weiten Strecken unmittelbar an der Küste verläuft, ist die Fahrt in einem Reisebus ein recht eigenartiges Erlebnis. Die Breite der Straße ist ohnehin nicht mit deutschen Verhältnissen zu vergleichen und bei Gegenverkehr war es immer wieder ein Erlebnis, mit welcher Präzision ein irischer Busfahrer sein Gefährt an einem Hindernis vorbei bugsieren kann. Der Blick aus dem Fenster offenbart einem dabei gelegentlich einen tiefen Blick in den Abgrund und man muß schon viel Vertrauen in den Fahrer setzen, dort nicht nervös zu werden. Trotzdem war es ein unvergesslicher Anblick, als sich am Vormittag die Nebelschleier über der Bucht langsam verzogen und den traumhaften Blick auf die wunderschöne Uferlandschaft freigaben. Einen Zwischenstopp der besonderen Art kann man bei einer am Ring liegenden Schäferei erleben. Der Schäfer erklärt den Besuchern sozusagen am lebenden Objekt, wie man mit zwei sorgfältig abgerichteten Hunden eine Herde Schafe in Windeseile von A nach B treiben kann. Am Ende ist der aufmerksame Besucher fest davon überzeugt, das die Hunde die Sprache ihres Herrn und Meisters tatsächlich verstehen. Der Schäfer trainiert ausschließlich Border Collies und das Geheimnis seiner Kunst liegt in eine Reihe von Pfeifkommandos, die unterschiedlich für jeden Hund in mehrjähriger Ausbildung antrainiert werden. Es war interessant, mit welcher Lust und Hingabe die Tiere ihr Handwerk ausüben. Schafe gehören in Irland quasi zum Inventar und benutzen gelegentlich die asphaltierten Straßen gleichberechtigt neben den Autofahrern.
 Killarney National Park 
Killarney National Park Muckross House - Blick aus dem Fenster Der Nationalpark umfaßt 10.000 ha See- und Gebirgslandschaft. Der Park ist für die hier vorkommenden natürlichen Lebensräume und Arten bekannt. Wegen des schönen Wetters hatte die Reiseleitung angeboten, einen Bootsausflug auf einem der Seen zu organisieren, was die gesamte Reisegruppe dankbar annahm. Bereits die Anlegestelle verbarg sich stilvoll hinter einem der zahlreichen irischen Schlösser. Aus meiner Sicht war es ein absolut faszinierendes Erlebnis, inmitten einer paradiesischen Landschaft von einem Fotomotiv zum nächsten zu gleiten. In Deutschland und anderswo wären solche Schätze natürlicher Schönheit mit Sicherheit völlig überlaufen. In Irland dagegen konnte ich an den malerischen Ufern nicht einen einzigen Menschen ausmachen.
Muckross House Mitten im Killarney Nationalpark befindet sich Muckross House, ein bezauberndes viktorianisches Herrenhaus, das zu Irlands führenden staatlichen Häusern zählt. Die elegant möblierten Räume spiegeln den Lebensstil des Landadels wider, wohingegen man im Keller etwas über die Arbeitsbedingungen der Dienerschaft lernen kann. Ein Blick aus dem Fenster auf den angrenzenden Park mit seinen großen Wasserflächen versetzt den Besucher in eine Zeit zurück, in denen die Herrschaften noch in Kutschen durch die Lande gefahren sind. Und wenn dann tatsächlich am Seeufer eine Reihe von (wohlgemerkt mit Touristen besetzten) Kutschen auftauchen, ist die Illusion perfekt.
Die Gärten von Muckross House sind weltweit für ihre Schönheit bekannt. Sie beherbergen Azaleen- und Rhododendrensammlungen, einen weitläufigen Wassergarten und einen Felsengarten aus Kalkstein. Die Commerzialisierung hat auch vor Muckross House nicht halt gemacht. Mittlerweile wurde auch an diesem Ort ein Touristenzentrum errichtet, in dem die zahlreichen Besucher abgefüttert und mit den notwendigen Souveniers versorgt werden.
 Dingle Bay 
atlantischer Sandstrand an der Dingle Bay Dingle Oceanworld Aquarium Die Dingle Bay als nördlichste Halbinsel der "fünf Finger" beherbergt an ihren Küsten einige traumhafte Sandstrände, an denen man sich ein Bad im Atlantik gönnen kann. Interessanter Weise ist es dort üblich, mit dem Auto direkt auf den Strand zu fahren. Die Iren genießen solche Ausflüge in der Gestalt, daß sie sich eine Zeitung mitnehmen und den schönen Ausblick im Auto sitzend auf sich wirken lassen. Diese typische Verhaltensweise ist im übrigen nicht nur auf die Strandabschnitte beschränkt, sondern kann auch schon mal irgendwo an einer interessanten Stelle am Straßenrand beobachtet werden. Die beiden abgebildeten Motorradfahrer dachten sich, was die Autos können, können wir schon lange. Bei der recht zügigen Fahrt in Richtung Wasser hat das auch noch gut funktioniert, aber einmal abgestellt, hatten die pfiffigen Burschen dann leichte Schwierigkeiten, wieder vom Strand runter zu kommen. Dingle Bay Dingle selbst ist die westlichste Stadt Europas und das Zentrum der gleichnamigen Halbinsel. Eigentlich ist Dingle nicht mehr als ein kleines Fischerdorf, das sich seine Atmosphäre bis heute bewahrt hat. Mittlerweile gehört aber auch Dingle zu den bekannten Touristenziele Irlands und ist demensprechend gut besucht. In Dingle und Umgebung wird vorwiegend Irisch gesprochen und auch die Beschilderung der Straßen und anderer Hinweisschilder erfolgt oft ausschließlich in Irisch. Für selbstfahrende Touristen ist das mitunter ein Problem, das erst einmal gelöst sein will. Der Ort wird regelmäßig von "Fungie", Irlands berühmtestem Delphin besucht. Seit 1984 schwimmt Fungie regelmäßig mit den Booten und Besuchern im Hafen von Dingle. In der Hauptreisesaison kann man sich mittels Booten auf einem einstündigen Trip in Fungies nächste Nähe schippern lassen. Die Stadt Dingle hat ihrem berühmten Besucher aus dem Meer am Hafen bereits zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, seine lebensgroße Bronzeplastik steht unmittelbar am Pier. Das Dingle Oceanworld Aquarium ermöglicht dem Besucher interessante Einblicke in den Artenreichtum der Gewässer um die Dingle Halbinsel. Man kann ein großes mit Seewasser gefülltes Aquarium durch einen Tunnel begehen. Haie und Moränen schwimmen in unmittelbarer Nähe am Besucher vorbei. Selbst ein "Streichelzoo" für die kleinen Besucher fehlt nicht. Wo kann man schon mal einen richtigen Rochen aus nächster Nähe vorbeischwimmen sehen und die glitschigen Biester auch noch anfassen.
Fish and Chips In Dingle nutzten wir die Gelegenheit, uns ein typisches Fish and Chips Restaurant empfehlen zu lassen. Nachdem man seine Bestellung aufgegeben und bezahlt hat, erhält man eine Nummer und sucht sich in Ruhe einen Platz. Die Kellner tragen die von der Küche gelieferten Gerichte aus, in dem sie die Nummern der Reihe nach ausrufen. Verpassen darf man seinen Aufruf natürlich nicht, was bei der herrschenden Lautstärke in dem recht impressionistisch eingerichteten Lokal garnicht so einfach war. Die gesamte Halbinsel ist über den Dingle Way befahrbar. Bei klarem Wetter, wie während unseres Besuches auf der Halbinsel, hat man einen grandiosen Ausblick über die Brandon Bay, die Tralee Bay und die Dingle Bay. Die Brandon Bay, die noch heute den Namen des Heiligen St. Brendan trägt, war der Überlieferung nach Ausgangspunkt für dessen Atlantiküberquerung. In Irland geht man davon aus, das dieser Mann bereits im 6. Jahrhundert auf diesem Wege Nordamerika entdeckt haben soll, also bereits 900 Jahre vor Christopher Columbus!

Damit war unser Urlaub dann leider schon wieder zu Ende. Schön war's und wenn das Problem mit dem unstetigen Wetter nicht wäre (von dem wir allerdings nix gemerkt haben), müßte man Irland als das Motorrad- und Trike-Reiseland schlechthin bezeichnen. Mehr Natur, wunderschöne Aussichten und einmaliges Flair dicht gedrängt auf einer relativ kleinen Fläche habe ich persönlich noch nicht erlebt. Wer auch mal einen Regenschauer verträgt, für den ist es auf jeden Fall eine Überlegung wert ...
 Was sonst noch interessant ist 
Die Pubs
Ohne irgendeinen Zweifel sind die Pubs vor allem in den vielen kleinen Dörfern und Städtchen die wichtigste Orte, um in Irland soziale Kontakte zu knüpfen. Beim Bier dominiert das dem Porter ähnliche Guinness (das irische Nationalgetränk), aber auch ein Kilkenny oder das dem deutschen Bier am nächsten stehende Lager werden ausgeschenkt, während die Gäste essen, tanzen, in ein Liedchen mit einstimmen oder einer vor Ort zusammengestellten Gruppe von Musikern lauschen.
Das Essen in Pubs, bezeichnet als "pub grub" ist im Großen und Ganzen gut und die Preise sind angemessen. Die offizielle Schließzeit für Pubs ist Mitternacht und kurz zuvor wird vom Wirt die "Last Order" ausgerufen. Die Wirte halten sich meist strikt an die Schließzeiten, weil die Lizenz zum Alkoholausschank, einmal eingezogen, auf Lebenszeit nicht neu erteilt wird.

Das Klima
Das irische Klima wird von dem an der Insel vorbeiziehenden Golfstrom beeinflußt. In Irland herrschen westliche Winde vor, die die Iren als - eher schwach - bezeichnen. Die Temperatur ist das ganze Jahr über relativ konstant und schwankt etwa im Bereich von 4 .. 7°C im Januar und 16 .. 20°C im Juli. Das Klima ist feuchtwarm, was die überwiegend grüne Farbe der Landschaft erklärt. Frost ist in Irland nur sehr selten anzutreffen, so daß sogar mediterrane Gewächse wie Palmen auf der Insel gut gedeihen.

Das original Rezept für Irish Coffee
Zutaten für ein Glas:
125 ml starker Kaffee, 70 ml frische Schlagsahne, 35 ml irischer Whiskey, 2 Teelöffel braunen Zucker
zum vervollständigen wahlweise Zimt, Muskat oder Kakao Pulver
Man nehme ein Heißwasser-taugliches Glas und spült es mit heißem Wasser aus. Zucker in's Glas und anschließend den heißen Kaffe aufgießen. Nun gut schütteln damit sich der Zucker auflöst. Anschließend wird der Whiskey zugegeben. Die möglichst kalte Schlagsahne ganz vorsichtig draufsetzen, am besten mit Hilfe eines Löffels, über dessen Rücken sie die Schlagsahne langsam ins Glas laufen kann. Sahne und Kaffe sollen sich nicht mischen. Zuletzt noch Zimt, Muskat oder Kakao aufstreuen und fertig.
Zum geniessen wird der heiße Kaffee durch die kalte Sahneschicht geschlürft ...
 interessante Links zum Thema Irland 
Touristische Informationen über den Westen Irlands
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