Thüringer Talsperren Tour 2008 

Ein Rundkurs durch das Grüne Herz Deutschlands


Text: Peter Jänich
Fotos: Diana Herzel, Peter Jänich
veröffentlicht in der Zeitschrift TrikerSzene - Heft I/2008

Thüringen von seiner schönsten Seite Thüringen gilt nicht umsonst als das "Grüne Herz" Deutschlands. Mit seinen weitläufigen Wäldern, Seengebieten, Talsperren und nicht zuletzt auf Grund der sanften Hügellandschaft am Fuße der Mittelgebirge zieht es den Besucher in seinen Bann. Naturliebhaber kommen hier ebenso auf ihre Kosten, wie historisch Interessierte, sportlich Veranlagte oder Gäste, die einfach nur ein paar Tage Ruhe und Entspannung genießen wollen.
Für die Trike fahrende Zunft ist da natürlich auch etwas dabei und so will ich hier eine Tour beschreiben, wie ich sie schon mehrfach im Ganzen oder auch in Teilen gefahren bin. Trotzdem ist es immer wieder interessant, neues zu entdecken und wenn für den einen oder anderen die Anregung zu einer Stippvisite in meiner Heimat dabei heraus kommt, dann würde mich das sehr freuen.
Staumauer der Talsperre Pöl Im Prinzip kann man an jeder beliebigen Stelle in die Tour einsteigen. Es ist ein Rundkurs und mein Startpunkt ist seit nunmehr zwei Jahren der beschauliche Ort Rodewisch im Vogtland. Eigentlich in Sachsen gelegen, ist es jedoch nur einen Katzensprung von der thüringischen Grenze entfernt. Der Begriff Vogtland bezeichnet übrigens keine Verwaltungsgrenze, sondern die geografische Region zwischen den deutschen Freistaaten Sachsen, Thüringen und Bayern, bis hinein ins tschechische Egerland.
Ein Wahrzeichen von Rodewisch ist das Observatorium und genau hier empfing man 1957 die ersten Signale des russischen Satelliten "Sputnik". Überhaupt wird diese Tradition in der Region sehr hoch gehalten. Ein kleiner Abstecher in das wenige Kilometer entfernte Morgenröthe-Rautenkranz zum Besuch der sehenswerten  Deutschen Raumfahrtausstellung  vermittelt mit zahlreichen Originalexponaten einen historischen Abriss der Geschichte der Weltraumforschung. Ist dies doch der Geburtsort des ersten deutschen Kosmonauten Sigmund Jähn.
Wir verlassen Rodewisch und fahren über Treuen vorbei an der gleichnamigen Autobahnabfahrt der A72 in Richtung Pöhl/Jocketa. der Ort Pöhl existiert bereits seit 1961 nicht mehr. Er wurde nach dem Bau der gleichnamigen  Talsperre Pöhl  vom Wasser überflutet. Der Reisende kann sich am "Talsperrenblick" einen gemütlichen Kaffee gönnen und die Aussicht auf die Talsperre genießen. Die Staumauer ist zu Fuß erreichbar und der Ausblick auf das Göltzschtal eine Besichtigung wert.
Die Fahrt durch den Ort Jocketa in Richtung Bartmühle schüttelt den verwöhnten Trikefahrer ordentlich durch, beschert ihm aber auch eien 19%igen An- bzw. Abstieg auf gepflasterter Straße. Unmittelbar im Tal sollte man sich den Blick an den Bahnschienen entlang auf eine recht stattliche Eisenbahnbrücke gönnen. Neben der in unmittelbarer Nachbarschaft (zwischen Mylau und Netzschkau) gelegenen und fast doppelt so großen  Göltzschtalbrücke , der größten Ziegelsteinbrücke der Welt, belegt die Elstertalbrücke in dieser Rangliste den zweiten Platz.

Das waren noch Preise ... Bei Steinsdorf gelangen wir auf die B92, die uns knapp an Plauen vorbei nach  Syrau  bringt. Der kleine Ort wartet neben einer historischen Mühle mit einer recht interessanten Tropfsteinhöhle auf. Im Jahr 2008 feiert die "Drachenhöhle" ihr 80-jähriges Bestehen. Wer genügend Zeit mitbringt, sollte sich eine der stündlich durchgeführten Höhlenführungen gönnen.
Über Mehlteuer erreichen wir die Stadtgrenze von Schleiz. Dem Motorsport-interessierten Leser ist der Ort selbstverständlich als Austragungsstätte der legendären  Schleizer-Dreieck-Rennen  bekannt. Noch heute werden historische Automobil- Motorrad- und Seitenwagenrennen auf dem Rundkurs veranstaltet. Wir biegen vor dem Ort in Richtung Hof links ab und befahren dabei automatisch einen der drei Schenkel der ältesten Naturrennstrecke Deutschlands zwischen Waldkurve und Heinrichsruh.
Schlossturm von Schloss Burgk Historisch Interessierte sollten sich kurz nach Passage der Autobahn A9 rechts halten und einen Ausflug in das Örtchen Burgk einplanen. Vom bewachten Parkplatz aus führt ein kurzer, aber schweißtreibender Fußweg zu einer perfekt erhaltenen mittelalterlichen Burganlage namens  Schloß Burgk . Ausgestellt werden unter anderem ein als sogenanntes "Bauopfer" lebendig eingemauerter, mumifizierter Hund, der mir bereits als Kind böse Träume beschert hat. Von der Anlage herab kann man einen wunderschönen Ausblick auf das umliegende Saaletal genießen.
Nach kurzem Rückweg auf gleicher Strecke fahren wir weiter in Richtung  Saalburg  und überqueren dort die Staumauer der Bleilochtalsperre. Hinsichtlich ihres Fassungsvermögens gilt sie als größter Stausee Deutschlands. Die Talsperre wird im 90-Minuten-Rythmus von Passagierschiffen befahren. Auch Sonderfahrten wie die Riverboat-Dixi-Night oder Mondscheinfahrten werden angeboten. Selbst heiraten kann man auf den Fahrgastschiffen. Die Talsperre verfügt auch über zwei Campingplätze  (Kloster und Saalburg-Bad) , die sich gut als Basislager für diese Tour nutzen lassen.

Unser Weg führt uns vorbei an Zoppoten über Friesau und Eliasbrunn. Nach Ruppersdorf verzweigt die Strasse in Richtung Gahma und führt dann in einer nicht enden wollenden, gut ausgebauten Abfahrt mitten durch ein Waldgebiet bis hinunter auf die B90 nach Leutenberg. Der Ort ist in Bikerkreisen weithin bekannt für die  Bikerherberge "Sormitzblick" . Ein altehrwürdiges Haus, umgebaut und speziell zugeschnitten auf die Belange von Motorradtouristen. Triker sind dort natürlich ebenso willkommen und bei schönem Wetter sitzen die "Ledernen" zu Hauf auf der Freiterasse des Hotels mit wunderschönem Blick auf die Dächer von Leutenberg. Vom Zeltplatz bis zur Hochzeits-Suite bietet die Herberge für jeden Geldbeutel etwas und ist damit natürlich auch als Stützpunkt für die dreirädrige Erkundung des thüringer Landes bestens geeignet. Auch eine Übernachtung nach intensiver Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten der bisherigen Strecke bietet sich hier an.
Weiter geht es in Richtung  Saalfeld . Wer will, kann der Stadt selbst einen Besuch abstatten. Weithin bekannt ist die Stadt für ihre Tropfsteinhöhle, die  "Saalfelder Feengrotten" . Die Feengrotten sind lt. Guiness-Buch der Rekorde die farbenreichsten ihrer Art auf der ganzen Welt und gegenüber der trotzdem sehenswerten "Drachenhöhle" in Syrau um Klassen interessanter.
Bikerherberge Sormitzblick in Leutenberg Wer auf die bunte Welt unter Tage verzichten will, der biegt bereits weit vor Saalfeld bei Kaulsdorf in Richtung Hohenwarte ab. Kurz danach schmiegt sich die Strasse unmittelbar an der Hohenwarte-Talsperre auf verschlungenen Pfaden dem Verlauf des Wasser an. Die Fahrt auf der Uferstrasse ist purer Genuß und ein Erlebnis für jeden Naturliebhaber. Von der Strasse aus übrigens recht gut zu betrachten ist das von Vattenfall betriebene Pumpspeicherwerk Hohenwarte, in dem mit günstigem Nachtstrom Wasser in ein oberes Becken gepumpt wird. Tagsüber treibt dieses Wasser dann auf dem Weg nach unten Turbinen zur Stromerzeugung an, der Spitzenbelastungen ausgleichen soll.

Über Drognitz und Liebschütz schlängelt sich die Strasse weiter bis in den kleinen Ort  Ziegenrück . Dort ansässig ist ein kleines Wasserkraftmuseum, das man sich ansehen kann, um anschließend in der benachbarten Gastronomie gemütlich Kaffee zu trinken oder ein "Kühles Blondes" zu schlürfen. Wer bereits in Drognitz links abbiegt, erreicht nach ein paar Kilometern wieder das Talsperrenufer der Bleilochtalsperre und kann dort mit einer kleinen gemütlichen Fähre für ein paar Groschen ans andere Ufer übersetzen. Auch von dort aus findet man problemlos den gut ausgeschilderten Weg nach Ziegenrück.
Über Bucha und Knau gelangt man mitten in das Plothener Seengebiet, ein Paradies für Angler und Wanderer. Obwohl, Triker zählen erfahrungsgemäß eher weniger zu denen, die sich gerne "per pedes" bewegen. Also, Augen zu und durch, auch wenn es die Gegend eigentlich verdient hat, offenen Auges befahren zu werden.
Über Dittersdorf, Tegau und Pahren gelangt man zielsicher nach Zeulenroda, wobei die nächste Talsperre überquert wird. Gegenwärtig ist die Talsperre Zeulenroda aber vornehmlich als Trinkwasserreservoir ausgelegt. Dem Badewilligen sei daher eher die  Badewelt Waikiki  ans Herz gelegt, die in Richtung Triebes gut ausgeschildert zu finden ist. Es ist eines der in den letzten Jahren wildwuchsmäßig entstandenen Spaßbäder, wobei dieses noch zu den wenigen zählt, die auf wirtschaftlich gesunden Füßen stehen.
Verläßt man Zeulenroda in Richtung Pausa, sollte man sich in Pausa unbedingt eine Pause gönnen und dem Vermächtnis der dort ansässigen  Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommission  gemäß einen Blick auf die im hiesigen Rathaus zu Tage tretende Erdachse werfen. Wer mag, kann auch ein Fläschchen hochprozentige "Erdachsenschmiere" käuflich erwerben.

Die weltgrößte Ziegelbrücke im Göltzschtal Die Route führt nun weiter auf gut ausgebauten Strassen über Elsterberg in Richtung Greiz. Bereits kurz nach Ortsausgang Elsterberg (Sachswitz) empfielt sich eine Route in Richtung Netzschkau, wobei man einen Umweg über eine wunderschöne kurvige Strecke nach Mylau einplanen sollte. Auf dieser Strecke hat man das Vergnügen, unter der bereits zu Anfang beschriebenen Göltzschtalbrücke hindurchfahren zu können. Das imposante Bauwerk ist allemal einen kurzen Stop wert.
Die Tour führt anschließend auf landschaftlich schöner Strecke über Mühlwand und Lengenfeld zurück nach Rodewisch, dem Ausgangspunkt unserer beschaulichen Reise.