Unterwegs in den Dolomiten (Juni 2004) 

Mit dem Trike durch die Dolomiten bis zum Gardasee

Text:Peter Jänich
Fotos:Dieter Edel

Dieter Edel In Deutschland gibt es viele schöne Ecken und die allermeisten davon sind für mich und meine Frau noch weitgehend unentdecktes Land. Trotzdem reizt es uns einmal im Jahr, die Nase auch mal in fremde Länder zu stecken, Kultur und Gebräuche kennenzulernen und den Verstand für neue Dinge zu öffnen. Deshalb hatten wir bereits im zeitigen Frühjahr eine Tour gebucht, die uns in die Dolomiten führen sollte. Und weil wir die schönsten Wochen des Jahres nicht damit verschwenden wollen, uns mit deren Organisation herum zu plagen, ziehen wir es vor, geführte Touren zu buchen. In der Regel kann man davon ausgehen, daß die Veranstalter die Gegend gut kennen, in die sie uns führen. Man läuft also weniger Gefahr, an den sehenswerten Dingen achtlos vorbei zu fahren, weil man sie einfach übersieht. Außerdem genieße ich in den wenigen Tagen Urlaub gern den Komfort, andere Leute für mich entscheiden zu lassen, wo wir denn heute übernachten.
die handelnden Personen Eine Triketour sollte es werden. Also wurde im Internet recherchiert und wir wurden schnell fündig bei der  Trikevermietung Dieter Edel  in Mühlacker, der bereits seit mehreren Jahren eine Dolomiten-Tour organisiert. Erwähnt werden sollte noch, daß wir unser Trike erst vier Wochen zuvor mit einem neuen Motor ausgestattet hatten. Bis zu Beginn der Tour hatte ich erst wenige hundert Kilometer damit absolviert, so daß ein gewisses Risiko bestand, unterwegs einen technischen Ausfall zu erleiden. Im Nachhinein kann ich allerding feststellen, daß es außer einer verlorenen Schraube bei unserem IronHorse keinerlei technische Probleme gegeben hat.
Voll bepackt mit zwei Reisetaschen machten wir uns am Sonntag, den 13. Juni 2004 auf den Weg nach Mühlacker. Von unserem Heimatort aus sind das immerhin ca. 400 km, also wurde die Strecke überwiegend auf der Autobahn absolviert. Gestartet sind wir bei leichtem Regen und bis Bayreuth änderte sich daran auch nicht viel. Den Rest der Strecke konnten wir halbwegs trockenen Fußes absolvieren und kamen gegen halb sechs abends geschafft aber erwartungsvoll in unserer Pension an. Die Regenklamotten ausgezogen (es hatte bereits lange aufgehört zu pieseln) und gleich weiter zu einer kurzen Stippvisite bei Dieter Edel in die Vermietstation. Und wie das immer so ist, auf dem Rückweg zum lang ersehnten Abendessen hat's uns dann doch noch richtig eingeweicht. Einmal komplett naß, die Regenklamotten in der Pension gelassen, prima Auftakt.
1. Tag - Montag, den 14.06.2004
die erste Rast Der Tag begann schon recht zeitig am Morgen. Um 5.30 Uhr war Sammeln angesagt. Kurze Einweisung über die Strecke und wie man in der Gruppe zu fahren hat, pünktlich um 6.00 Uhr gings los. Die A8 überraschte uns mit Nebel und bei relativ hohem Verkehrsaufkommen mußten wir schnell einsehen: 9 Trikes zusammenzuhalten ist garnicht so leicht. Runter auf die A7 in Richtung Memmingen, Kempten gings weiter bis Oy-Mittelberg. Dort war die örtliche Bäckerei als Treffpunkt mit zwei weitere Trikes ausgemacht, die wegen der günstigeren Anfahrt erst dort zu uns stießen. Welch ein Erstaunen beim ersten Blick auf Erich's Modell E1 - ein Eigenbau und nach seiner Aussage eines der ersten in Deutschland zugelassenen Trikes überhaupt. Angetrieben von einem Passat-Motor und mit weit nach hinten ausladendem Lenker war es allemal noch in der Lage, die meisten unserer 'Serientrikes' problemlos stehen zu lassen.
Apropos Trikes: Die Palette unserer Schönheiten war breit gestreut. Neben Erichs E1 und einem weiteren Eigenbau auf TWA(?)-Basis mit Polo-Motor waren diverse Boom-Modelle und auch die Marke Rewaco vertreten. Wie bei Trikern üblich, hatten natürlich alle ihr gutes Stück mit viel Liebe verschönert und ihm ihren individuellen Stempel aufgedrückt. Auch hinsichtlich der verfügbaren Leistung waren mit einer Ausnahme alle Modelle oberhalb der der 50 PS angesiedelt, was man spätestens nach dem zweiten Paß auch sehr schnell als angenehm empfindet. Die 50 Serien-PS von unserem Manni (der Hesse im Team) reichten als Alleinfahrer zum Mithalten zwar aus, aber der arme Kerl hatte dabei wohl mit Abstand die meisten Schaltvorgänge zu bewältigen und war ständig auf Vollgas. Spätestens da hat auch meine Frau eingesehen, daß unsere Entscheidung für einen Typ 4 Motor mit 115 PS richtig gewesen ist.
unterwegs zum Timmelsjoch Die Weiterfahrt durch das Allgäu hat mich in meinem Vorhaben bestärkt, irgendwann auch dort mal ein paar Tage Urlaub zu machen. Tankpausen wurden so gelegt, daß kurz nach der Grenze volltanken angesagt ist. Der Sprit ist dort ca. 20 Cent billiger als in Deutschland und bei einem Verbrauch von 13 Litern auf hundert Kilometer ist das nicht zu verachten. In Österreich haben wir zunächst das Hahntennjoch zwischen die Räder genommen und sind dann gemütlich weiter durch das Ötztal gekurvt. Den ersten Schneekontakt gabs auf dem Timmelsjoch und der Jaufenpass ließ uns erahnen, was in den nächsten Tagen in Richtung Kurvenspaß auf uns zukommen sollte.
Kaum über die Grenze in Italien eingefahren, wurden einige Fahrzeuge aus unserem Konvoi von der Gendarmeria herausgewunken. Zunächst wußte keiner so recht warum. Es wurde jedoch schnell klar, daß hinsichtlich der Helmpflicht in Italien die Uhren etwas anders ticken, als bei uns. Ein Helm, der die Ohren nicht bedeckt, wird dort nicht als solcher akzeptiert. Einige aus der Gruppe hatten sogar gänzlich darauf verzichtet und die Polizei hat knallhart angedroht, die Fahrzeuge für 30 Tage zu konfiszieren. Lediglich der Umstand, daß auf dem Polizeihof anscheinend nicht genügend Platz für alle Betroffenen gewesen wäre und die Redekunst unseres Tourguides Dieter Edel verhalfen den reuigen Sündern wieder zur Freiheit. Ein Vorauskommando hatte von den restlichen Mitgliedern der Gruppe die Helme geholt, weil ohne Helm keiner vom Hof der Polizeistation gerollt wäre.
So wäre die Reise für einige fast zu Ende gewesen, noch bevor sie richtig begonnen hatte. Corvara, ein kleines Städtchen im Alta-Badia Tal war unser Tagesziel. Von dort aus wollten wir die nächsten Tage die umliegenden Pässe kennenlernen und uns ausgiebig in den Dolomiten umschauen. Das ganze Tal Alta-Badia ist vollständig auf Tourismus ausgerichtet und so dominieren gepflegte Hotels und Pensionen das Bild des kleinen Ortes. Das Hotel  La Fontana  macht da keine Ausnahme. Lediglich die Tatsache, daß es von deutschen Motorrad-Zeitschriften als besonders Biker- (und damit natürlich auch Triker-) freundlich eingestuft wird, verschafft Roberto, dem äußerst zuvorkommenden Wirt auch außerhalb der italienischen Feriensaison immer ein gut gefülltes Haus. Zwar kann man die Trikes nur auf einem zum Haus gehörenden frei zugänglichen Parkplatz abstellen, aber nach unserer Erfahrung ist das in den Urlauberorten überhaupt kein Problem. Nach einem anstrengenden Tag mit gut 500 gefahrenen Kilometern und einem vorzüglichen Abendessen war nicht mehr viel Rotwein nötig, um die erforderliche Bettschwere zu erlangen.
2. Tag - Dienstag, den 15.06.2004
in den Dolomiten Eigentlich sind die Regeln ganz einfach: Es wird immer geradeaus gefahren. Ist die Gruppe zerrissen und es muß abgebogen werden, bleibt der letzte am Abzweig stehen und wartet auf die Nachzügler. Das heißt natürlich auch, jeder ist für seinen Hintermann verantwortlich und man muß schon permanent ein Auge im Rückspiegel haben, um niemanden zu verlieren. Eigentlich wollten wir die drei Zinnen begutachten an diesem Tag. Das ist eine der bekanntesten Felsformationen in den Dolomiten und Anlaufpunkt für jeden Touristen. Leider hatte aber schon kurz nach dem Start einer unserer Mitstreiter nicht aufgepaßt und ist beim Abbiegen einfach weiter gefahren. Der Rest der Gruppe (wir auch) war etwas zurückgeblieben, hat's nicht bemerkt und ist strickt nach Anweisung weiter geradeaus gefahren. Erst als sich nach gut 20 Kilometern Abfahrt die Paßstraße verzweigte und eine Entscheidung rechts oder links nicht mehr zu umgehen war, bemerkten wir unseren Irrtum. Die drei Zinnen lagen damit leider nicht mehr im verfügbaren Zeitrahmen und die Strecke mußte etwas gekürzt werden. Im Nachhinein kann ich sagen, es sollte unser einziger diesbezüglicher Fehler während der gesamten Tour bleiben.
der See bei Misurina Wieder zurück auf der geplanten Strecke ging es nach einer kurzen Rast hinunter nach Cortina d └mpezzo. Angeregt von Schneetrikers Daumenkino hatte ich mir noch zu Hause am Lenker einen Stativkopf angebaut, wie er für handelsübliche Kameras verwendet wird. Er verfügt über ein Kugelgelenk und läßt sich in jeder Position fixieren. Darauf wurde nun die Videokamera montiert, mit zwei Kabelbindern gesichert und die Abfahrt nach Cortina war der erste Test für dieses Equipment. Ich muß gestehen, das Ergebnis hat uns alle überrascht. Die Kamera hat brav alle Wackler rausgefiltert und nun kann ich jederzeit einen kleinen Teil unserer Reise nochmal 'durchfahren'. Wir haben dieses Experiment später wiederholt und auch dieses Ergebnis kann sich sehen lassen.
Aus Cortina heraus über den Passo Tre Croci gings weiter in Richtung Misurina, wo wir an einem malerischen See unsere Mittagsrast einlegten. Eigenartigerweise waren wir ziemlich schnell umzingelt von deutschsprachigen Urlaubern in gesetztem Alter, die sich die Gelegenheit nicht entgehen ließen, ein paar Fotos von Oma und Opa zu schießen. Im Hintergrund natürlich diese eigenartig aussehenden Fahrzeuge, von denen man nicht einmal den Namen kannte.
Zurück wieder über Cortina, den Giaupass rauf und auch wieder runter, fahren wir weiter in Richtung Sottoguda durch die gleichnamige Schlucht. Wir ziehen einen großen Bogen vor dem Marmolada-Massiv und über den Passo de Pordoi gelangen wir zurück zum Combolongo. Das ist sozusagen der Hauspass von Alta-Badia und er führt uns direkt zurück nach Corvara. Die Tour lassen wir bei ein paar Bier oberhalb des malerischen Kulisse des Ortes ausklingen, bevor wir uns den abendlichen Genüssen von Roberto widmen. Letzten Endes hat wohl keiner die geänderte Streckenführung bereut und ein schöner Tag fand seinen harmonischen Ausklang bei lecker Speis und Trank in unserem Quartier.
3. Tag - Mittwoch, den 16.06.2004
in geselliger Runde Für den nächsten Tag hatte uns Dieter Edel einen Ausflug jenseits der üblichen Touristenpfade versprochen. Über wunderschöne kleine Straßen führte uns unser Weg an ein abgelegenes kleines Gasthaus, auf das er bei einer früheren Tour durch Zufall gestoßen war. Abseits der Straße gelegen war das Gasthaus am Ufer eines wunderschönen Flußtales eingebettet. Gerade angekommen mußten wir allerdings feststellen, daß man dort eigentlich geschlossen hatte. Der Wirt war wohl mehr oder weniger zufällig anwesend und so öffnete uns der junge Mann trotzdem sein gastliches Haus. Letztendlich wurde auch noch die Mama an den Ort des Geschehens verpflichtet und der Tisch füllte sich zusehens mit Speisen und Getränken. Schließlich wurden wir auch noch zur Verkostung verschiedener Kräuterschnäpse verpflichtet und ich hatte reichlich zu kämpfen mit dem ersten Rosmarinschnaps meines Lebens.
Ausflug zum Wasserfall Einige aus der Gruppe gönnten sich noch einen Abstecher zu einem nahe gelegenen Wasserfall, bevor wie uns schweren Herzens zur Weiterfahrt auf unsere dreirädrigen Gefährte schwangen.
Bei einem Tankstopp unterwegs glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, als unser Mitfahrer E1-Erich (de Babba) den Schlauch von der Preßluftsäule irgendwo zwischen dem Lenker befestigte und anfing, Luft aufzupumpen. Auf unsere erstaunten Anfragen verkündete er stolz, das er über eine luftgefederte Gabel verfüge, die man nun einmal von Zeit zu Zeit nachpumpen müsse.
Auf dem bereits erwähntenParkplatz oberhalb des Alta Badia-Tales ließen wir den Tag bei einigen Bierchen ausklingen, bevor wir wiederum das gemeinsame Abendessen im Hotel genossen.
4. Tag - Donnerstag, den 17.06.2004
sabbernde Rindviecher Erstes Etappenziel dieses Tages war der Pordoi-Pass. Wir hatten es ja relativ leicht, auf die Paßhöhe zu gelangen und so gönnten wir uns oben angekommen einen gemütlichen Kaffee. Wesentlich schwerer hatten es da die zahllosen Radler, die den Gipfel mit purer Muskelkraft erklimmen. Bei annehmbaren Witterungsbedingungen gehören die Radler zum alltäglichen Bild auf den Dolomitenpässen. Leider schießen viele von ihnen nach der Ankunft auf dem Gipfel die nächste Abfahrt mit einem Affenzahn hinunter und es ist mir immer noch ein Rätsel, wieso am Rande der Pässe nicht massenweise verunglückte Radfahrer herumliegen. Einmal wurden wir allerdings Zeuge eines solchen Unglücks, als einer dieser Radler seine Schußfahrt auf der Windschutzscheibe eines entgegenkommenden Autos beendete.
Eben noch auf über 2000 Meter Höhe arbeiteten wir uns auf 300 Meter ü.M. hinunter. Auf netten kleinen Straßen durchqueren wir das Villnößtal. Die Straßen sind teilweise sehr schmal und bei Gegenverkehr wird es problematisch. Mit abnehmender Höhe wechselt das Klima auf angenehme Temperaturen, so daß man eigentlich im T-Shirt weiterfahren könnte. Pünktlich zu Mittag laufen wir am Ende einer Paßstraße im Bergrestaurant "Geisler" ein. Es bietet sich uns ein wunderschöner Ausblick über das Tal, die Sonne scheint und der einzige Nachteil sind die zahlreichen Kuhfladen, die sich mit 335er Schlappen wunderschön in der Gegend verteilen lassen. Die dazugehörigen Verursacher laufen hier oben frei in der Gegend herum und sie genießen ihre Freiheit über alle Maßen. Besonders die Trikes scheinen es den Rindviechern angetan zu haben und ein ganz besonders nettes Exemplar sabbert mir mitten in meinen Helm. Hätte die Bedienung die Tiere nicht vertrieben, hätten sie vermutlich auch noch am Tisch Platz genommen.
Erichs bescheidene Hütte Ein paar Kilometer vor dem nächsten Tankstopp versiegte bei unserem Rewaco-Fahrer die Spritzufuhr und mein aus der Heimat mitgebrachter Reservekanister wird zum ersten Mal seiner Bestimmung gerecht.
Am Vorabend hatten wir im Hotel einen einheimischen Triker getroffen. Der Name Erich scheint unter Trikern ziemlich häufig vorzukommen. Erich, der Dolomiten-Triker hatte uns im Zustand alkoholischer Umnachtung also am Abend zuvor in sein bescheidenes Hotel eingeladen, wenn wir ihn an diesem Tag mit auf Tour nehmen würden. Da er sich wider Erwarten am Morgen pünktlich eingefunden hatte, war Erich also mit von der Partie. Auf dem Heimweg machten wir wie versprochen Rast an seinem Hotel Ciasa Tama in La Villa. Seine bescheidenes Heim entpuppte sich als exzellent ausgestattestes 3-Sterne-Hotel, daß ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Die Hotels sind außerhalb der Skisaison nur mäßig belegt und so hatten wir den Hotelhof an diesem Nachmittag ganz für uns allein. Erichs Verwandschaft ließ es sich nicht nehmen, uns fürstlich zu bewirten und wir verbrachten ein paar lustige Stunden miteinander.
Zu allem Überfluß konnten wir auch noch mit einigen Gläschen Prosecco auf Erichs (de Babbas) Geburtstag anstoßen. Kurz und gut, ein rundum gelungener Tag.
5. Tag - Freitag, den 18.06.2004
auf dem Monte Baldo Heute heißt es Abschied nehmen vom Hotel La Fontana. Unsere Tour führt uns über die Südtiroler Weinstraße weiter an den "Lago di Garda". Das komplizierteste am weiteren Streckenverlauf war wohl der Umstand, mit einer großen Gruppe im dichten Feierabendverkehr italienischer Städte niemanden zu verlieren. Auf Landstraßen wartet immer jemand an der nächsten Biegung, aber an Autobahnabzweigen kann man nun mal nicht einfach stehen bleiben. Die Strecke entlang der Weinstraße läßt sich aber gut fahren und einige von uns holen sich an diesem Tag einen Satz verbrannter Arme und Nasen. Es ist angenehm warm, so daß man endlich mal wieder im T-Shirt fahren kann. Trotz gegenteiliger Befürchtungen hat der Zusammenhalt in der Gruppe gut funktioniert und keiner ging verloren.
links am Gardasee Auf dem Weg zum Ziel stolpern wir über eine einsame Käserei auf dem Monte Baldo. Wir machen Zwischenstation und wieder entpuppt sich das bescheidene Haus als Geheimtipp. Die Produkte, die dort oben vertrieben werden, können wir mit allen Sinnen genießen und Rosi, unsere selbstfahrende Trikerin wird um ein Haar mit dem Eigentümer der "Rancho Schelfi" verkuppelt. Jedenfalls können wir alle uns Rosi sehr gut als Almbäuerin vorstellen.
Die Abfahrt runter zum Gardasee ist gesperrt. Jedenfalls verkündet das ein Schild am oberen Ende einer wunderschönen Serpentine, auf der man den Abstieg zum See mit herrlichen Ausblicken kombinieren kann. IronHorse gehört zu den stärkeren Gäulen in der Gruppe und so werden wir als Voraustrupp losgeschickt, die Strecke zu erkunden. Ganz unten angekommen stellt sich heraus, daß die angekündigten Straßenbauarbeiten längst beendet sind. Anscheinend hatte einfach keiner das Schild oben auf dem Berg weggeräumt. Der Rest kommt zügig nach und wir fahren an der Uferstraße entlang bis zu unserem Hotel Lido in Malcesine.
Den Tag beschließen wir in einer Pizzeria am See und der Abend klingt in gemütlicher Runde am Pool des Hotels aus.
6. Tag - Samstag, den 19.06.2004
eine wunderschöne Gegend Am nächsten Morgen beginnt die erste Etappe unserer Heimreise. Sie führt uns über verschiedene Pässe wieder in Richtung Norden und das Wetter verschlechtert sich zusehens. Zu allem Überfluß erleidet unser hessicher Mitfahrer Manni unterwegs eine Panne. Er schlitzt sich den linken Hinterreifen an einem scharfen Stein dermaßen auf, daß der Einsatz aller Vorräte an Reifenspray nicht ausreicht, dieses Loch zu schließen. Es hilft nichts, Manni muß sein Gefährt auf freier Strecke stehen lassen. Die nächste Ortschaft liegt ca. 15 Kilometer entfernt und in der Einsamkeit ist nicht einmal Handy-Kontakt möglich. Am Abend kann er nach einigen Verwirrungen den ADAC korrekt instruieren. Sein Trike wird eingesammelt und tritt den Rückweg nach Deutschland mit dem ADAC-Sammeltransport an. Nach diesem Erlebnis ist allen klar, warum ein Schutzbrief bei einer solchen Tour unverzichtbar ist.
jede Tour geht einmal zu Ende Irgendwann hat es sich eingeregnet und auch bei guter Regenausrüstung findet das Wasser schließlich seinen Weg. Wir sind naß bis auf sie Haut. Am Fuße des Stilfzer Jochs kommen uns Autos entgegen, deren Windschutzscheiben mit Schneeresten beladen sind. Das ließ nichts gutes ahnen. Immerhin war Sommer und da rechnet man als Mitteleuropäer eigentlich nicht mit Schnee. Etwa ab 2000 Höhenmetern ging der Regen dann in ein regelrechtes Schneegestöber über und die Temperaturen fallen bis unter den Gefrierpunkt. Mit jedem weiteren Meter, den wir dem Berg abringen, wird es kälter und wenige hundert Meter vor dem Gipfel frieren dem Rewaco vor mir die Vergaser ein. Mit am Auspuff angewärmten Handschuhen bringen wir das Trike in mehreren Anläufen bis über den Gipfel. Die Kälte kriecht in jede Ritze und wenn mich einer nach meinem schlimmsten Erlebnis auf dem Trike fragt, dann war es das. Einen kurzen Zwischenstopp in der Bergstation nutzen wir, um ums wenigstens etwas aufzuwärmen. Die Trikes bleiben mit laufendem Motor vor der Tür. Die dünne Luft hat auch IronHorse ziemlich zugesetzt. Der Leistungsverlust ist deutlich zu spüren. Die Abfahrt hinunter ins Tal, die man bei schönem Wetter genießen kann, bringen wir so schnell wie möglich hinter uns und bald schon gelangen wir völlig durchgeweicht im heutigen Hotel an.
Die Körper sind relativ schnell wieder warm, aber die Klamotten werden auch bis zum nächsten Morgen nicht richtig trocken. Das Wasser hat seinen Weg bis in das Innere unserer Reisetaschen gefunden. Beim nächsten Mal müssen wir uns etwas besseres einfallen lassen.
7. Tag - Sonntag, den 20.06.2004
wir waren eine lustige Truppe Der letzte Tag ist angebrochen. Es regnet immer noch. Wir entschließen uns, den kürzesten Weg zu suchen und es beginnt die Heimreise über Österreicher Paßstraßen. Wegen des schlechten Wetters verpaßt eine Hälfte der Gruppe die Autobahnausfahrt und wir fahren unfreiwillig in zwei Gruppen in Richtung Heimat. Kurz vor der deutschen Grenze finden wir nochmal alle zusammen und da es für uns der letzte gemeinsame Halt sein wird, verabschieden wir uns von den anderen. Der Abschied fällt nicht leicht nach einer gemeinsamen Woche mit viel Spaß und einer Menge gemeinsamer Erlebnisse. Irgendwann treffen wir uns sicher mal wieder, das ist fest versprochen. Den Rest der Heimreise treten wir selbstständig an. Bayern hält noch einige Regenschauer für uns bereits und kurz nach München holt uns die Sintflut ein. Wir erleben zum ersten Mal, daß aller Verkehr in Hagel und Sturm erstirbt. Stillstand auf der Autobahn, ein eigenartiges Erlebnis.
Trotz aller Widrigkeiten gelangen wir am Abend nach gut 800 Kilometern am Stück wohlbehalten zu Hause an.
Es war eine wunderbare Woche und wenn es sich einrichten läßt, sind wir irgendwann gerne wieder dabei.