Lago di Garda 2006 

Der Gardasee - herbstliche Hommage an eine malerische Schönheit


Text und Fotos: Peter Jänich
veröffentlicht in der Zeitschrift TrikerSzene - Heft IV/2006

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 Wenn die Saison zu Ende geht ... 
Mama, warum tut er mir das an ... Da wir in Punkto Urlaubsplanung aus beruflichen Gründen an die Schulferien gebunden sind, hatten wir uns für die Herbstferien zum Abschluss der diesjährigen Trike-Saison noch eine letzte Camptour vorgenommen. Als Reiseziel standen verschiedenen Regionen in Deutschland zur Auswahl, wobei wir eigentlich den Bodensee als Favorit auserkoren hatten.
Gewöhnlich fahren wir mit einem umgebauten Bestattungsanhänger der Marke ‚Westfalia’ zum Camping, wie man ihn in der in der Trikeszene gelegentlich antrifft. Eigentlich ist Mitte Oktober für einen Campingurlaub schon recht spät, denn für diesen Zeitraum kann man das Wetter nur sehr schwer vorhersagen. Da wir unsere „Leiche“ im Sommer (der Hitze wegen) ordentlich wärmegedämmt hatten, sollte das eigentlich kein Problem darstellen.
Aber wie das Leben so spielt, kommt es erstens immer anders ... Mitten in der Reiseplanung flatterte ein interessantes Sonderangebot ins Haus, das wir nicht ausschlagen konnten: 7 Tage Halbpension in einem Hotel am Gardasee zu einem unschlagbar günstigen Preis - dafür haben wir dann gerne auf Camping verzichtet.
Uferpromenade von Limone Limone, ein kleines verträumtes Städtchen am Westufer des Gardasees, dort wollen wir hin. Davor hat der große Manitu aber eine gut 800 Kilometer lange Anreise gesetzt, die wir in zwei Etappen meistern wollen. Bereits bei einer früheren Tour in Richtung Dolomiten hatten wir mit Begeisterung die Landschaft am Fuße des Zugspitzmassivs bewundert. Die Gelegenheit ist günstig und so soll unsere erste Etappe in Grainau enden. Der Ort ist als Zugspitzdorf hinlänglich bekannt und man kann selbst vom Trike aus die Alpen im wahrsten Sinne des Wortes ‚begreifen’. Vorausgesetzt natürlich, das Wetter spielt mit. Uns haben die Alpen leider nicht gemocht: Anreise in der Dunkelheit der Nacht, Abreise am nächsten Morgen bei strömenden Regen. Bergsicht gleich null ! In solchen Momenten verlässt selbst mich als wetterfesten Triker der Spaß an der Freude und auch der alte Spruch von wegen: „Der Weg ist das Ziel“ – zerfließt mit jedem Regentropfen mehr und mehr in Bedeutungslosigkeit.
 Wo bitte geht's zum Gardasee ? 
Sehenswertes entlang der Weinstraße Wir haben unsere Entscheidung, auf den Kauf einer Vignette für die eidgenössischen Autobahnen zu verzichten, schon fast bereut, da empfängt uns Österreich zwar mit durchwachsenem, aber dennoch annehmbarem Wetter. Und so bleiben wir bei unserer ursprünglich geplanten Route über den Fernpass nach Imst, von dort weiter in Richtung Landeck, den Reschenpass entlang bis nach Italien. Der Winter würde nun wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Jedenfalls beschleicht uns angesichts der Temperaturen auf dem Reschenpass unvermittelt dieses Gefühl. Warme Unterwäsche ist dort zu dieser Jahreszeit dringend angeraten. Wieder im flachen Land angekommen verläuft unsere Route weiter via Merano, Bolzano und Trento schließlich ohne weitere Zwischenfälle bis nach Limone.
Es gibt sicher kürzere Strecken an den Gardasee. Aber die Route ist sehr gut ausgeschildert, die Ortsdurchfahrten sind unkompliziert und auch für Menschen mit geofunktionalen Mangelerscheinungen (ich bin ortsdumm!) ist sie gut zu bewerkstelligen. Wenn man auch noch auf eine diesbezüglich besser begabte Reisebegleiterin zurückgreifen kann, sollte man sich die Mautgebühren auf jeden Fall sparen. Alternativ zu unserer Strecke ist das letzte Stück der Anfahrt über die italienische Weinstraße zu empfehlen, die besonders im Spätsommer das italienische Flair hautnah vermittelt.
Die Altstadt von Limone Limone - der Ort entspricht genau der Vorstellung vom typischen Flair des Gardasees: historischer Stadtkern direkt an die Felsen gebaut, unmittelbar am Wasser gelegen mit jeder Menge Hotels, Pensionen und Restaurants, die auch an schönen Herbsttagen zum Verweilen einladen. Die Temperaturen bewegen sich um diese Jahreszeit durchaus noch in Wohlfühlbereich bis hinauf an die 20 Grad Grenze. Allerdings funktioniert das nur auf der Westseite des Sees, die den größten Teil des Tages noch von der Sonne beschienen wird. Verschwindet sie erst einmal hinter den Bergspitzen, wird es sehr rasch kühl. Die meisten Hotels entlang dem Ostufer des Sees hatten deswegen bereits ihre Saison beendet und waren winterfest gemacht. Der Anzahl Touristen scheint das allerdings keinen großen Abbruch zu tun. Die malerischen alten Gassen sind prall gefüllt mit kauflustigen Menschen, die überwiegend deutsch zu sprechen scheinen. Dabei vermischen sich die vertrauten Dialekte quer Beet durch alle Regionen Deutschlands und nur selten sind ein paar englische Sprachfetzen oder gar italienisches Palaver zu vernehmen.
Den Händlern an den kleinen Lädchen ist deutlich anzumerken, dass auch sie sich auf einen ruhigen Winter freuen. Die Umgebung rund um den gesamten See lässt sich vorzüglich mit dem Trike erkunden. So nehmen wir jeden Tag ein anderes Stück Ufer unter die Räder und tingeln so von Ort zu Ort. Jeder Ort am See ist einschließlich der Rückfahrt jeweils an einem Tag erfahrbar und bietet damit für einen Hotel gestützten Trikeurlaub ideale Voraussetzungen. Die Altstadtkerne der zahlreichen kleinen Ortschaften rings um den See sind nach unserem Gefühl relativ austauschbar. Aber auch im Hinterland finden sich überall sehenswerte Fleckchen, die man meist von der Uferstraße aus gut ausgeschildert finden kann. Auch Abstecher auf gut Glück in das angrenzende Bergland sind durchaus empfehlenswert und belohnen den aufgeschlossenen und naturverbundenen Triker oft mit herrlichen Aussichten von hoch oben auf den See.
 Italien aus dem Bilderbuch ... 
Typisch Italien Interessant in den Städtchen sind jeweils die Wochenmärkte, die sich zeitlich gut gestaffelt über die ganze Woche rund um den See verteilen. Das Angebot ist zwar immer wieder gleich, aber die Händler fordern zum Handeln und Feilschen heraus. So sind auch hier und da noch kleine Schnäppchen zu machen. Mein Sonnenschein verliebt sich in eine wunderschöne Handtasche in bestem italienischen Design und nimmt mir damit die Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für dieses Jahr ab. Überhaupt findet sich Leder in jeglicher Machart an allen Ecken und Enden.
Als regelmäßige Flohmarktbesucher freuen wir uns ganz besonders über ein zwanglos am Straßenrand versammelte Gemeinde von Trödlern, deren Angebot sich wohltuend von deutschen Gebrauchtwarenständen abhebt. Zweiter typischer Exportschlager ist Speiseeis in tausend verschiedenen Sorten. Spitzenreiter war eine Eisdiele in Sirmione mit über 80 von mir gezählten Sorten Eises. Und dabei war auch bei saisonal nachlassender Nachfrage an der Qualität nichts zu rütteln.
Das Wetter meint es überhaupt die gesamte Woche gut mit uns und beschert Mittagstemperaturen um die 20 Grad. Das Trike parken wir auf unseren Ausflügen immer in relativer Nähe zum Stadtzentrum. Entgegen den Unkenrufen manches Bekannten findet sich jedes Mal bei unserer Rückkehr alles in bester Ordnung wieder.
Seeblick Wer das Trike mal einen Tag ruhen lassen will, dem sei ein eine Rundfahrt über den See ans Herz gelegt. Der stolze Preis von 31,- Euro pro Nase ist dennoch angemessen, erstreckt sich der Ausflug doch über einen ganzen Urlaubstag. Von Limone aus legt das Schiff in Sirmione und in Garda an. Der Skipper gewährt den Gästen jeweils ausreichend Zeit für einen interessanten Stadtbummel. Wir genießen die angenehme Seeluft und lassen den Abend bei einer Flasche Bardolino ausklingen. Apropos Wein: Der Gardasee und das angrenzende Hinterland verfügen über einige exzellente Weinanbaubetriebe, die bis Anfang Oktober im Rahmen der Weinlese zum Verkosten einladen. Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte sich bei einem ortsansässigen Reisebüro zu einem Tagesausflug mit dem Bus ins Hinterland anmelden und diese Gaumenfreuden genießen. Leider ist zu unserer Reisezeit die Weinlese weitgehend abgeschlossen, so dass wir uns diesen Höhepunkt für einen zukünftigen Besuch am Gardasee vormerken müssen. Den landestypischen Wein genießen kann man aber zu jeder Jahreszeit und für den Interessierten empfiehlt sich unbedingt ein Stadtbummel im Weinstädtchen Bardolino.
 Abschied nehmen fällt schwer ... 
Zugspitzmassiv Die Woche ist leider viel zu schnell verflogen und es heißt, die Heimreise anzutreten. Die bewährte Route wollten wir nicht ändern, kommen aber schon am frühen Nachmittag in Grainau an. Ein strahlend blauer Himmel über den bayerischen Alpen verhilft uns nun doch noch zu einem versöhnenden Ausblick auf das Zugspitzmassiv. Kurzerhand fällt die Entscheidung, das schöne Wetter zu nutzen, und den Rest des langen Weges bis ins sächsischthüringische Grenzgebiet auf einen Ritt abzuspulen. Ziemlich erschöpft, ein wenig verfroren, aber wohlbehalten und mit vielen neuen Eindrücken beladen endete damit unsere diesjährige Trike-Saison. Auch die Saison am Gardasee ist für dieses Jahr zu Ende. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein paar wunderbare Tage, die den bevorstehenden langen Winter ein klein wenig erträglicher macht.