Abenteuerland 2012 - Frankreich - Spanien - Mallorca 

Abenteuerland (Juli 2012) - Teil 1: Die Bretagne


Text: Peter Jänich
Fotos: Peter Jänich
veröffentlicht in der Zeitschrift TrikerSzene - Heft I/2013 und Heft II/2013

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Der Strand von Saint Malo Da sitze ich nun über einem dicken Fotobuch und denke mit leicht verklärtem Blick zurück an drei Wochen, vollgepackt mit Erlebnissen der besonderen Art. Drei anstrengende, dafür aber auch unvergessliche Wochen, teils alleine, teils in trauter Zweisamkeit mit meinem Zuckerhuhn und teils in Begleitung guter alter Freunde. Ein Ausflug in's Abenteuerland, wie man ihn nicht jeden Tag erlebt. Für mich war es die Erfüllung eines lang gehegten Traumes, einmal drauf los zu fahren und die Welt zu entdecken, wie ich es mag: Im Sattel meines Trikes und ohne festes Ziel. Einfach anhalten, wo's schön ist und die Freiheit, den Augenblick genießen - Urlaub im Abenteuerland.
Gebackene Schweinefüße Es gab nur ein paar Rahmenbedingungen: Das maximale Zeitfenster von 3 Wochen, die Bretagne als primäres Reiseziel, den Termin an der Fähre nach Palma de Mallorca und den Flugplan vom Zuckerhuhn. Alles andere war frei gestaltbar. Schon bei der Vorbereitung habe ich aber sehr schnell feststellen müssen, dass die Freiheit dann doch ihre Grenzen hat. Wenn man eine vorgegebene Strecke in begrenzter Zeit schaffen muss, sollte man sich wenigstens die groben Etappenziele vorher überlegen. Ansonsten hätte ich der Fähre vermutlich nur noch hinterher winken können.
Als Startpunkt war sehr schnell das historische Städtchen Saint Malo am Eingang zur bretonischen Atlantikküste ausgemacht. Schon als Kind hab ich aufgeregt die Abenteuer der Piraten in der Festung von Saint Malo verfolgt und das wollte ich mir dann eben mal in natura anschauen. Nun liegt zwischen Sachsen und dem Atlantik doch ein ganzes Stückchen Land und so musste ich die ersten beiden Tage wohl oder übel als Autobahnstrecke planen. Bis Paris entspricht das in etwa der üblichen Strecke in die Normandie, die ich schon mehrfach absolviert habe. So kam ich dabei in den Genuss, den ersten Zwischenstopp im altbekannten  Hotel "Roter Reiter" in Saint-Menehould  einlegen zu können. Die Stadt an sich ist relativ unbekannt, aber im Kreise meiner Tourkollegen früherer Ausflüge auf Grund einer hiesigen Spezialität bestens bekannt. Man rühmt sich hier einer ganz besonderen Delikatesse - "Pieds de cochon à la Sainte-Menehould" - was letztendlich aber nichts anderes als panierte Schweinefüße sind.
Die müssen komplett mit Haut und Knochen vorher ein paar Tage in Weißweinsoße eingelegt und dann bis zu 24 Stunden gekocht werden. Und damit sie dabei nicht völlig zerfallen, werden sie vor dem Kochen mit Holzbrettchen oder Binden verschnürt. Am Ende wird das Ganze paniert und gebraten. Also, ich war nunmehr zum dritten Mal im "Cheval Rouge" und hab es mir auch diesmal wieder verkniffen, davon zu kosten.
Nach zwei Tagen und rund 1400 km Anfahrt empfing man mich in Saint Malo im unscheinbaren  Hotel L'Hermine  am Hafen. Es gibt auch eine Garage, aber die war leider schon belegt. So musste ich das Trike auf einem öffentlichen Parkplatz vor dem Hotel abstellen. Im Nachhinein aber, wie von der Rezeption vorhergesagt, kein Problem. Die Lage war ansonsten recht günstig getroffen und die historische Altstadt auf einer vorgelagerten Halbinsel nicht allzu weit entfernt. Deshalb habe ich mir noch am selben Tag einen Fußmarsch dorthin zugemutet. Wer mich kennt, der weiß, wie sehr ich Spaziergänge mag, aber ich wollte ja schließlich was erleben. Gelandet bin ich dann als erstes in einer winzigen Privatbrauerei mitten in der Altstadt, die ein sehr gutes Bier quasi direkt aus dem Kupferkessel zapft. In der Altstadt muss man sich einfach nur die vielen Touristen weg denken (ups, ich war ja auch einer). Dann kann man sich gut vorstellen, dass plötzlich Jonny Depp alias Captain Jack Sparrow um die Ecke geflitzt kommt. Wegen der vielen Leute und einer Unzahl von Fahrzeugen vor der Altstadt waren Fotomotive eher schwer auszumachen. Aus diesem Grund bin ich nach meiner Abreise vom Hotel am nächsten Morgen nochmal sehr zeitig mit dem Trike vorgefahren und konnte eine Reihe schöner Schnappschüsse erhaschen. So ist das eben mit dem frühen Vogel.
Das Trike von Jack Sparrow Feste Strecken hatte ich im Vorfeld der Reise nicht geplant. Lediglich die ungefähren Endpunkte der einzelnen Tagesetappen und ein paar interessante Zwischenziele, die ich mir unbedingt anschauen wollte, waren im Navi hinterlegt. Sehr schnell habe ich eine Methode gefunden, daraus während der Fahrt eine sinnvolle Streckenführung zu gestalten. Dazu habe ich einfach die Streckenvermeidung für Autobahnen UND für Mautstraßen aktiviert. Beim französischen Fernstraßennetz führt das dazu, dass auch der Großteil der grün ausgeschilderten Fernverkehrsstraßen ausgeblendet wird, die eigentlich gar keine Autobahnen sind. Übrig bleiben kleine Landstraßen fernab vom großen Verkehr, die es zu erfahren lohnt. Wenn die Zeit knapp wurde, hab ich dann gelegentlich Autobahnen wieder zugelassen, wobei die richtigen, blau markierten Autobahnen wegen der weiterhin geltenden Sperre für Mautstraßen trotzdem außen vor geblieben sind. Die vom Navi vorgegebene Streckenführung konnte man dann problemlos variieren, indem man einfach immer wieder in Richtung Küste abgebogen ist. Gelegentlich kam es natürlich auch mal vor, dass eine als befahrbar ausgewiesene Straße plötzlich als Waldweg endete. Was soll's, auch das gehört zu Freiheit und Abenteuer dazu.
Die Küste der Bretagne ist ziemlich zerklüftet. Daher überspannen eine Vielzahl von Brücken wunderschöne Buchten und selbst von den Schnellstraßen aus eröffnen sich regelmäßig phantastische Ausblicke in die typisch bretonische Landschaft. Der Küstenstreifen ist hauptsächlich mit kleinen, überschaubaren Dörfern besiedelt. Ganz typisch finden sich überall die aus Naturstein gebauten Häuser mit den großen, mehrzügigen Kaminessen an der Giebelfront. Die Landschaft ist herb und die Küste besteht fast ausnahmslos aus steinigem Strand mit den farblich oft als rosa bezeichneten Granitbrocken. Mein Farbempfinden ist da zwar etwas anders ausgeprägt, aber gut, von mir aus eben rosa. Sandstrände sind eher selten zu finden.
typisch bretonische Küste Etwas weiter im Hinterland führt mich mein Weg an kleinen Siedlungen vorbei. In den Vorgärten liegen zum Teil 6..8 Meter große rundgelutschte Findlinge aus eben diesem rosa Granit, die aussehen, als hätte sie Obelix beim Römerklopfen wahllos in der Gegend verteilt. Die Blöcke werden von den Bretonen zum Teil sehr effektvoll in die Gartengestaltung integriert, was mitunter recht putzig aussieht.
Was mir besonders auffällt, sind die völlig überdimensionierten Kirchen. Die Bewohner scheinen hier eine Art Wettbewerb auszutragen, so nach dem Motto: Wer baut die größte und schönste Kirche im Land. Irgendwie scheint es eine Proportion zu geben, die da lautet: Je kleiner das Dorf, umso größer die Kirche! Auch so manches Kuriosum findet sich darunter. So habe ich mit Staunen eine relativ kleine Dorfkirche entdeckt, deren Wände in allen vier Himmelsrichtungen unterschiedlich schief ausgerichtet waren. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat man wohl versucht, das krumme Gebäude mit einem schief aufgesetzten Turm optisch wieder gerade zu richten. Das ist dann aber völlig in die Hose gegangen und der schiefe Turm von Pisa ist dagegen ein architektonisch perfekt ausgerichtetes Meisterwerk. Einige der Dorfbewohner haben mir beim Fotografieren schmunzelnd zugesehen und ich vermute, dass da ein ganzer Teil Absicht dahinter stecken muss.
Meine Tagesetappen habe ich auf etwa 250 km pro Tag begrenzt. Im Internet, zu dem hier fast alle Hotels einen kostenfreien Zugang anbieten, recherchiere ich am Abend vorher jeweils ein Hotel in der Nähe meines nächsten Zielortes. Mit einer einzigen Ausnahme habe ich, obwohl ohne Voranmeldung, auch immer sofort ein Zimmer bekommen. Spätestens beim 2. Versuch hat's dann auf jeden Fall geklappt. Verlassen kann man sich in Frankreich auf die Bewertung der Logis de France Hotelkette, die ihre eigenen Hotels analog zur Sternewertung mit symbolischen "Kaminen" bewerten. Solche Hotels finden sich fast überall in Frankreich und die Bewertung passt eigentlich ziemlich zuverlässig. Zwei Kamine sind auf jeden Fall ein ausreichender Standard.
schiefer geht's nicht ... Generell sollte man in Frankreich einige Abstriche machen, was die durchschnittliche Qualität von Hotelzimmern anbelangt. Das Preisniveau ist zwar einheitlich hoch, doch die zugehörige Qualität liegt ein bis zwei Sterne niedriger, als man das in Deutschland gewohnt ist. Mich hat das auf meinen zahlreichen Frankreichtouren eigentlich nie sonderlich gestört, solange ich eine Waschgelegenheit, ein eigenes WC und natürlich ein Bett vorgefunden habe. Zwischenstation habe ich in den nächsten Tagen in vier Hotels eingelegt (siehe unten). Alle nur mit jeweils einem Logis de France - Kamin ausgestattet, aber trotzdem von ausreichender Qualität.
Je weiter mich meine Reise in den Süden führt, umso mehr verliert sich der bretonische Charakter der Landschaft. Die Strände werden sandiger und am südlichsten Zipfel meines Atlantikausfluges scheint der Strand gänzlich aus Scheuermittel zu bestehen, so fein ist die Körnung. Ein Paradies für Eieruhrfabrikanten. Auch die Vegetation wird tropischer und so mancher Mittelstreifen könnte auch als Ausschnitt aus einem Botanischen Garten durchgehen. Sehenswert sind auch die zahllosen Kreisverkehrsinseln, die mit viel Liebe und Ausdauer gestaltet und in Schuss gehalten werden. Irgendwann mache ich vielleicht mal eine Fototour auf der Suche nach dem schönsten Kreisverkehr.
Ein Dorf in den Pyrenäen Unterhalb von Bordeaux, etwa auf der Höhe von Bayonne, endet mein Abstecher an die französische Atlantikküste und ich wechsele die Fahrtrichtung nach Osten hin. Am Fuße der Pyrenäen entlang muss ich Frankreich morgen an einem Tag komplett durchqueren, was im Hinblick auf die Länge der Strecke kein allzu großes Problem darstellen sollte.
Damit es nicht langweilig wird, bin ich, den Empfehlungen eines elsässischen Freundes folgend, gelegentlich in die Berge abgebogen. Die Pyrenäen sind zwar nicht mit den Alpen zu vergleichen, was die Höhe der Pässe angeht, aber wunderschöne Strecken gibt's dort allemal. Die Straßen sind schmal, relativ gut ausgebaut und schlängeln sich zum großen Teil durch grüne Berglandschaften. Hin und wieder findet sich auch mal ein Loch im Berg oder auch ein schöner "Schluchtenhighway". Das ist Strecke ganz nach meinem Geschmack und ich genieße den vorerst letzten Tag in Frankreich.
Hier oben in den Bergen beschleicht mich dann auch schon mal das Gefühl, was ist, wenn das Trike jetzt anfängt zu spinnen. Da rutscht mir dann schon mal ein Lob über die Lippen: "Hast's fein gemacht, mach weiter so !" Bloß gut, dass keiner in der Nähe ist ? Wie dem auch sei, unterm Strich scheint das ja geholfen zu haben. Es ist auf der gesamten Tour kein nennenswertes technisches Problem aufgetreten.
Darüber hinaus entwickelt sich auf solchen Touren bei mir gelegentlich eine Art Phobie, was den aktuellen Spritvorrat angeht. Ich hab den Tank noch nie komplett leer gefahren und versuche grundsätzlich, spätestens ab 250km die nächste Tankstelle anzufahren. Es gab unterwegs durchaus Situationen, vor allem in den Bergen, wo sich diese Angst durchaus positiv bewährt hat. Jedenfalls bin ich bisher nirgendwo aus Spritmangel liegen geblieben.
Mein Nachtlager habe ich ein paar Kilometer vor Perpignan aufgeschlagen. Ein kleines Dorf namens St. Paul de Fenouillet, in dem ich auf dem Rückweg noch einmal nächtigen werde. Hier will ich mich in ein paar Tagen mit meinen Freunden aus der Riege der "Alten Herren" treffen.
Vorerst geht die Reise jedoch weiter in Richtung Barcelona. Ich habe für die rund 250km einen ganzen Tag Zeit. Trotzdem ist es meine erste Fahrt mit einer richtig großen Fähre und ein bisschen Bammel vor den ungewohnten Formalitäten hab ich schon. Ich will zumindest pünktlich sein. Daher entschließe ich mich, die erste Hälfte der Strecke über Schnellstraßen zu fahren und erst im zweiten Streckenabschnitt an die Costa Brava, die spanische Mittelmeerküste zu wechseln. Im Nachhinein war das keine schlechte Entscheidung. Die Küstenorte reihen sich fast nahtlos aneinander, aber unterscheiden sich kaum. Und irgendwann wird es dann unangenehm, wenn's bei brütender Hitze nicht so recht vorwärts geht.
Barcelona Hafen Ein angenehmes Erlebnis war dann doch noch zu verzeichnen. Bei einem Ampelstopp auf einer Strandpromenade in Palamós fällt mir ein Trike in's Auge. Ich hupe und winke und plötzlich ist da noch eins und noch eins und am Ende waren es über 20 Gefährte. Natürlich hab ich angehalten und es stellte sich heraus, dass das alles Teilnehmer des hiesigen, alljährlich stattfindenden internationalen Triketreffens waren. Die hatten sich dort gerade für die Ausfahrt gesammelt. Mein Edeltrikes-Aufkleber fällt sofort auf und el Cheffe fragt ganz überrascht, ob die Edeltriker nun dieses Jahr doch noch teilnehmen würden. Ich muss das verneinen und kläre die Sache mit Hilfe zweier sprachlich sehr begabter Holländer schnell auf. Schöne Grüße soll ich ausrichten, an alle, die schon mal dort gewesen sind. Viel Spaß noch, aber leider, liebe Freunde, ich muss weiter.
Barcelona ist dann recht schnell erreicht und auch der Weg zum Fährhafen ist dank Navi schnell gefunden. Es ist heiß und über der Stadt scheint eine glühende Wolke zu liegen. Irgendwo in diesem Gebiet muss das Verwaltungsgebäude der Transmediterranea liegen. Das ist die Gesellschaft, bei denen ich über's Internet mein Fährticket bestellt habe, das ich nun abholen muss. Ich parke am Straßenrand und wie ich mich umschaue, geben mir zwei Sicherheitsbeamte den dringenden Rat, hier bloß nix offen liegen zu lassen. Auch das Trike dürfe man auf keinen Fall unbeobachtet irgendwo abstellen, "sonst ? zappzerapp". Wie ich so grübele, kommen innerhalb weniger Minuten in steter Folge Spanier vorbei, die sich alle irgendwie mal mit einem Trike fotografieren lassen wollen. Hätte ich für jedes Foto Geld verlangt, wäre die Fähre wohl nur davon finanziert gewesen.
Al Rambla - die Flaniermeile von Barcelona Ein paar Meter weiter findet sich dann ein gut einsehbares Parkplätzchen mitten auf dem Bürgersteig vor einem Restaurant. Dort kann ich mich erst einmal niederlassen und der durstigen Kehle mit eisgekühltem Wasser Linderung verschaffen. Ein Trucker aus Pforzheim spricht mich an und er hat dankenswerter Weise ein Auge auf mein Trike, während ich mein Fährticket abholen gehe. Ohne es zu ahnen, war ich doch tatsächlich genau vor dem Verwaltungsgebäude der Reederei gelandet. Das Restaurant gehört auch dazu und der Verladeport grenzt unmittelbar an das Gebäude. Punktlandung nennt man das wohl.
Es ist noch jede Menge Zeit bis zur Verladung und mein Truckerfreund gibt mir den Tipp, das Trike auf einem bewachten LKW-Parkplatz ein paar Meter vor dem Verladeport abzustellen. Die Zeit könne man nutzen, Al Rambla - die Flaniermeile von Barcelona - in fußläufiger Entfernung zu besuchen. Das hab ich dann auch gleich getan, nachdem ich das Trike auf dem beschriebenen Parkplatz in die Obhut des ausgesprochen freundlichen Personals übergeben hatte. Um dorthin zu gelangen, musste ich interessanter Weise nochmal über einen Kreisverkehr, wie ich ihn bisher noch nicht befahren hatte. Fünf parralele Fahrspuren und an jeder Ausfahrt eine Ampel. Das war schon ganz schön heftig, zumal die Spanier wie die Bekl? von innen nach außen wechseln, ohne dass dabei etwas passiert.
Morgendunst über Mallorca Al Rambla, das ist ungefähr so wie das Terrassenufer in Dresden. Menschenmassen, Künstler, Schnickschnack Buden, Trödel, fliegende Händler und ein internationales Stimmengewirr. Großstadtgewimmel eben, aber durchaus sehenswert. Gleich am Anfang findet sich auch ein weithin bekanntes Wachsfigurenkabinett, für das eine Reihe von Pantomimen auf der Straße Werbung machen. Wer genügend Zeit hat, sollte sich das unbedingt einmal anschauen.
So gegen 22.00 Uhr beginnt dann endlich die Verladung. Die Fähre hat eine beachtliche Größe. Motorräder und Trikes werden auf das LKW-Deck eingewiesen. Die Besatzung verschnürt die Maschinen untereinander und verspannt das ganze Paket fest auf dem Boden der Fähre. Man kann dabei zuschauen und auch Tipps geben, wo am besten die Gurte angebracht werden sollten. Später, beim Entladen, ist man dann auf sich allein gestellt und man tut gut daran, dem Fährpersonal bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen.
Auf einem der oberen Decks befinden sich die Räume mit den Schlafsesseln, von denen ich einen für mich reserviert hatte. Irgendwie kann ich an den Sitzen keine Nummern finden und frage einen der Stewarts, wie denn das Nummerierungssystem hier funktioniere: "There is no System, sit down, where ever you want!" war seine lapidare Antwort. Erste Erkenntnis: Einen Sitz zu reservieren ist völlig unnötig, zumal im Sitzen schlafen auch nicht unbedingt die bequemste Art ist, die Nacht zu verbringen. Irgendwann habe ich begriffen, dass man sich am besten auf den Sitzbänken des Bordrestaurants ein Schlafplätzchen sichert. Und wenn man einmal eins hat - bloß nicht mehr weggehen. Zweite Erkenntnis: Unbedingt ein Kissen mitnehmen, auf das man sein müdes Haupt betten kann. Für die Rückfahrt hab ich mir später ein aufblasbares Strandkissen besorgt, weil es sich auf meiner Kameratasche ausgesprochen ungemütlich und hart liegt. Dritte Erkenntnis: Das Restaurant hat nur begrenzte Zeit geöffnet, also - etwas essen, solange es etwas zu essen gibt. Das wiederum kollidiert natürlich unmittelbar mit der Sicherung eines einmal besetzten Schlafplatzes ! Wie auch immer, irgendwann war auch diese Nacht zu Ende. Im Morgengrauen kommen wir in Palma an und es gelingt mir, noch vor den LKW's von der Fähre runter zu kommen. Die grobe Richtung zur Finca ist schnell gefunden. Ich genieße die kühle Luft und den ersten Sonnenaufgang auf der Insel. Der Morgennebel wabert noch über den Feldern: "Guten Morgen, Mallorca, ich bin angekommen !".

Abenteuerland - Teil 2: Mallorca

die Flugzeuge schweben im 2-Minuten-Takt ein Angekommen auf der Insel soll jetzt der Zweite Teil unseres Abenteuerurlaubs beginnen. Mein Zuckerhuhn, das der langen Anreise körperlich leider nicht mehr gewachsen ist, hat kurzerhand beschlossen, die Insel mit dem Flugzeug anzusteuern und hier mit mir zusammen eine Woche (Trike-) Urlaub zu genießen. Unsere Finca ist leider erst am Nachmittag beziehbar. Ich nutze die Zeit und fahre erst einmal zum nächst besten Strand. Dabei entdecke ich so ganz nebenbei eine traumhafte Steilküste, die wir später noch einmal gemeinsam besuchen werden. Mallorca von seiner schönsten Seite. Wie armselig dran sind da doch die Ballermann-Touristen, die in bedauernswerter Weise immer noch einen nicht unerheblichen Teil der Inselbesucher ausmachen. Und davon gibt es mehr als genug. Rund um den Flughafen in Palma kann man ganztägig beobachten, wie die Flieger im 2(!)-Minuten-Takt einschweben und aus aller Herren Länder Touristen herbei schaffen.
Cap Fermentor Apropos Flieger, Zuckerhuhn kommt bald an. Nachdem mein eigenes Gepäck im zweiten Anlauf in der Finca abgeladen ist, kann ich sie vom Flughafen abholen. Ich vermute, sie war seit jeher der einzige Passagier, der mit einem Trike abgeholt worden ist.
Unsere Finca liegt ziemlich genau im geografischen Zentrum der Insel. Mitten auf dem Land und nicht leicht zu finden. Es gibt ein paar wenige Nachbarn, die wir aber in der ganzen Woche nicht einmal zu Gesicht bekommen. Zuckerhuhn ernährt sich in der kommenden Woche zu großen Teilen von dem Feigenbaum vor unserer Haustür. Hinter dem Haus wächst ein riesiger Feigenkaktus und liefert ebenfalls stachelige Granaten in Hülle und Fülle. Schade, dass der Khakibaum noch nicht soweit war, die Früchte wären sicher auch lecker gewesen. Die Hecken zwischen den Grundstücken und entlang unserer Auffahrt werden von mannshohen Oleanderbüschen in voller Blütenpracht gesäumt. Ein traumhafter Anblick und man könnte meinen, man campiert im Palmenhaus des Botanischen Gartens. Das Einzige was überall fehlt, ist Wasser. Auf der Insel ist Wasser ein knappes Gut und Rasen sprengen wie bei uns zu Hause ist nicht möglich. Im Sommer verbrennt daher das gesamte erdnahe Grün, was wir als schade empfinden. Aber es verleiht der Insel auch das typische mediterrane Antlitz. Trotz alledem, zur Finca gehört auch ein Pool. Nichts Besonderes, zum Abkühlen nach unseren täglichen Trikeausflügen ist er aber völlig ausreichend. Zuckerhuhn hat die Insel schon öfter besucht und so planen wir am ersten Abend gemeinsam unsere Inseltouren für die kommenden Tage.
Unsere erste Tour führt uns in den Norden. Ziel ist das Cap Fermentor, der nördlichste Punkt Mallorcas. Wir machen uns sehr zeitig auf den Weg, auch wenn es morgens noch ein wenig frisch um die Nase ist. Wir wollen die Serpentinen, die hinauf zum Cap führen, noch vor dem alltäglichen Touristenstrom erreichen. Die Tour führt zunächst immer in Richtung Küste und dann entlang der Küstenstrassen über Alcudia bis hinauf zum Port de Pollenca. Danach beginnt die Serpentinenstraße, die bis zum Leuchtturm am Cap führt. Am Ziel angekommen, ist der Parkplatz vor dem Leuchtturm noch fast leer. Es gelingt mir sogar, ein wunderschönes Foto mit alleinstehendem Trike zu schießen, was schon wenige Augenblicke später nicht mehr möglich gewesen wäre. Die Aussichten vom Leuchtturm und von den Aussichtspunkten entlang der Serpentine hinunter in die Buchten mit dem kristallklaren, türkisfarbenen Wasser sind einfach unfassbar schön.
Auf dem Rückweg begegnen uns bereits unzählige Mietwagen voll mit neugierigen Besuchern. Selbst Busladungen voller Touristen bahnen sich ihren Weg über die engen Serpentinen. Eine Begegnung zweier Busse an der richtigen Stelle dürfte ziemlich spannend ausfallen. Ebenso schleierhaft ist mir der Umstand, dass bei gefülltem Parkplatz keinerlei Wendemöglichkeit für Busse mehr gegeben ist. Selbst PKW's tun sich schwer, auf den schmalen Straßen zu wenden. Wie dem auch sei, man tut gut daran, dieses Ziel sehr zeitig in Angriff zu nehmen, wenn man es wirklich genießen will.
typisch mallorquinische Windmühle Restaurant Del Mar in Port Verd Verkehrstechnisch ist die gesamte Insel gut erschlossen. Wenn man will, kommt man innerhalb kürzester Zeit von einem Ende zum anderen. Viel empfehlenswerter ist es aber auch hier, die Schnellstraßen zu meiden und lieber über die von endlosen Steinmauern und krakeligen Olivenbäumen gesäumten Landstraßen zu benutzen. Man ist zwar etwas länger unterwegs, aber der Erlebniswert ist um ein wesentliches höher. Vor allen Dingen "begreift" man die Insel dabei viel intensiver.
Am nächsten Tag war der Südosten der Insel dran. Über Manacor ging's in Richtung Arta. Dort angekommen stellen wir fest, es ist Markttag. Nicht all zu groß, aber gut bevölkert gewinnen wir einen ersten Eindruck, was einen mallorquinischen Wochenmarkt ausmacht. Wir werden das im Auge behalten. Weiter geht die Fahrt bis an die Küste. Unbedingt anzuraten ist ein Zwischenstopp in Port Verd auf der Meeresterrasse im  Restaurant Del Mar . Dort, so steht es geschrieben, "... vereinigen sich Strand, Meer und Sonne zu einem der schönsten naturbelassenen Plätze der Insel Mallorca." Dem ist absolut nichts hinzuzufügen.
Die folgenden kleinen Küstenstädtchen sind nach unserem Empfinden eher einen Schuss zu modern und auf zu sehr auf Massentourismus ausgelegt. Das typische Inselflair geht hier im Gewimmel der Menschen etwas verloren. Die Ortschaften sind eigentlich austauschbar und nach einem kurzen Zwischenstopp in Porto Christo ziehen wir eine Route weiter im Landesinneren vor. Südlichster Punkt unserer heutigen Tour ist Porto Colom. Ab da geht's auf kurzem Weg nach Hause in den Pool der Finca.
Neuer Tag, neue Tour. Heute ist der Westen dran. Schon auf der Fähre hatte mir ein ausgewanderter Engländer prophezeit, die Westküste wäre der mit Abstand schönste Teil der Insel. Die Route führt über Palma und das Navi hat die kürzeste Strecke ausgewählt - mitten durch die Innenstadt. Einmal drin beschließen wir der vorgegebenen Route zu folgen. Dummerweise verpasse ich eine Abbiege und nach zwei Runden im Kreis muss ich mir selber einen neuen Routenanfang suchen. Das Navi klinkt sich wieder ein und führt uns zielsicher aus der Stadt. Aber ach! Das ist doch nicht der geplante Streckenverlauf ? Wir wollten doch eigentlich in Richtung Küste ? Schon nach wenigen Minuten sind wir raus aus der Stadt und ... mitten in den Bergen. Die enge Straße schlängelt sich quer durch das Gelände und außer ein paar joggenden Soldaten begegnet uns auf den nächsten 20 Kilometern keines Menschen Seele. So haben wir die Serpentinen ganz für uns alleine und genießen die Strecke bis zur nächsten Siedlung in vollen Zügen. Der nächste Küstenkontakt findet in Port D` Andratx statt. Der Blick auf den Hafen mit seinen üppig ausgestatteten Privatjachten verrät ganz schnell, wer hier üblicher Weise verkehrt. Es ist das Domizil der Reichen und Schönen, mit denen wir beide nicht so viel am Hut haben. Eine kurze Ehrenrunde über die Flaniermeile am Hafen und dann nichts wie weg hier. Zu allem Überfluss geraten wir auf dem Weg aus der Stadt in einen unfallbedingten Stau. In der Mittagshitze ist das nicht sonderlich prickelnd.
Steilküste Im weiteren Verlauf wird dann ganz schnell klar, warum mein "english man" von der Fähre so überzeugt war von Mallorcas Westen. Die Küstenlinie ist mehr als beeindruckend und von Zeit zu Zeit zwingen einen die eingerichteten Fotopunkte förmlich, das Ganze auf digitalen Film zu bannen. An einem dieser Punkte, unmittelbar an der Küstenstraße, etwa einen guten Kilometer vor Estellencs, hat man ein kleines Ausflugslokal errichtet. Dessen Terrasse gestattet den ungetrübten Blick von oben, die Steilküste hinunter, auf ein tiefblaues Mittelmeer. Dazu einen kühlen Eiskaffee - Trikerherz, was willst Du mehr.
Wir sind die Borg ... Zielpunkt unserer heutigen Tour ist das Dorf Banyalbufar. Eigentlich sind wir an den einladenden Fassaden mehrerer Restaurants schon fast vorbei, da fesselt ein metallenes Pferd (oder ist es ein Esel ?) meinen fotografischen Blick. Mir fällt spontan nur der alte Trekkie-Spruch ein: "Wir sind die Borg - Sie werden assimiliert, Widerstand ist zwecklos!". Da wir heute Hochzeitstag haben, suchen wir uns einen Parkplatz und laufen dann doch noch mal in's Dorf zurück. Aus dem Augenwinkel hatte ich ein kleines, aber zumindest von außen vielversprechendes Restaurant gesehen. Das Essen war gut, der Blick über die Dächer von Banyalbufar auf die weißen Segelyachten im türkisfarbenen Wasser ein Genuss, aber ? den beiden Kellnern konnte man mit allem eine Freude machen, nur leider nicht mit hungrigen und durstigen Gästen! So mussten wir unser Hochzeitstagsdinner notgedrungen auf ein Minimum beschränken. Trotzdem, schön war's doch! Der Rückweg führte dann schnurstracks und quer über's Land zurück in die angenehme Kühle des Pools.
In einem Reiseführer hatten wir eine Liste entdeckt, die die festgelegten Markttage in den einzelnen Ortschaften enthielt. Schnell war entschieden, wir schauen uns auf der nächsten Tour den Wochenmarkt in Inca an. Für mallorquinische Verhältnisse ist Inca eine mittelgroße Stadt und jeden Dienstag ist buntes Markttreiben angesagt. Das mit dem bunt ist wörtlich zu verstehen. Der Markt erstreckt sich über den gesamten Innenstadtbereich und die Parksituation ist ziemlich chaotisch. Ein bisschen Laufen sollte man also in Kauf nehmen. Es wird einem durch ganz neue Perspektiven gedankt, was den eigentlichen Sinn eines Wochenmarktes ausmacht. Zwar gibt es auch hier die typischen Händler für Lederwaren aller Art, Klamotten, Souvenirs und andere Dinge, die die Welt nicht braucht. Unbedingt sehenswert sind aber die Stände für Lebensmittel mit ihrer unüber-trefflichen Vielfalt an Obst Gemüse, Fleisch und - was mich am meisten fasziniert - frischem Fisch. Etwas gewöhnungsbedürftig und aus deutscher Sicht "vollkommen inakzeptabel" ist die Darbietung der Lebensmittel. Die angebotene Gemüseernte wird hier eben einfach breit auf dem Boden verteilt, damit sie von allen Seiten gut einsehbar ist. Das Fleisch hängt, für jeden potentiellen Käufer gut zugänglich am Stand. Schließlich muss man als Kunde ja prüfen, was man bekommt für sein Geld. Eigentlich ist das alles völlig unproblematisch, aber deutsche Hygienekontrolleure würden hier wohl ziemlich schnell einen schweren Herzinfarkt erleiden. Wie auch immer, ein Markttag ist auf jeden Fall ein Erlebnis und der unsrige wird sogar noch belohnt mit einer Extraportion Folklore. Eine peruanische 2-Mann-Band in Inka-Verkleidung liefert wunderschöne Ethno-Musik zur Panflöte mit Gänsehaut Garantie. El cóndor pasa - da schmeckt der Caffee americano gleich nochmal so gut. Das war dann aber auch schon das Ende unseres Ausfluges, über Inca zog aus den Bergen eine ziemlich dunkle Regenfront herauf. Die hat uns am Ende zwar verschont, aber wie wir später erfahren sollten, in den Bergen einen ordentlichen Sturm entfacht.
Markttag in Inca Am darauf folgenden Tag versuchen wir unser Glück erneut in Richtung Inca. Heute ist kein Markt und die Stadt liegt schnell hinter uns. Auf dem Weg in das bekannte Kloster von Lluc beobachten wir scharenweise Arbeiter, die herabgerissene Äste, umgestürzte Bäume und allerhand Sturmschäden beseitigen. Zentrum der Verwüstungen ist schließlich das Kloster selbst. Dort hatte ein seltenes Naturphänomen einen lokal begrenzten Tornado entfesselt, der die lose aufgelegten Dachziegel nahezu aller Dächer des Klosters als Spielbälle benutzt hatte. Teile der Laubengänge sind vollständig abgedeckt und im Klosterhof liegen in einer Ecke die zusammengeknüllten Reste der Biergartenbestuhlung. Die umherfliegenden Dachziegel hatten die Fensterscheiben des Klosters reihenweise durchschlagen. Es soll auch Verletzte gegeben haben. Und obwohl der Spuk erst ein paar Stunden her war, SB-Restaurant und Souvenierladen für die zahlreich mit Bussen herangekarrten Touristen waren schon wieder geöffnet. The Show must go on !
Klosteranlage von Lluc Das Kloster sollte man sich trotzdem nicht entgehen lassen und wenn man sich zeitig genug auf den Weg macht, ist der Besucheransturm auch noch erträglich. Zweimal am Tag kann man auch dem Gesang der Chrorknaben lauschen, was uns wegen des Sturms leider nicht vergönnt war.
Die Weiterfahrt führt uns über eine schöne Serpentinenstrecke hoch oben in den Bergen schließlich bis hinunter nach Söller. Unterwegs gelingen noch einige schöne Fotos von steinernen Landschaften, tiefen Schluchten und viel, viel Verkehr. An einem Fotostopp höre ich plötzlich eine Stimme, die sagt: "Or gugge ma, ä Drike aus'n Vochtland !" Die das sagen, stammen aus Zwickau, ein paar Steinwürfe von unserer Heimatstadt entfernt. Der Sachse liebt eben das Reisen sehr. Hat ja schon der "Singende Sachse" Jürgen Hart immer zum Besten gegeben.
In Söller angekommen gelingt es uns, endlich mal eine Fischgaststätte direkt am Strand zu beehren. Der Fisch ist frisch und gut gemacht, wie vielerorts auf der Insel. Schließlich leben ja genügend Einheimische hier direkt vom Fischfang, das hätten wir gerne öfter ausgenutzt. Über Valdemossa fahren wir dann schließlich auf Landstraßen wieder in Richtung unserer Finca.
Es ist bereits Samstag und unsere gemeinsame Urlaubswoche neigt sich ihrem Ende zu. Den Tag wollen wir nutzen, um die Bordkarte für meine Rückfahrt auf der Fähre zu besorgen. Dazu geht's erst einmal auf direktem Weg nach Palma in den Fährhafen. Dort liegen die riesigen Kreuzfahrtdampfer am Pier. Von Nahem hat man den Eindruck eines riesigen schwimmenden Bienenkorbes, bei dem sich hunderte Kabinen wabenförmig aneinander reihen. Im Angesicht eines solchen Ozeanriesen stelle ich mir gerade vor, wie das Teil sich langsam auf die Seite neigt und ... Hat man ja schließlich erst neulich im Fernsehen verfolgen können. Aber in Natura sieht das dann doch ein ganzes Stück monströser aus und ich ahne, wie sich die Passagiere wohl gefühlt haben müssen.
Ballermann-Touristen Gestern Abend haben wir festgestellt, dass wir es bisher noch nicht geschafft hatten, wenigstens einmal in unserer Urlaubswoche an der berühmt berüchtigten "Badeanstalt No. 6", dem Ballermann vorbei zu schauen. Daher haben wir die heutige Tour so gelegt, dass ein Stück des Weges über Platja de Palma bis nach S' Arenal führt. Während unserer Urlaubswoche war uns auf der ganzen Insel kein einziges Trike begegnet. Heute fuhren wir in Richtung Strand und mein Zuckerhuhn sichtet doch tatsächlich gleich eine ganze  Trikevermietung . Nach einem kurzen Plausch mit dem Eigentümer stellt sich heraus, dass man in zwei Geschäftsstellen auf der Insel zwar Trikes mieten kann, aber nur für geführte Touren. Einfach mal eine Woche ausleihen geht zumindest lt. Prospekt nicht. Schade eigentlich. Aber er scheint trotzdem recht gut ausgelastet zu sein und wie er uns versichert, betreibt er das Geschäft schon seit 10 Jahren. Am Balneario Nº 6 ist noch nicht allzu viel los. Es gelingt uns, ein gutes Stück direkt auf der Küstenstraße gleich hinter der Strandpromenade entlang zu fahren. Einen bleibenden Eindruck kann ich definitiv nicht verspüren. Viel mehr, als sich die Kante zu geben, kann man an diesem Strand wohl wirklich nicht tun. Wenn ich da an die wunderschönen Flecken Erde denke, die wir beim Erkunden der Insel quasi nebenbei entdeckt haben, dann wirkt die Gegend um den Ballermann doch ziemlich armselig.
Also nix wie weg hier und schöneren Stränden entgegen.
Strandabschnitt bei Puig de Ros Bereits am Ankunftstag hatte ich aus einiger Entfernung einen bezaubernden Strandabschnitt entdeckt, den man mit dem Trike gut anfahren konnte. In Puig de Ros, gleich neben dem sehr interessant aussehenden Mhares Sea Club des Hotels "Delta Mallorca" gelegen, haben wir dann versucht, bis an den Felsenstrand vorzudringen. Es ist uns nicht gelungen ! Für die letzten 10 Meter wäre alpine Klettererfahrung nötig gewesen, über die wir leider beide nicht verfügen. Also - aufgesessen und weiter gefahren. In Cala Pi haben wir letztendlich noch das wunderschöne "Restaurante Miguel" ausfindig machen können (http://www.restaurante-miguel.com). Am südlichsten Zipfel der Stadt, kurz hinter der Steilküste am Weg zum Badestrand gelegen, konnten wir dort genüsslich und relaxed beobachten, wie der Küchenchef die frisch angelieferten Fische in einer eisgekühlten Auslage zur Auswahl zurecht drapierte. Ein schattiges Plätzchen zum Verweilen eben. Das 3 Gänge Menü war sehr lecker, wenn auch viel zu reichlich. Zufrieden und gesättigt war der Heimweg in die Finca nur noch ein Katzensprung.
Das war dann auch das letzte Erlebnis unserer gemeinsamen Mallorca-Woche. Am nächsten Morgen habe ich mein Zuckerhuhn pünktlich am Flughafen Palma abgeliefert und mich dann im Laufe des Vormittages selbst in Richtung Fähre aufgemacht. Ade, du schöne Finca, wir haben den Aufenthalt sehr genossen. Ankunft der Fähre in Barcelona war planmäßig gegen 20.00 Uhr. Da ich nicht sicher wusste, ob zu dieser Zeit noch ein Hotel am Stadtrand zu bekommen sein würde, hab ich es vorgezogen, die Überfahrt fast durchgehend im Halbschlaf zu verbringen. Dank des auf der Insel erworbenen Luftkissens war das nicht einmal so ungemütlich. Allen Unkenrufen zum Trotz ward dann doch noch ein Zimmer für die Nacht gefunden. Lediglich an den Happen Essen, den ich mir in einer kleinen Kneipe um die Ecke noch gegönnt hatte, sollte ich mich die nächsten zwei, drei Tage noch öfter erinnern.

Abenteuerland - Teil 3: Bei den Katharern

Gorges de Galamus - zu eng für Verkehrsschilder Wegen der langfristigen Terminplanung gab es leider eine Überschneidung meiner Reise mit der diesjährigen "Alte Herren" Tour meiner langjährigen Motorrad-Freunde. Die hatten sich ein paar Tage vorher in alt bekannter Manier am Bodensee getroffen und waren in mehreren Etappen in Richtung Pyrenäen unterwegs. Es war ausgemacht, dass wir uns im  Hotel Le Chatelet  in Saint-Paul-de-Fenouillet treffen wollten. Schon auf der Hinreise wollte ich dort Zwischenstation machen, was mir wegen Überfüllung des Hotels aber nicht gelungen war. Auch auf der Rückreise musste ich Madame erst überzeugen, dass ich tatsächlich zur betreffenden Reisegruppe gehöre, bevor sie mir ein Zimmer zugestand. Ich war nämlich als erster vor Ort. Mein Freund Michael hatte mir im Vorfeld empfohlen, die Zeit gegebenenfalls für einen Ausflug in die nahe gelegenen Schluchten  "Gorges de Galamus"  zu nutzen.
Grotte von Le Mas d'Azil Es ist Sonntag heute, die örtlichen Tankstellen sind nur mit Kredit- oder Scheckkarte zu benutzen (meine Karten akzeptieren diese blöden Automaten in der Regel nicht, warum auch immer), deshalb will ich es fix noch im nächsten Ort probieren. Mein Garmin weist nur wenige Kilometer Entfernung aus, also fahre ich los. Das Navi berechnet die Entfernungsangabe zur nächsten Tankstelle immer als Luftlinie. Am Ende wurden es dann doch knapp 30 Kilometer bis dort hin und das Ziel war als solches fast nicht zu erkennen. Das für Tankstellen übliche Zubehör fügte sich harmonisch in den allgemeinen Zerfallsprozess der näheren Umgebung ein. Monsieur bediente die altertümliche Zapfsäule (mit Röhrenanzeige) noch selbst, aber nur, wenn er vorher freundlich dazu aufgefordert wurde. Woher soll man denn auch wissen, dass einer Sprit haben will, nur weil er vor 'ner Zapfsäule parkt ?! Am Ende war ich trotzdem froh darüber, bis zur nächsten Tanke hätte ich es nicht mehr geschafft. Die Strecke selbst hat mich dagegen für alles entschädigt, durfte ich sie doch sogar in beiden Richtungen befahren. Die Gorges de Galamus gehören nach meinem Empfinden zu den die beeindruckendsten Trike- und Motorradstrecken in ganz Frankreich und ich hab' einige davon unter den Rädern gehabt. Mit unseren "breide Rädle" erlebt man das vermutlich auch noch ein ganzes Stück aufregender. Für ein Motorrad ist überall noch Platz. Wenn einem aber auf 2,40m breiter Strecke ein Wohnmobil entgegen kommt, dann wird's wahrhaftig eng! Die Ausweichstellen liegen - den Erbauern sei Dank - nicht allzu weit voneinander entfernt, so dass man meistens schon auf Sichtweite reagieren kann. Aber die Fahrt hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht nur wegen der Enge, nein auch die grandiosen Ausblicke sind ein Erlebnis der besonderen Art. Wer sich selbst überzeugen will, die Schlucht liegt zwischen Cubières-sur-Cinoble und Saint-Paul-de-Fenouillet und ist nicht zu verfehlen. Im Hotel angekommen trudelten dann auch bald meine Gefährten ein, mit denen ich die kommenden Tage unterwegs sein wollte.
Der nächste Tag führte uns auf vielfach gewundenen Pfaden durch die Pyrenäen, über Pässe bis hinauf in knapp 2000m Höhe und vorbei an den zerfallenden Ruinen im Lande der Katharer. Sehr angenehme Strecken, gemütlich zu fahren bei erträglichem Verkehr. Kurz vor unserem heutigen Tourhotel verliert sich die Straße urplötzlich in einem dunklen Schlund am Fuße einer für die Landschaft typischen Erhebungen. Wie sich herausstellt, handelt es sich um die  Grotte von Le Mas d'Azil . Es ist nicht einfach nur ein Tunnel durch den Berg, sondern eine riesige Höhle, durch die sich Straße und Fußweg wie eine Schlange winden. Am Ende der Dunkelheit ist es nicht mehr weit bis zu unserem Hotel. Das einzige Haus am Platze, direkt am Marktplatz gelegen und schon seeehr alt. Im ganzen Haus gibt es wohl keine Kante, die wirklich lotrecht verläuft. Die Fußböden weisen Höhenunterschiede aus, die einen eher an ein Panoptikum erinnern. Mein Nachbar bekommt ein Zimmer, das keine zwei Gäste gleichzeitig beherbergen kann. Mir dagegen wird eine Suite mit 4! separaten Räumen offeriert. Natürlich alles zum gleichen Preis. Frankreich eben. Das Restaurant entschädigt uns am Abend mit Köstlichkeiten aus der Region und da haben die Franzosen bekannter Maßen so einiges zu bieten.
Viaduc de Millau Gorges de la Jonte Am nächsten Morgen beginnt dann auch schon wieder die Heimreise. Wir brechen auf in Richtung Cevennen. Die Zwischenstation im traditionsreichen  Hotel Le Ralais de Fusiès  in Lacaune offenbart uns ein 300 Jahre altes, ehrwürdiges Ambiente. Immerhin kann das als Logis de France gekennzeichnete Hotel mit 3 Kaminen aufwarten. Was uns alle erstaunt ist die Tatsache, wie viele Motorräder - einschließlich eines Trikes - man gleichzeitig in einer winzigen Garage unterbringen kann. Das Menü ist gut und wir verbringen den Abend damit, ein paar Köstlichkeiten an der Bar auszuprobieren. Alles in allem ginge das Hotel auch als englischer Gentlemen-Club durch.
Unsere vorletzte Frankreich-Etappe soll am nächsten Tag in Sanilhac, im  Hotel La Tour de Brison , einem der schönsten Hotels, in denen ich in Frankreich nächtigen durfte. Auf dem Weg dorthin passieren wir den weltbekannten Käse-Ort Roquefort und fahren unter dem  Viaduc de Millau  hindurch. Die Brücke liegt als Teil der A75 zwischen Clermont-Ferrand und Montpellier. Sie überspannt mit einer beachtlichen Länge von 2460 Metern das weitläufige Tal des Flüsschens Tarn. Damit ist sie die längste Schrägseilbrücke der Welt und kann mit einer maximalen Pfeilerhöhe von 343 Metern aufwarten. Zum Vergleich: der Berliner Fernsehturm ist mit 368 Metern nur ein kleines Stückchen höher. Aus respektvoller Entfernung sieht das Bauwerk wahrhaft gigantisch aus.
Auf den folgenden Kilometern müssen wir uns zwischen zwei Schluchten entscheiden. Die  Gorges du Tarn  haben die meisten von uns bei früheren Touren schon bereist und so entscheiden wir uns diesmal für die parallel verlaufende  Gorges de la Jonte . Keine schlechte Entscheidung, wie sich schnell herausstellen sollte. Die Schlucht, obgleich bei weitem nicht so spektakulär wie die Gorges de Galamus, bietet eine Unzahl wunderschöner Fotomotive. Auf halber Strecke sollte man den Blick immer mal wieder nach oben richten. Wenn man Glück hat, bekommt man etwa 20 frei fliegende ausgewilderte Gänsegeier zu Gesicht, die dort hoch droben ihre Kreise ziehen. Auf den ersten Blick könnte man sie auch gut für Weißkopfadler halten, dass Flugbild ist recht ähnlich. Soweit wir mitbekommen haben, werden die Vögel in der Schlucht gefüttert und so vor Ort gehalten.
Hotel La Tour de Brison in Sanilhac Die Zwischenstation in Sanilhac verspricht, wie immer, für den Abend ein erstklassisches Menü. Vor allem aber eine noch viel leckere und meist sehr üppig ausfallende Nachspeise, wie die meisten Teilnehmer von früheren Expeditionen wissen. Mitfahrer Kurt schwärmt, wie jedes Mal, von einem Coupe colonel. - Zitronensorbet mit Wodka - einfach köstlich, wie ich selbst nachvollziehen konnte.
Es stellt sich heraus, dass unser aller Freund Coco, der Graupapagei, zwischenzeitlich verstorben ist. Er thronte sonst immer mitten in den Weinlauben über dem gigantischen Ausblick auf das weite Rhonetal. Monsieur hat aber schon einen Nachfolger eingestellt, der Coco zum Verwechseln ähnlich sieht.
Sonnenaufgang über Sanilhac Der nächste Morgen weckt uns mit einem feurig brennenden Sonnenaufgang am Horizont. Wir satteln auf und Monsieur kann es sich nicht verkneifen, nun endlich auch mal auf einem Trike zu sitzen. Während der Rest des kleinen Familienunternehmens die Fotoapparate klicken lässt, machen wir uns auf den Weg. Wir werden uns sicher wiedersehen. Der Weg zu unserem mittlerweile angestammten Basishotel "Bellevue" in Trevignin ist unspektakulär, aber recht angenehm zu fahren. Unterwegs muss die Uralt-Harley von Rudi mit einer neuen Dichtung versehen werden, was sich zeitintensiver gestaltet, als gedacht. Das Hotel Bellevue trägt seinen Namen zu Recht. Auf der weitläufigen Terrasse hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Lac de Bourget und die Chartreuse-Berge. Apropos Chartreuse - Unsere Gastgeberin ist unübersehbar schwanger und gibt zur Feier des freudigen Ereignisses eine Runde von dem dunkelgrünen Gesöff, das hier in der Gegend gebraut wird. Zuckerhuhn hatte seinerzeit mal innigen Kontakt mit der gelben, etwas "kinderfreundlicheren" Variante dieses Kräuterschnapses. Gelegentlich lachen wir heute noch über die Auswirkungen, die das Getränk bei ihr verursacht hat.
Auch die schönste Tour geht irgendwann zu Ende. Am nächsten Morgen beginnt die letzte gemeinsame Etappe, die uns planmäßig bis nach Mersburg am Bodensee führen soll. Regen war angesagt und - ich weiß nicht warum - die komplette Etappe durch die Schweiz werden wir eingeweicht mit literweisem Dauerregen. Meine neue Regenkleidung muss eine erste Bewährungsprobe bestehen. Ich sehe darin zwar aus, wie das Michelin-Männchen persönlich, aber diesmal konnte mir der Regen überhaupt nichts anhaben. Und wahrscheinlich hat er das gemerkt. Er hat sich kurzerhand ein anderes Opfer gesucht und statt meiner die Fernbedienung der Wegfahrsperre des Trikes ersäuft. Kurz und gut, nach dem nächsten Tankstopp ging erst mal gar nichts mehr. Nun hatte ich (welch spätes Glück) vor kurzem schon einmal das gleiche Problem, als die Knopfzellen wegen natürlicher Altersschwäche den Geist aufgegeben hatten. Mit dem Wissen gesegnet, was in solch einem Fall zu tun ist, konnte das störrische Trike gemeinsam mit meinen Kameraden zu einem Neustart überredet werden. Fakt war jedoch, dass das gleiche Manöver auf der Fähre nicht wiederholbar gewesen wäre. Schweren Herzens musste ich mich also von meinen Freunden verabschieden und auf direktem (Land-) Weg allein nach Hause fahren. Wenigstens das Wetter änderte sich schlagartig zum Guten, als die Schweizer Grenze passiert war. Das Trike hab ich bis nach Hause nicht mehr ausgeschalten, zwei weitere Tankstopps inklusive. Insgesamt hatte ich am Ende dieses Tages gute 950 km auf der Uhr und war zufrieden, froh und glücklich, nach drei langen Wochen wieder zu Hause zu sein. Auch meinem Zuckerhuhn, die mir mit Zuspruch und Vertrauen diese Tour ermöglicht hat, ist an diesem Abend wohl ein großer Stein vom Herzen gefallen.
Zurückblickend war das meine bisher umfangreichste, zugleich aber auch schönste Tour. Das Konzept, nur ein paar Eckpunkte im Vorab zu planen und den Rest vor Ort zu entscheiden, ist aus meiner Sicht wunderbar aufgegangen. Unser RF1 hat seine erste große Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. Auch im Hinblick auf die Zuverlässigkeit der Technik hat die Reise eine ganze Menge Vertrauen wachsen lassen.
Und wenn wir etwas dabei gelernt haben, dann ist es wohl die oft zitierte Erkenntnis, die eigenen Träume zu verwirklichen, wann immer es geht. In diesem Sinne, man sieht sich - on the road again.

Euer IronHorse

Hotelverweise:

Saint-Menehould Hotel Le Cheval Rouge 
Saint Malo Hotel L'Hermine 
Plouider Hotel Le Week-End 
Savenay Hotel Le Chene Vert 
St. Seurin de Cursac Hotel La Renaissance 
Maslacq Hotel Maugouber 
Saint-Paul-de-Fenouillet Hotel Le Chatelet 
Lacaune Hotel Le Ralais de Fusiès 
Sanilhac Hotel La Tour de Brison 
Trevignin Hotel Bellevue