Trike on Tour 

Vom Thüringer Wald bis an die Ostseeküste und zurück


Text: (c) Peter Jänich 2003
Fotos: Peter Jänich

Unser Trike Ein paar Tage gemeinsamen Urlaub, ein Trike und ein bischen Zeit zur Vorbereitung, mehr brauchte es nicht für unsere erste längere Trike-Tour. Am Ende waren es immerhin fast 1500 km, die wir auf drei Rädern zurückgelegt hatten. Aber alles schön der Reihe nach:
Die Freunde vom  Star Riders Chapter Thüringen  hatten zum Stammtisch in's Restaurant  St. Georgs Stuben  nach Georgenthal eingeladen und da wir in letzter Zeit gelegentlich mal zusammen ausgefahren sind, beschlossen wir, unsere Tour eben dort, mitten im geographischen Zentrum Thüringens zu beginnen. Die Star Riders Germany Chapter Thüringen Der Stammtisch war terminlich so gelegt, daß wir am Treffen der Free Biker Leinatal in Ernstroda teilnehmen konnten. Pünktlich zu Beginn der Ausfahrt waren wir vor Ort und siehe da, außer uns noch ein Triker unter den vielen Kollegen der zweirädrigen Zunft. Eine wunderschöne Strecke wurde angenehm zügig abgefahren und meine Frau konnte das erste Mal das Erlebnis genießen, wenn die Leute am Straßenrand den Mund nicht mehr zu bekommen vor lauter Staunen über die nicht enden wollende Karawane eigenartiger Gestalten auf zwei oder drei Rädern. Für mich ist dieses Gefühl immer wieder ein Erlebnis und jeder, der das einmal mit gemacht hat, wird mir das wohl bestätigen. Der Tag klang aus in einer ehemaligen Getreidehalle, die zum Party-Shuppen umfunktioniert wurde. Für unsereinen waren die Geräusche von Mad Zeppelin ein klein wenig zu laut, aber den jüngeren Kollegen schien's gut gefallen zu haben.
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von der Gruppe und setzten unseren Weg in Richtung Harz alleine fort. Das Wetter hat es gut mit uns gemeint und so waren wir schon relativ zeitig in  Wernigerode .
Rathaus Wernigerode Wernigeröder Schloß Vorbei an Sorge und Elend, die verschlungenen Pfade des Harzes entlang, ist die Strecke sehr zu empfehlen. Besonders dann, wenn man etwas von der Landschaft sehen will und auch sonst nichts gegen eine kurvenreiche Routenführung hat. Der Nachmittag in Wernigerode wurde ausgiebig dazu genutzt, diese wunderschöne Stadt mit ihren herrlichen Fachwerkhäusern näher kennenzulernen. Selbst auf das bekannte  Wernigeröder Schloß  hab' ich mich getraut, aber nur, weil eine kleine Bimmelbahn die Ersteigung des hoch auf dem Berg gelegenen Anwesens halbwegs erträglich macht.
Pension 'Zum Kutschenbauer' Die Pension  'Zum Kutschenbauer'  kann ich all denen empfehlen, die Wert auf ein schönes Ambiente legen und dafür bereit sind 70,- Euro für die Übernachtung im Doppelzimmer locker zu machen. Die Wirtsleute sind sehr entgegenkommend, das Fahrzeug steht auf einem abends abgeschlossenen Hof und die Freude des Besitzers über eine genehmigte Sitzprobe auf dem Low Rider war ihm sichtlich anzumerken. Einziges Manko ist, daß man zum Essen außer Haus gehen muß. Im Nachhinein stellt sich aber selbst das wiederum als Vorteil heraus, bekommt man doch Gelegenheit, die zahlreichen gastronomischen Einrichtungen in Wernigerode zu begutachten. Da ist für jede Geschmacksrichtung und jeden Anspruch etwas zu finden.
Schweriner Schloß Frisch aufgesattelt gings am nächsten Morgen weiter in Richtung Landeshauptstadt MVP. Schwerin mit seinem Stadtschloß und der umliegenden Seenlandschaft ist allemal eine eigene Reise wert, trotzdem nutzten wir unseren Tag für eine Übernachtung bei der Verwandschaft, die sich dort seit einigen Jahren angesiedel hat. Für die Stadt selbst war außer einer kurzen Stipvisite auf drei Rädern leider keine Gelegenheit.
Auch hier verabschiedeten wir uns am nächsten Morgen, wobei ich feststellen mußte, daß wir eine Schraube aus der Befestigung des Motorschutzbügels verloren hatten und der Deckel des Öleinfüllstutzens hatte sich ebenfalls unbemerkt davon gemacht. Das waren aber auch schon alle technischen Probleme, die wir hatten.
Die nächste Tagestour ermöglichte meiner Frau ein Wiedersehen mit Ihrer Mutter, wobei wir der Ostsee bis auf wenige Kilometer nahe gekommen waren. Hätten wir noch ein oder zwei Tage dranhängen können, wäre ich gern zu einem Abstecher nach Rügen oder Usedom aufgebrochen.
So aber war ausgemacht, am nächsten Abend in Altglobsow am Stechlinsee einzufahren. Etwa zwei Autostunden nordwestlich von Berlin gelegen, gehört die Gegend um den Stechlinsee zu den schönsten Urlaubsregionen im Osten Deutschlands. Der Stechlinsee War sie doch auch schon zu DDR-Zeiten begehrtes FDGB-Erholungsgebiet. Immernoch zeugt eine bronzene Gedenktafel von Wilhelm Pieck (?) gleich neben unserem Quartier von dieser Zeit. Heute dient sie lediglich noch gestreßten Handybenutzern zur Verstärkung des Mobilfunk-Empfangs, der dort bei weitem noch nicht bis in alle Ecken vorzudringen vermag. Wer Ruhe und Entspannung in freier Natur sucht, gelegentlich ein bischen Kultur einstreuen will und gerne Fisch ißt, der ist in der Stechliner Gegend bestens aufgehoben. Zwei Tage verbrachten wir im idyllisch gelegenen  Ferienhof Altglobsow , Ausflüge mit dem Trike in die nähere Umgebung natürlich eingeschlossen.
 Rheinsberg , bekannt durch sein berühmtes Schloß direkt am See gelegen und Theodor Fontanes 'Wanderungen durch die Mark Brandenburg', war der Startpunkt für einen zweistündige Schiffsausflug über die umliegende Seenlandschaft. Rheinsberger Schlosspanorama Den anschließenden gedünsteten Zander in Dillsoße werde ich so schnell nicht vergessen, war es doch das beste an Fisch, was ich seit langer Zeit genießen durfte.
Aber auch Fürstenberg oder das Dorf  Neuglobsow  mit seinen zahlreichen kleinen Wirtschaften und dem Sandstrand am Stechlinsee sind auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Der See besticht übrigens durch sein glasklares Wasser, durch das man mehrere Meter in die Tiefe schauen kann.
Kurz gesagt, die zwei Tage waren eigentlich viel zu schnell vorbei und übrig blieb nur noch die Heimreise über die Autobahn, die wir ohne allzugroße Staus oder andere Probleme ziemlich schnell hinter uns bringen konnten.
Im Nachhinein war's eine schöne Woche und wenn sich die Gelegenheit bietet, gibt's in Deutschlands schönen Ecken sicher noch viel zu sehen und zu staunen. Warten wir's ab ...