Vogtlandtour 2011 - Edeltriker & Friends on Tour 

Vogtlandtour für Edeltrikes August 2011


Text: Peter Jänich
Fotos: Peter Jänich, andere Tourteilnehmer
veröffentlicht in der Zeitschrift TrikerSzene - Heft I/2012

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Das Vogtland vom Fichtelberg aus betrachtet Talsperre Eibenstock
Mühlacker, November 2010, Tourennachtreffen bei  Dieter Edel . Bilder von wunderschönen Landschaften und vielen gemeinsamen Erlebnissen zaubern ein Lächeln auf die Gesichter der Anwesenden und rufen Erinnerungen zurück an unbeschwerte Urlaubstage des vergangenen Jahres. Neben den großen Highlights Dolomiten oder Französische Seealpen sind alljährlich auch eine ganze Reihe einheimischer Landstriche im Edelschen Tourenangebot zu finden. Ob Schwarzwald, Mosel oder Allgäu, allesamt wunderschöne Landschaften und lohnenswerte Ziele für den Trikefreund.
Irgendwann hatte ich gegenüber dem Veranstalter mal beiläufig mein Bedauern geäußert, dass es bei diesem Angebot nicht eine einzige Tour im ehemaligen Osten der bunten Republik Deutschland gäbe. Haben wir doch in den neuen Bundesländern auch wunderschöne Ecken anzubieten, die für den gestandenen Triker allemal einen Abstecher wert sein sollten.
"Na dann stell doch mal selber 'ne Tour zusammen ..." war der lapidare Kommentar, der mir kurz darauf eine Menge Kopfzerbrechen, viele Stunden Arbeit, aber auch ein einmaliges Erfolgserlebnis bescheren sollte.
Da ich mit meinem Zuckerhuhn im schönen Vogtland ansässig bin, lag natürlich eine Streckenführung innerhalb dieses historischen Fleckchens Erde sehr nahe. Der Name rührt übrigens daher, dass das Gebiet bereits im frühen Mittelalter von den Vögten zu Weida, Gera, Plauen und Greiz verwaltet wurde. Und da sich das vogtländische Territorium von Thüringen über Böhmen und dem nördlichen Frankenland bis in die Ausläufer des Westerzgebirges erstreckt, wurde auch die Streckenführung entsprechend gewählt. In zweieinhalb Tagen kann man natürlich nicht alles "erfahren", dazu ist die Zeit einfach zu knapp. Aber man kann ja modifizieren. Den dabei gewesenen sei gesagt: die Streckenführung für das kommende Jahr wird neben Bewährtem auch ein paar neue Überraschungen bereit alten. Wiederkommen lohnt sich also ganz bestimmt.
Als erstes gilt es natürlich immer, ein passendes Hotel zu finden. Irgendwo im geografischen Mittelpunkt der Streckenführung, eine gute Lage mit passendem Ambiente, landestypischer Küche und natürlich mit genügend "Stauraum" für über 20 (!) Trikes. Als ich diese Zahl zum ersten Mal gehört hatte, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Schließlich sollte die Tour ja unsere Premiere als Tourguides werden und dann gleich mit sooo einer Kette hinterdrein. "Alles halb so wild" meinte der Dieter, "... wenn die Gruppe gut harmoniert und sich jeder an die Regeln hält, dann klappt das schon." Im Nachhinein kann ich das bestätigen, wir haben nicht einen einzigen Teilnehmer unterwegs verloren.

Hotel/Restaurant Köhlerhütte Fürstenbrunn Hotel/Restaurant Köhlerhütte Fürstenbrunn Doch zurück zur Tour: Eine Unterkunft war relativ schnell gefunden. Die  "Köhlerhütte Fürstenbrunn"  im Grünhainer Ortsteil Waschleithe ist ein familiengeführtes kleines Hotel mitten im Wald. Für unsere geplanten Tagesetappen war es der ideale Ausgangspunkt mit hervorragendem Service und einer Küche, die auch für den verwöhnten Gaumen keine Wünsche offen lässt.
Nach der individuellen Anreise und dem abendlichem Kennenlernen war für Freitag die thüringer Seite des Vogtlandes als Reiseziel geplant. Nun ist es ja für sich genommen sehr erfreulich, dass hier im Osten in den letzten Jahren viel für die ehemals marode Infrastruktur getan wurde. Auch der Strassenbau hat bei uns noch viel nachzuholen. Warum allerdings sämtliche Umleitungen des Vogtlandes ausgerechnet auf unsere Streckenführung verlegt wurden, bleibt mir ein Rätsel. Zum Glück gibt es heute diese elektronischen Helferlein und mit Zuckerhuhn auf dem Rücksitz ist auch meine sprichwörtliche Ortsdummheit trotz der ungeahnten Hindernisse gut zu bewältigen.
Die Streckenführung an sich ist ohnehin nicht so wichtig. Entscheidend ist allerdings die Tatsache, dass wir uns von Anfang an für eine "Sightseeing-Tour" entschieden haben. Wer sein Trike austesten möchte, der möge sich auf dem Nürburgring austoben oder mit Dieter Edel den "Kurvenrausch Alpen" ausprobieren. Uns war es wichtiger, Land und Leute kennen zu lernen, gibt es doch so einiges zu sehen hier.
So staunten die Teilnehmer beispielsweise nicht schlecht, als uns der Vorsitzende der  "Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommission e.V."  glaubhaft versicherte, im kleinen Örtchen Pausa träte doch tatsächlich die Erdachse zu Tage. Und sein Verein habe sich der Schmierung selbiger verschrieben, wozu man natürlich ein ordentlich gebranntes "Erdachsen-Öl" benötigen würde. Selbst das Altöl würde in Form der "Erdachsenschmiere" in Flaschen abgefüllt und dem Besucher zum verkosten angeboten. So mancher hat seither die eine oder andere Flasche des edlen Gesöffs in der heimischen Hausbar zu stehen.
Auch die lokale Presse hat sich für den außergewöhnlichen Anblick:   "23 Dreiräder vor dem Pausaer Rathaus"  interessiert und das Großereignis in zwei lokalen Zeitungen dokumentiert.

Gasthof Lochbauer in Jößnitz Aber alles schön der Reihe nach.
Im Jößnitzer Gasthof  "Lochbauer"  war zuvor ein Pausenstopp mit Mittagessen angesetzt. Ein umgebauter Dreiseithof inmitten grüner Wiesen und Wälder, den man als Ortsfremder wohl kaum finden würde. Um so erfreulicher, dass der Wirt extra für uns einen Kesselgulasch auf offenem Feuer angesetzt hatte. Die Beteiligten wissen, dass er sein Handwerk gut versteht.
Satt und zufrieden war als nächstes die Rennstadt Schleiz anvisiert. Die bekannte Rennstrecke, das  "Schleizer Dreieck" , wird noch heute ihrer Bestimmung gemäß genutzt und so flitzen hier alljährlich historische Autos, Motorräder aller Couleur und sogar Weltmeister im Seitenwagenrennsport über die Strecke. Da kann man natürlich nicht so einfach dran vorbeifahren. Also haben wir die Chance genutzt, um eine schnelle Runde auf der Rennpiste zu drehen. Was mir allerdings neu war, ist die Tatsache, dass man sich auf einem Rundkurs tatsächlich verfahren kann. Nach durchlebter Schrecksekunde ob eines möglichen Unfalls sei den Betroffenen empfohlen: Immer schön links halten, irgendwann taucht das Ziel dann ganz von alleine auf.
Das Vogtland Wie schon beschrieben, ging's anschließend über Zeulenroda weiter nach Pausa und danach auf sehr gut ausgebauten Landstrassen bis nach Mylau an die  Göltzschtalbrücke . Das imposante Bauwerk feierte kürzlich seinen 160igsten Geburtstag und ist mit 22 Millionen Steinen die größte Ziegelbrücke der Welt. Der Slogan: "Kommen Sie doch mal auf einen Sprung vorbei ..." wurde in den vergangenen Jahren leider viel zu häufig all zu wörtlich genommen. Das Bauwerk genießt daher den zweifelhaften Ruf einer Selbstmörderbrücke, was man jedoch durch bauliche Maßnahmen zunehmend erfolgreich unterbunden hat.
In der am Fuße der Brücke gelegenen Ketzels Mühle backt man unter anderem sehr leckere Torten und kocht einen vernünftigen Kaffee. In der Zwischenzeit ist auch der unweit der Brücke stationierte Fesselballon wieder in Betrieb, von dessen Gondel aus man das gesamte Areal in 150 Metern Höhe überblicken kann. Leider war uns das zum Zeitpunkt unseres Besuches noch nicht vergönnt.
Über Weißensand und Mühlwand führte unsere Route weiter entlang der Göltzsch nach Rodewisch und über die bekannten Bierstadt Wernesgrün zurück zu unserem Stützpunkt. Der Tag klingt aus in der Gastlichkeit des Tourhotels bei deftiger vogtländischer Hausmannskost.



Zughotel in Wolkenstein Das Wetter hat gehalten und der Samstag begrüßt uns wenigstens gelegentlich mit Sonne. Für heute ist eine Streckenführung in's Erzgebirgische geplant. Unser Tagesziel ist die  Augustusburg  im gleichnamigen Ort. Mit ihrem majestätischen Anblick stellt sie eine der bedeutendsten Renaissanceanlagen Deutschlands dar und präsentiert sich ausgewiesener Maßen als Burg der Biker. Wir haben die ausdrückliche Erlaubnis, mit den Trikes bis hinauf in den Schlosshof zu fahren, wo die Maschinen von zahlreichen Touristen bestaunt werden. Besonders das Boss Hoss-Trike mit seinen 460 PS und infernalischem Motorengebrüll findet reges Interesse beim mehr oder weniger fachkundigen Publikum. Ein Besuch der historischen Motorradausstellung ist natürlich Pflicht und wir staunen über die Vielfalt und den ausgezeichneten Zustand der dargebotenen Exponate. Auch das Mittagessen auf der Burg ist recht ordentlich und nach fast 2 Stunden Aufenthalt endet unsere Stippvisite.
Augustusburg Wir fahren weiter über den Schnittpunkt der Alten Salzstraße mit der erzgebirgischen Silberstrasse nach Marienberg und wollen eigentlich weiter nach Wolkenstein. Vielleicht kennt ja der eine oder andere die alte Geschichte vom Hasen und dem Igel. Heute waren wir die Hasen und immer wenn wir glaubten, einen Weg gefunden zu haben, rief die nächste Umleitung: "Ich bin schon da ... "
Irgendwann gelingt uns der Durchbruch und wir landen zur Kaffeepause am weithin bekannten  Zughotel in Wolkenstein . Die Idee, aus einem ausgedienten MITROPA-Zug ein Hotel zu machen, dürfte wohl einzigartig sein. Die Hotelzimmer entsprechen Schlaf-wagenabteilen erster und zweiter Klasse. Auch ein Imbiss gehört zum Angebot des Wolkensteiner Zughotels, das wir dankend annehmen.
Fast der gesamte Tross hat sich entschlossen, vor der Rückfahrt zum Tourhotel noch einen kurzen Abstecher nach Johanngeorgenstadt zu wagen. Kurz hinter dem Ort wartet ein sogenannter Fidschi- oder auch Tschechen Markt auf den Besucher und wer es nicht kennt, für den ist dieser Besuch sicher ... eine Ernüchterung. Trotzdem sei natürlich jedem die Erfahrung gegönnt, manche Dinge muss man eben selbst erlebt haben. Auf dem Rückweg noch schnell getankt, klingt der Tag als Grillabend im Tourhotel aus. Herzlichen Dank an das Hotel, Es war einfach nur lecker !



Locket Es ist Sonntag. Die Tour neigt sich ihrem Ende zu und einige beschließen, die Heimfahrt direkt vom Hotel aus anzutreten. Mit dem Rest der Gruppe unternehmen wir noch einen Abstecher auf den Fichtelberg. Die mit 1215 Metern höchste Erhebung Sachsens verwöhnt uns mit einem grandiosen Ausblick und gewährt einen letzten wehmütigen Blick auf den erzgebirgischen Teil des Vogtlandes.
Gleich anschließend führt die Route über die Grenze ins Nachbarland Tschechien. Auf mäßig guten Strassen passieren wir kleine Städtchen des Böhmischen Erzgebirges wie Bozi Dar, der höchstgelegenen Stadt in Mitteleuropa. Wir durchfahren Pernink und Chodov. Die Strasse führt weiter bis hinunter nach  Loket  (zu deutsch: Elbogen). Ein beschauliches mittelalterliches Städtchen mit einer sehenswerten Burg, das von der Eger regelrecht umflossen wird. Nach der Kaffeepause mitten auf dem zentralen Platz des Ortes eilen wir über die E48 recht schnell zurück über die deutsche Grenze.
Die Tagesetappe endet dann schließlich im  Gasthaus "Gläßl im Gut"  in Göpfersgrün. Der angesagte Gasthof mit bester fränkischer Hausmannskost mitten auf dem Land vergönnt uns ein letztes gemeinsames Erlebnis.
Und hier endet unsere Tour. Wir haben in kürzester Zeit unheimlich viel zusammen erlebt und wenn bei dem einen oder anderen das Gefühl geweckt wurde, vielleicht mal einen ganzen Urlaub im "Wilden Osten" zu verbringen, dann sollte uns dass sehr freuen.
Man sieht sich, ... on the road again.


Herzliche Grüße aus dem Vogtland
von IronHorse und seinem Routenflüsterer Zuckerhuhn.